Das Ja zu schnellen Kita-Eröffnungen scheitert oft an der Umsetzung

Bad Rappenau  Bad Rappenaus Oberbürgermeister Sebastian Frei versteht den Ärger der Eltern über die eingeschränkten Kita-Öffnungen. Die Umsetzung sei in der Realität manchmal schwer.

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In der neuen Kita St. Anna im Neubaugebiet Kandel ist auch der Außenbereich fast fertig. Wann auch dort eine Vollbelegung möglich ist, steht nicht fest.

Foto: Elfi Hofmann

Regelmäßig veröffentlichen die Bundesländer neue Corona-Verordnungen oder aktualisieren sie. Besonders im Bereich der Kinderbetreuung hat das in den vergangenen Wochen immer wieder zu Verwirrung bei den Eltern geführt. Aber auch die Kommunen haben es nicht einfach, sich im Verordnungsdschungel zurecht zu finden.

"Wir haben oft das Problem, dass in Berlin etwas angekündigt wird, das auf Länderebene umgesetzt wird, und dann sind wir erst dran", sagt Bad Rappenaus Oberbürgermeister Sebastian Frei.

Die Vorgaben kommen meist erst zum oder am Wochenende und sollen dann zeitnah gelten. Und obwohl die Verwaltung nach Aussage des OB alle Hebel in Bewegung setzt, die Verordnungen zu berücksichtigen – auch im Rathaus der Kurstadt arbeiten nur Menschen. Jüngstes Beispiel der Irritationen: Anfang Mai hatte das Kultusministerium einen eingeschränkten Regelbetrieb der Kindertagesstätten ab 18. Mai angekündigt.

Erleichterung bei vielen Eltern

Viele Eltern waren erleichtert. Wie genau die Abläufe aber sein sollten, stand bis zum 16. Mai nicht fest. An eine Umsetzung war für die Kita-Träger innerhalb von zwei Tagen nicht zu denken. "Ich würde mir für solche Dinge mehr zeitlichen Vorlauf wünschen ", sagt Frei. Die Umsetzung sei in der Realität manchmal schwer. Dass viele Eltern dann enttäuscht reagieren, kann der Rathauschef sehr gut nachvollziehen. "Sie hören oder lesen, was das Land ankündigt. Dadurch werden natürlich Erwartungen geweckt."

Nach wie vor dürfen nicht alle Kinder zurück in die Einrichtungen. "Die Notbetreuung hat immer noch Vorrang", erklärt Sebastian Frei. Verbale Entgleisungen, wie sie bei Facebook in der vergangenen Woche aufgetaucht sind, seien aber die absolute Ausnahme. Die meisten Mütter und Väter seien sehr kooperativ und hätten Verständnis für die Situation.

Einheitliche Regelung ist schwierig

Das größte Problem für die Verwaltung ist die Schaffung einer einheitlichen Regelung für alle Träger. Um die garantieren zu können, würden Einrichtungen mit kleinen Räumen und wenig Personal den Maßstab bei der maximalen Kinderzahl setzen. Um mehr Kinder aufnehmen zu können, wurde dieser Ansatz wieder fallen gelassen.

"Es gibt Kitas mit wenig Auslastung, dann wieder welche mit rollierendem System", sagt Frei. Der Gestaltungsspielraum sei deshalb so groß, um die einzelnen Kapazitäten voll ausnutzen zu können. Damit wolle die Stadt das Bestmögliche erreichen. Trotzdem gehe die Regelung mit Reibungsverlusten einher. "Das können wir leider nicht ändern."

Auf die Landesregierung ist der Oberbürgermeister trotz der Anstrengungen der vergangenen Wochen nicht böse. "Es wäre ja leicht, auf sie zu schimpfen, aber wir sitzen alle in einem Boot." Niemand habe sich eine solche Situation gewünscht. In dieser für alle besonderen Zeit werde eben von jedem mehr verlangt als sonst.

 


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

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