Von dünnen Ruten und sauren Äpfeln

Bad Rappenau  In jeder Stadt gibt es Dinge, die nicht sofort ins Auge fallen. In Bad Rappenau gehört der Obstlehrpfad des Nabu dazu. Obwohl ein großes Schild auf den Beginn des rund fünf Kilometer langen Weges aufmerksam macht: Welche Bäume dazu gehören, sieht man erst, wenn man genau hinschaut.

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Hier, gegenüber der Kindertagesstätte St. Raphael, beginnt der Obstlehrpfad und schlängelt sich in Richtung Zimmerhof.

Und das tut Franz Schremmer. Der Heinsheimer ist beim Bad Rappenauer Naturschutzbund der Experte für Mostbirnen, Lederapfel oder Speierling. Besonders die alten Sorten liegen ihm am Herzen. "Man braucht einfach die Vielfalt", sagt Schremmer. Früher seien zu viele 08/15-Bäume gepflanzt worden. Das habe sich durch den Obstlehrpfad, der zwischen den Jahren 1996 bis 2000 angelegt wurde, geändert. Ganz wichtig ist Schremmer, dass die Verwaltung den Pfad als ihren ansieht. "Wir haben alles mit der Stadt abgestimmt und auch ihre Änderungswünsche berücksichtigt", erklärt der 81-Jährige.

Seitdem wurden zahlreiche dünne Ruten gesetzt, aus denen im Idealfall stolze Bäume entstanden sind. Das klappt allerdings nicht immer. "Hier haben wir zwei Edelkastanien gepflanzt", erzählt Franz Schremmer und zeigt auf die Wiese gegenüber der Kita St. Raphael. Beim Setzen habe allerdings niemand daran gedacht, dass Kinder die beiden Bäume als Torpfosten nutzen könnten.

Auf menschengemachte Gefahren kann der Nabu bei der Planung achten. Was aber die Natur macht, ist selten vorhersehbar. So wie bei den Quittenbäumen, die an der Straße von der Kernstadt in Richtung Zimmerhof stehen. Sie wurden vom Feuerbrand befallen und mussten in den vergangenen Wochen stark zurückgeschnitten werden. "Sie treiben aber wieder ganz gut aus. Vielleicht haben wir Glück", hofft Schremmer. Wenn die Quittenbäume, von denen auch drei im Salinenpark stehen, tragen, wird der Erlös aus dem Verkauf an den Förderverein der Verbundschule gespendet.

Auf dem Pfad, der sich von der Kernstadt über Zimmerhof und Kohlhof erstreckt, finden sich vor allem Birnbäume. Und die leiden genauso wie viele andere Pflanzen unter der Trockenheit. "Die Pfahlwurzeln gehen sehr tief und können von kurzen Regenepisoden nicht profitieren", erklärt Schremmer. Das wenige Wasser erreiche die Wurzeln nicht, die Bäume können verdursten.

Von dünnen Ruten und sauren Äpfeln

Franz Schremmer vor einem der Quittenbäume, die vom Feuerbrand befallen waren und deshalb stark zurückgeschnitten wurden.

"Die alten Sorten haben aber schon so manche Trockenheit überstanden und sich angepasst", erklärt Franz Schremmer, während er auf die Streuobstwiese blickt, die hinter dem Kohlhof angelegt wurde. Auf dem Gelände nimmt alles seinen natürlichen Lauf. Dazu gehören auch hohes Gras und Wildblumen, die auf dem Areal wachsen und bis zur Hüfte reichen. Wenn neue Bäume gepflanzt werden, achte man auch auf deren Holznutzwert. "Es geht nicht nur um das Obst." Der Wert sei erst nach rund 80 Jahren Wachstum erreicht, so der Heinsheimer. Ein ganzes Menschenleben möchten allerdings die wenigsten warten.

Franz Schremmers Lieblingssorte ist übrigens der Brettacher Apfel, der natürlich zu den alten Sorten gehört und eher sauer schmeckt. Das mag der 81-Jährige: "Was man im Supermarkt kaufen kann, schmeckt alles gleich."

 

Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

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