Unterstützung bei der Jobsuche für Flüchtlinge

Bad Rappenau  Wie schreibt man einen Lebenslauf in Deutschland? Und auf welche Zeugnisse muss man achten, wenn man auf Jobsuche ist? Diese Fragen stellen sich viele Menschen, die aus ihren Heimatländern geflohen sind und nun wieder arbeiten möchten. Unterstützung gibt es seit Anfang Oktober im Jugendhaus.

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In den Räumen des Jugendhauses Maximal treffen sich Jobcoaches und Arbeitssuchende seit Anfang Oktober jeden Dienstagvormittag.

Foto: privat

Seit Anfang Oktober können sich die in Bad Rappenau lebenden Flüchtlinge bei den Jobcoaches melden und sich mit ihnen dienstags im Jugendhaus Maximal treffen. Geleitet wird die Beratung von Klaus Harder. Der ehemalige Manager der Vulpius Klinik berät schon länger arbeitssuchende Flüchtlinge, jetzt haben er und die anderen fünf Coaches einen eigenen Raum im Maximal.

Oft fehlt klassische Berufsausbildung

"Die Termine sind schon jetzt gut nachgefragt", sagt Harder. Zum ersten Gespräch sollen die Arbeitssuchenden so viele Unterlagen wie möglich mitbringen. Neben Lebenslauf und Sprachzertifikaten seien auch Zeugnisse wichtig, so Harder. Das Problem dabei: In ihren vielen Ländern gibt es keine klassische Berufsausbildung mit schriftlichen Belegen. Außerdem gehen solche Unterlagen auf der Flucht oft verloren. Gemeinsam mit den Jobcoaches werden dann Ziele und Wünsche besprochen.

"Keiner geht hier raus, ohne etwas Konkretes festzulegen", erklärt Klaus Harder. Das könne ein weiterer Sprachkurs sein, um die eigenen Deutschkenntnisse zu verbessern, oder ein Praktikum, um in den Beruf reinzuschnuppern. Besonders bei der Altenpflege wird dieser Zwischenschritt empfohlen, denn schwer heben ist körperlich nicht für jeden geeignet.

Manchmal ändern sich dadurch auch die Ziele. "Ich betreue eine Frau aus Syrien, die eigentlich was ganz anderes machen wollte. Und jetzt arbeitet sie mit geistig behinderten Menschen", erzählt Harder.

Hilfe im Behördendschungel

Unterstützt wird er von Silke Naun-Bates. "Der Behördendschungel ist ein großes Thema", sagt sie. "Selbst wir verstehen nicht immer alles." An Laptops, die die Volksbank finanziert hat, werden die Lebensläufe geschrieben, Naun-Bates bringt sie danach in die in Deutschland gewünschte Form. Den Rest müssen die Bewerber selbst regeln. Viele Flüchtlinge haben in ihren Heimatländern studiert, konnten aber durch die lange Flucht und die Zeit, bis sie in Deutschland arbeiten dürfen, keine praktischen Erfahrungen sammeln. So geht es einem IT-Experten, den Naun-Bates betreut. "Noch ist er auf der Suche", sagt sie.

Für die Frauen und Männer sei es sehr bedeutend, selbstständig zu sein und sich aus der Abhängigkeit vom Arbeitsamt zu lösen, erklärt Klaus Harder. "Die meisten kennen solch eine Situation aus ihrem Heimatland nicht." Es sei zwar niemandem komplett egal, in welchem Beruf er in Zukunft tätig sein wird, aber die Würde zurückzubekommen, das sei für alle das Wichtigste. Die Coaches und die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Jeanette Renk-Mulder hoffen, dass in den Betrieben ein Wandel geschieht.

"Es muss irgendwann selbstverständlich werden, dass man Flüchtlinge einstellt und gar nicht mehr darauf achtet", sagt Naun-Bates. Viele Betriebe seien sehr offen, auch wenn die Bewerber keine Zeugnisse vorweisen können, dafür aber viele praktische Kenntnisse mitbringen.

Der Kontakt bricht übrigens nach einer Job- oder Praktikumszusage nicht ab. "Wir fragen direkt am Anfang nach, wie es läuft und ob noch Unterstützung nötig ist", erklärt Klaus Harder. Im Idealfall sehen sich der Berater und sein Gegenüber dann nur noch außerhalb der Jobvermittlung.

Anmeldung

Das Landratsamt finanziert das Projekt, die Volksbank hat die Laptops gesponsert. Neubürger, die einen Job suchen, sich aber bei der Bewerbung noch unsicher sind, können unter Telefon 0171 3755359 anrufen oder sich per E- Mail an jobcoach-badrappenau@gmx.de wenden. Ein Termin ist immer dienstags zwischen 10 und 12 Uhr im Jugendhaus Maximal gegenüber des Wasserschlosses möglich. Die Interessenten müssen sich allerdings vorher noch anmelden. Wer einen Job, einen Praktikumsplatz oder auch eine Ausbildung anbieten möchte, kann sich ebenfalls bei den Coaches melden.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld.

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