Seidelmann wird neuer Bürgermeister von Neckarbischofsheim

Neckarbischofsheim  Der Persönlichkeitstrainer Thomas Seidelmann löst die Bürgermeisterin von Neckarbischofsheim, Tanja Grether, im Amt ab. Grether war zuletzt in die Kritik geraten, weil sie und ihre Mutter sich unter falschem Namen auf Facebook in den Wahlkampf eingemischt hatten.

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Das alte Rathaus in Neckarbischofsheim ist ein Schmuckstück. Die Ruhe, die von diesem Bild ausgeht, täuscht aber. Die Wahl hat den Ort gespalten.

Foto: Archiv/Maurhoff

Im zweiten Wahlgang ist der 53 Jahre alte Thomas Seidelmann zum neuen Bürgermeister von Neckarbischofsheim (Rhein-Neckar-Kreis) gewählt worden. Seidelmann erhielt 935 Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 59 Prozent.

Grethers Amtszeit endet am 31. Juli

Die amtierende Bürgermeisterin Tanja Grether unterlag ihrem Herausforderer knapp mit 847 Stimmen. Grether war vor acht Jahren im ersten Wahlgang mit einer Mehrheit von 78,16 Prozent Nachfolgerin von Hans-Joachim Vogt geworden. Ihre Amtszeit endet am 31. Juli dieses Jahres.

Kritisiert wegen falschem Facebook-Account

Schon im ersten Wahlgang am 10. Mai war Thomas Seidelmann mit knapp 45 Prozent der Stimmen an Tanja Grether vorbeigezogen. Die hatte keine 32 Prozent erhalten, fühlte sich zu dem Zeitpunkt aber schon "ganz subtil respektlos" von ihrem Herausforderer behandelt.

Nun sei das Klima vergiftet, tiefe Wunden seien geschlagen worden, sagte sie am Freitag vor dem zweiten Wahlgang. Der bislang selbstständige Rhetorik- und Persönlichkeitstrainer Seidelmann hatte seinen Wahlkampf aufgrund der Kontaktbeschränkungen vor allem auf Facebook und Youtube geführt.

Vorige Woche hatte er dort dann einen Skandal aufgedeckt: Tanja Grether hatte mit Hilfe ihrer Mutter versucht, das Ruder noch einmal herumzureißen.

Unter dem Namen Karl Mayer setzte sie einen Facebook-Post ab und mischte sich so in den Wahlkampf ein. Der Schwindel, Grether spricht von einem Fehler, flog auf, weil sie auf eine Rückfrage versehentlich vom eigenen Account aus antwortete: "Ich bin 76 Jahre alt", schrieb sie, kurz bevor sie ihren Irrtum bemerkte und den Post wieder löschte, "und ich wünsche mir einen respektvollen Umgang."

Steilvorlage für den Herausforderer

Der Post war eine Steilvorlage für Thomas Seidelmann. Der hatte zuletzt auch Unterstützung von Harry Hack erhalten. Der langjährige Hauptamtsleiter im Neckarbischofsheimer Rathaus warb ausdrücklich dafür, den Herausforderer zu wählen.

Hack war Tanja Grether vor acht Jahren unterlegen. Er fühlte sich 2016 nach "drei unberechtigten Abmahnungen" aus dem Amt gemobbt und trat nun an, um einen, wie er schreibt, Neuanfang im Rathaus zu ermöglichen. Hack hatte im ersten Wahlgang fast 23 Prozent der Stimmen erhalten. Seine Bewerbung zog er kurz darauf zurück.

Neuer Bürgermeister ist Vater von fünf Kindern

Der neue Bürgermeister ist Vater von fünf erwachsenen Kindern und hatte Mitte der 80er-Jahre am Adolf-Schmitthenner-Gymnasium sein Abitur gemacht. Seit 1994 wohnt er mit seiner Familie in der Stadt. Erst 2019 wurde er für die neue Aktive Liste in den Neckarbischofsheimer Gemeinderat gewählt.

Sein Ziel sei es, die Gemeinde nach vorne zu bringen. Nach dem zum Teil unterhalb der Gürtellinie geführten Wahlkampf muss er aber vor allem eines: versöhnen. "Lassen Sie uns gemeinsam Neckarbischofsheim, Helmhof und Untergimpern in ein neues Zeitalter von Transparenz, Wertschätzung und Gemeinschaftssinn starten", schreibt er auf seiner Webseite. Persönlich war Thomas Seidelmann bisher nicht zu sprechen..

"Wir sollten aufeinander zugehen, uns alle an einen Tisch setzen und offen miteinander sprechen", hatte sich Tanja Grether, die Unterstützung von einigen Gemeinderäten hatte, vorgenommen. Doch dazu kommt es jetzt nicht mehr: Die Bürgermeisterin ist abgewählt.


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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