Wenig Stoff und viel dahinter

Bad Rappenau  Einen Tag vor dem Start öffnet das Bikiniartmuseum exklusiv für Bewohner der Kurstadt. Das Konzept und die Exponate begeistern die Besucher. 

Von Andreas Zwingmann
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Die „Generalprobe“ - so viel sei vorweg verraten - ist gelungen. Einen Tag vor der offiziellen Eröffnung am heutigen Sonntag hat das Bikiniartmuseum (BAM) seine Türen exklusiv für alle interessierten Bad Rappenauer geöffnet. Rund 300 Kurstädter nutzten die Gelegenheit, sich einen Eindruck von der neuen Attraktion am A6-Boulevard zu verschaffen und einen Blick auf das weltweit erste Museum zu werfen, das sich der Geschichte der Bademode von ihren Anfängen bis zur Gegenwart widmet.

Jede Menge Geschichten werden erzählt

„Es ist ja eigentlich nur ein Stück Stoff, um das es hier geht“, sagt Beate Seiwald, die mit ihrem Mann zur Eröffnung gekommen ist. „Um ehrlich zu sein wussten wir nicht so recht, was uns hier erwarten wird, und so wollten wir uns deshalb einfach mal selbst ein Bild machen.“ Gerade die Entwicklung dieses Stückchen Stoffs aber sei es, das sie beeindruckt hat: „Die Geschichte und die Geschichten, die mit den Badeanzügen verbunden sind - das ist schon richtig spannend.“ 

"Die Geschichte und die Geschichten, die mit den Badeanzügen verbunden sind - das ist schon richtig spannend", findet eine Besucherin.

Und derer gibt es reichlich im knallbunten, Art-Déco-inspirierten Neubau an der Autobahn-Erlebnismeile. Die von Helô Pinheiro etwa, jener Brasilianerin, die als 17-Jährige im Bikini den Strand von Rio de Janeiro entlanglaufend die Inspiration zu dem weltberühmten Bossa-Nova-Hit „Girl from Ipanema“ lieferte.

Oder natürlich die, wie der von Louis Réard erfundene Bikini zu seinem Namen kam. Erzählt wird aber unter anderem auch die Geschichte von Eveline Fischer, der Tochter des „Goldfisch“-Bademode-Fabrikanten Hans Fischer. Die junge Frau ließ sich 1943 im Bikini malen - und das, obwohl der Zweiteiler unter den Nationalsozialisten verboten und das Tragen noch Jahrzehnte später zumindest verpönt war.

Mit detektivischer Leidenschaft

Das Bild der vermeintlich ersten deutschen Frau in einem Bikini hat BAM-Initiator Alexander Ruscheinsky in Brasilien aufgespürt und den Besitzer, den Urenkel von Eveline Fischer dazu überredet, es dem Museum als Leihgabe zur Verfügung zu stellen. „Das ist schon beeindruckend, mit welch fast schon detektivischer Leidenschaft die Macher hier zu Werke gegangen sind“, zeigt sich Walter Geml begeistert. „Auch wenn einen die schiere Menge dessen, was hier zu sehen und zu erleben ist, erst einmal fast erschlägt, wird einem hier enorm viel Wissenswertes geboten.“

Seine Frau Karin kann ihm da nur beipflichten: „Das ist einfach sensationell“, findet sie. „Man merkt bei jedem Exponat, mit wie viel Herzblut die Sammler hier zu Werke gegangen sind und wie stolz sie wohl darauf sind, ihre Schätze nun auch der Öffentlichkeit zeigen zu können.“

Ein kleines Puzzleteilchen haben auch die Gemls zu diesen Schätzen beigesteuert, noch dazu mit einer Prise Lokalkolorit: „Ich hatte noch einen aufblasbaren Ball zuhause, den man am Strand auch als Kissen verwenden kann - mit Aufdruck von Benger Ribana“, erzählt er. Für das Werbemittel des Rappenauer Trikotagenherstellers habe er keine Verwendung mehr gehabt - „und hier passt es doch gut hin und wird vielleicht einmal Teil einer kleinen Sonderausstellung“, schmunzelt Walter Geml.

Auch das Auto am Eingang beeindruckt die Besucher 

„Wann sieht man sowas schon mal? Das ist schon eine tolle Sache für Bad Rappenau“, findet Walter Fritz, der mit seinen Kindern Sora und Lennox und deren Freund Philipp Nekolny zum Pre-Opening gekommen ist. Die Kids sind gespannt, was sie hier erwartet. Nachhaltig beeindruckt hat sie schon mal „das Auto da am Eingang“, sagt Lennox und zeigt auf den von Graffiti-Künstler René Turrek quietschbunt bemalten Wartburg, der die Besucher auf die Ausstellung einstimmt.

Rund 300 Kurstädter nutzten die Gelegenheit, sich einen Eindruck von der neuen Attraktion am A6-Boulevard zu verschaffen. Fotos: Andreas Zwingmann

Unter die Neugierigen aus Bad Rappenau haben sich aber auch einige der Sammler gemischt, die diese Fülle an Exponaten zusammengetragen und die Geschichten dazu erzählt haben. Neben Gislayne Rayer und Patrice Gaulupeau aus Paris ist auch Jürgen Kraft von der Insel Usedom auf eine Stippvisite vorbeigekommen.

Der vor allem auf die Bademode der ehemaligen DDR spezialisierte Experte ist überzeugt vom Ausstellungskonzept: „Die Aufteilung nach Ländern und Themengebieten und die Auflockerung durch Stationen, an denen die Besucher aktiv werden oder Fotos von sich machen können - das ist schon toll, und ich bin auch ein wenig stolz, dass ich mit meiner Sammlung etwas dazu beitragen konnte. Ich denke, das wird sich durchsetzen und ist auf jeden Fall ein Imagegewinn für Bad Rappenau.“

 

Karten für das Bikini Art Museum kosten aktuell zum „Summer Deal“ zwölf (ermäßigt neun) Euro für Erwachsene, Kinder bis sieben Jahren haben freien Eintritt. Gegen Vorlage eines gültigen Ausweises kommen Bad Rappenauer jeden Dienstag umsonst rein. Wer in Bikini oder Badeanzug beziehungsweise Badehose und Badeschuhen kommt, erhält 50 Prozent Ermäßigung auf den jeweiligen aktuellen Erwachsenenpreis. Wer dann zusätzlich zum Strandoutfit auch noch ein Surfbrett dabei hat, bezahlt gar nichts. Führungen für Gruppen und Schulklassen auf Anfrage unter info@bikiniartmuseum.com. 


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