Zimmerhofer Kita weit weg vom Regelbetrieb

Bad Rappenau  Seit Mitte März herrscht Ausnahmezustand in der Kita im Bad Rappenauer Stadtteil Zimmerhof. Die Erzieher verfolgen ein offenes Konzept, in dem die Kinder mitsprechen können. Durch die Corona-Verordnungen ist das nur schwer umzusetzen.

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In der Kita Zimmerhof verfolgen die Erzieher ein offenes Konzept. Durch die Verordnungen des Landes ist das nicht mehr umsetzbar.

Foto: Elfi Hofmann

Die Kita im Bad Rappenauer Stadtteil Zimmerhof ist eine Einrichtung mit offenem Konzept, die Kinder dürfen sich frei bewegen. Seit Mitte März müssen sich die Erzieherinnen um Leiterin Birgit Lechler allerdings komplett umgewöhnen. Laut der Corona-Verordnungen dürfen die Kinder ihre jeweiligen Gruppen nicht verlassen, eine Durchmischung ist verboten. "Das schränkt uns und die Kinder massiv ein", sagt Birgit Lechler.

Kinder leiden unter der Situation

Die erarbeiteten Konzepte seien völlig über den Haufen geworfen. Von den meist kurzfristig angekündigten Verordnungen erfahren die Erzieher oft nicht vom Land, sondern durch die Eltern. Das Schlimmste für Birgit Lechler ist aber nicht die mangelnde Informationspolitik, sondern die Kinder unter der Situation leiden zu sehen. "Manche wollen davon nichts mehr hören, andere erklären es sich auf ihre Art", sagt die Pädagogin. Einige Kinder seien näher am Wasser gebaut, als vorher.

Was alle gemeinsam haben: Sie können nicht nachvollziehen, warum sie nicht mit ihren Freunden aus anderen Gruppen spielen dürfen. Auch gemeinsame Gartenbesuche sind tabu. Selbst beim Essen muss ein Abstand von eineinhalb Metern eingehalten werden. "Von einem Regelbetrieb sind wir meilenweit entfernt", sagt Lechler. Sie und ihre Kollegen haben sich bewusst für das offene Konzept entschieden. Das sieht auch die Mitbestimmung der Kinder vor.

Außerdem sei der Kontakt zu einigen Familien abgerissen. "Das ist bei manchen kritisch", so die Leiterin. Wie die langfristigen Folgen aussehen, kann sie noch nicht sagen. Die Verordnungen des Landes werden innerhalb des Teams regelmäßig diskutiert. "Die Lösungen, für die man eigentlich viel Zeit braucht, müssen uns immer sehr schnell einfallen", erzählt die Kita-Leiterin. Die Standards seien teilweise komplett ausgehebelt. Für die Kinder sei es sehr wichtig, das Beste aus der Situation zu machen. Das bedeutet auch, die Dienstpläne umzuschreiben.

Andere Einrichtungen, gleiche Probleme

Eigentlich dürfen die Erzieher jeweils nur in einer Gruppe arbeiten, um bei einer eventuellen Ansteckung nicht mehr Kollegen oder Kinder als nötig zu gefährden. Das sei durch die Teilzeitkräfte nahezu unmöglich umzusetzen, so Lechler. Die Kita-Leiterin steht in Kontakt mit anderen Einrichtungen. Auch dort wisse man nicht, wie die Anforderungen am besten umzusetzen seien. Denn letztendlich sollten die Kinder im Mittelpunkt stehen. Das vermisst Birgit Lechler in den in Beamtendeutsch verfassten Verordnungen oft. "Vieles kann ich einfach nicht nachvollziehen."

Mit der Notbetreuung hat die Kita Zimmerhof vor drei Monaten praktisch direkt begonnen. Nach mehreren Lockerungen sind auch wieder Kinder da, die entweder besonderen Förderbedarf haben oder nach den Sommerferien in die Schule kommen. Um so vielen Kindern wie möglich den Besuch zu ermöglichen, gibt es in einigen Gruppen mittlerweile ein routierendes System. Trotzdem: "Viele haben die Kita seit einem Vierteljahr nicht mehr gesehen. Das macht etwas mit ihnen." Dass auch die Eltern unter der Situation leiden, versteht Birgit Lechler. Viele hätten alle Mittel zur Betreuung ausgeschöpft.

Regelung ab 29. Juni

Im Moment sei es sehr schwer für sie, den Beruf machen zu wollen. "Es geht nur noch um die Organisation der Bestimmungen", sagt Birgit Lechler traurig. "Uns fehlt auch ein Stück weit die Perspektive."

Ab 29. Juni sollen alle Kinder regelmäßig ihre Kitas und die Kindertagespflege besuchen können. Grundlage für die Öffnung für einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen sind die vorläufigen Ergebnisse der Kinderstudie der vier Universitätskliniken im Land. Die im Auftrag der Landesregierung unter Federführung des Uniklinikums Heidelberg durchgeführte Studie hat die Befunde bestätigt: Kinder erkranken deutlich seltener und haben dann meist mildere Verläufe mit wenigen oder gar keinen Symptomen.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

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