Wie eine Hostel-Betreiberin aus Eppingen die Corona-Zeit auf Sri Lanka erlebt

Eppingen  Das Hostel von Stefanie Richter auf Sri Lanka hat seit März geschlossen. Statt Gäste zu beherbergen, hilft die Eppingerin den Einheimischen mit Spendenaktionen und hat Pläne für die Zukunft. Sehnsucht nach ihrer Familie hat sie trotzdem.

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Stefanie Richter hat mittlerweile zwei Hunde. Ihr Hostel "Steffis Mandala" steht seit einigen Monaten allerdings nahezu leer, Touristen dürfen nicht nach Sri Lanka einreisen.

Foto: privat

Weihnachten und den Jahreswechsel fern ab der Familie zu verbringen, ist schon in normalen Jahren für die wenigsten schön. Für Stefanie Richter ist das mittlerweile ein Dauerzustand. Die Eppingerin lebt auf Sri Lanka, betreibt dort ein Hostel und hat ihre Eltern wegen der Corona-Pandemie seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen. "Ich würde gerne nach Hause fliegen", sagt sie. Bei ihrer Rückkehr müsste sie dann aber zwei Wochen in ein Quarantäne-Hotel. Auch deshalb hat sie bisher auf einen Heimatbesuch verzichtet.

Trotzdem versucht die Eppingerin die Zeit und die Ruhe zu genießen, denn ihr ist durchaus bewusst, dass es anderen Menschen wesentlich schlechter geht. "Ich habe im Gegensatz zu vielen anderen immerhin ein Dach über dem Kopf und genug zu essen", erzählt die 25-Jährige. Für eine Familie, die in einem Holzverschlag lebt, hat sie eine Spendenaktion im Internet ins Leben gerufen, für eine Frau einen Rollstuhl organisiert. "Sie kann wegen einer Lähmung nicht mehr arbeiten, ihr Mann musste sie immer tragen. Und konnte deshalb auch nicht mehr arbeiten gehen", sagt Richter. 65 Euro kostete der Rollstuhl, der der Familie das Leben ein wenig erleichtert.

Auf Unterstützung durch die Regierung können die Bewohner Sri Lankas, von denen viele vom Tourismus abhängig sind, in der momentanen Situation kaum hoffen. "Sie verkaufen ihr Land und ihr Hab und Gut, um zu überleben."

Die Natur atmet durch

Der Einreisestopp für Touristen ist Segen und Fluch zugleich für Sri Lanka. Auf der einen Seite bangen die Menschen um ihre Existenz, auf der anderen erholt sich die Natur nach und nach. Stefanie Richter hat den Strand vor dem Hostel meistens ganz für sich alleine. "Ich sehe unheimlich viele Schildkröten", erzählt sie. Auch die Korallenriffe haben nun Zeit zum Durchatmen.

Daran haben auch die Weihnachtsfeiertage nichts geändert, denn Sri Lanka ist buddhistisch, Jesu Geburt wird in normalen Jahren fast nur für die Touristen gefeiert. Keine zehn Prozent der Einwohner sind Christen. Trotzdem: "Die Buddhisten stehen ihnen nahe und feiern oft mit", erzählt Richter. In den Einkaufszentren stehen dann auch bunt geschmückte Bäume.

Ähnlich läuft es an Silvester, denn das buddhistische Neujahrsfest wird erst Mitte April begangen. "Es gibt dann mehrmals täglich ein Feuerwerk", erzählt die Auswanderin. Sie selbst trifft sich mit Freunden in kleiner Runde.

Erste Schritte in Richtung Normalität

Wann die Regierung die Grenzen wieder für Touristen öffnet, steht bisher noch nicht fest. "Es gibt einen Plan für bestimmte Länder", sagt Stefanie Richter. "Die Leute dürfen aber nur in zertifizierten und teuren Hotels übernachten". Bis auch sie in ihrem Hostel "Steffis Mandala" wieder Gäste beherbergen darf, dauert es also noch. Es sei aber sehr gut, dass ein erster Schritt gemacht werde. "Allein der Gedanke tut gut."

Die Saison sei für sie allerdings ab April vorbei. Deshalb wurde auch die angedachte Renovierung verschoben. Langweilig wird es Stefanie Richter allerdings nicht. Weil das Hostel direkt an der Hauptstraße liegt, plant sie ein kleines Häuschen zu bauen, in dem sie ihre selbstgenähte und nachhaltige Kleidung sowie Kaffee verkauft. Eine Baugenehmigung wie in Deutschland braucht man dafür in den meisten Fällen nicht. "Das läuft hier anders ab, es geht viel über Beziehungen." Wenn man sich einmal an die Abläufe gewöhnt und mit der Korruption im Land umzugehen gelernt habe, sei vieles einfacher. Wenn es endlich wieder losgeht, hofft Richter, dass sie den Einstieg in den Alltag wieder schafft. "Langsam möchte ich wieder was machen."

Einreise nach Sri Lanka

Seit dem 15. März ist die Einreise aus Deutschland nach Sri Lanka verboten. Die Regierung hatte geplant, die Grenzen im Sommer wieder zu öffnen. Dieser Termin ist allerdings verschoben worden. Das Leben im Land war lange Zeit von Ausgangssperren geprägt. Diese sind mittlerweile aufgehoben. Ein Expertengremium hat Richtlinien zur schrittweisen Öffnung entworfen, die ab 1. Januar greifen sollen. Touristen müssen allerdings mindestens 14 Tage im Land bleiben. Eine zweiwöchige Quarantäne ist verpflichtend.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld.

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