Aufgehängte Nistkästen für Turmfalken werden rege genutzt

Eppingen  Wenn Menschen den natürlichen Lebensraum von Tieren zerstören, müssen andere Menschen der Natur unter die Arme greifen. Im Eppinger Ortsteil Elsenz funktioniert das auch dank des Nabu. Mit 50.000 Brutpaaren des Turmfalken ist Deutschland Spitzenreiter in Europa.

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Mitten im Weinberg, umgeben von Birnbäumen, steht einer der Nistkästen für Turmfalken. Die Küken sind mittlerweile flügge.

Foto: Elfi Hofmann

Für die Naturschützer des Nabu ist es eine der größten Auszeichnungen, die sie bekommen können: wenn Vögel die von ihnen aufgehängten Nistkästen tatsächlich auch nutzen. Gleich mehrfachen Grund zur Freude hatten die Mitglieder der Ortsgruppe Eppingen-Elsenz in den vergangenen Wochen. Denn die Turmfalken haben sich begeistert auf die Kästen gestürzt und fleißig Eier ausgebrütet.

Weitere Eier erwartet

Seit rund zwei Wochen ist der Nachwuchs jetzt flügge. Doch die fleißigen Eltern werden wohl noch mal Eier legen, erklärt der Erste Vorsitzende Hubert Oppitz. "Das lässt die Population weiter anwachsen", sagt der 75-Jährige.

Insgesamt fünf Kästen wurden auf der Gemarkung Elsenz verteilt. Mitten in den Weinbergen, umringt von Birnbäumen, hängt einer der Brutplätze. "Vor sechs Wochen sind die Turmfalken geschlüpft", erklärt Oppitz, während er durch ein Fernglas schaut. Noch kann er keine neuen Eier erkennen. Auch die Falken sind gerade ausgeflogen. "Aber wenn genügend Mäuse da sind, werden sie noch mal brüten", ist er sich sicher.

Bis zu sechs Eier können die Vögel auf einmal legen. Ausgebrütet werden aber nicht immer alle. Nach rund 29 Tagen schlüpfen dann die kleinen Turmfalken. Rund 50.000 Brutpaare leben in Deutschland. Das ist über die Hälfte des europaweiten Bestands. Um die Vögel in Elsenz keinen unnötigen Gefahren auszusetzen, sind die Kästen besonders geschützt. Besonders der Marder kann ihnen gefährlich werden. Deshalb ist die Stange, auf der der Nistkasten in den Weinbergen montiert ist, bis einen Meter Höhe mit Blech umwickelt. Nesträuber haben so wenig Chancen. Bei einem anderen Kasten hat sogar die Feuerwehr mit der Drehleiter geholfen.

Nachfolger gesucht

Die Nabu-Ortsgruppe in Elsenz gibt es bereits seit 1975. Genauso lange ist auch Hubert Oppitz Vorsitzender. "Im kommenden Jahr höre ich aber auf", sagt der Gründer der Gruppe. Nachwuchs würde es nach einer längeren Flaute wieder geben, die Nachfolge scheint also gesichert. Dass es in Elsenz und Umgebung viele Turmfalken gibt, sei auch der Tatsache geschuldet, dass Ende der 70er Jahre auf Betreiben des Nabu viele Hecken unter Schutz gestellt wurden, sagt Oppitz. "Die Bauern waren damals richtig sauer", erinnert er sich. Heute seien viele von ihnen allerdings selbst Mitglied im Naturschutzbund.

Die Nabu-Ortsgruppe in Elsenz kümmert sich aber nicht nur um den Fortbestand der Turmfalken. Auch der Rotrückenwürger liegt den Mitgliedern sehr am Herzen. "Als wir uns gegründet haben, gab es im Gebiet noch über 20 Brutpaare", erinnert sich Hubert Oppitz. Heute seien es nur noch fünf. Immer weniger Insekten bedeuten auch immer weniger Nahrung für die Vögel. Bei den Steinkäuzen gehe es immerhin bergauf. "Wir haben vor einigen Jahren zwei Pärchen gekauft und 20 Nistkästen für sie aufgehängt", so der Erste Vorsitzende. In fünf davon seien eigentlich immer Junge.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

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