"Sternenfrauen" mit Lizenz zum Erzählen

Bad Rappenau  Der erste Jahrgang der Märchenerzählerinnen beendet seine ..Ausbildung mit einem Vortragsabend im Bad Rappenauer Wasserschloss. Fest steht: Märchen erzählen ist harte Arbeit.

Von Andreas Zwingmann
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Zertifizierte Erzählerinnen: Rosemarie Achtermann, Sarah Mack, Sabine Büttner, Ute Kellner, Ausbilderin Regina Huwald, Angelika Frey, Peggy Franz und Nelli Ickert (von links).

Es war einmal". Diese Worte sieht vermutlich jeder sofort vor seinem inneren Auge, wenn es um Märchen geht. Es ist der klassische Einstieg zu einer Geschichte, die den Zuhörer mitnimmt auf eine Reise, die ihn am Ende idealerweise zu sich selbst führt. Aber es ist eben nur eine Form, den Zugang zu einer Erzählung zu eröffnen. Wie die Märchen selbst, ist auch die Art, sie zu erzählen, individuell. Das haben auch die acht Frauen erfahren, die bei Regina Huwald jetzt als erster Jahrgang eine Ausbildung zur Märchenerzählerin absolviert haben.

Märchen erzählen ist harte Arbeit

"Das war schon auch mal harte Arbeit", resümiert Sabine Büttner schmunzelnd, und die anderen Frauen im Charlander Musikstudio in Bad Rappenau nicken zustimmend. Schließlich haben sie sich während ihrer über ein Jahr laufenden Ausbildung nicht nur intensiv mit den Lebenweisheiten auseinandergesetzt, die in Märchen vermittelt werden, haben deren psychologischem Hintergrund nachgespürt und Erzählstile kennengelernt. Am Ende galt es ja auch, die teils langen Texte zu lernen, zu behalten und frei vorzutragen.

"Von nix kommt halt nix", zitiert Regina Huwald lachend die Managementtrainerin und Psychologin Vera Birkenbihl - doch eine allzu strenge Lehrerin sei sie in den vergangenen zwölf Monaten nicht gewesen, auch da sind sich die Absolventinnen einig. "Wir sind hier vielmehr zusammengewachsen, durch die intensive Arbeit miteinander sind Freundschaften entstanden", sagt Nelli Ickert. Gemeinsam haben sie in den Wochenendkursen auch die unterschiedlichsten Märchen aus aller Welt kennengelernt, haben Inspiration für Künstlernamen und Kostüme erfahren, Puppen gebastelt sowie Grundzüge des japanischen Kamishibai-Papiertheaters vermittelt bekommen. "Wichtig war mir am Ende", unterstreicht Ausbilderin Regina Huwald, "dass jede ihren eigenen Stil findet und entwickelt."

Ihr Auftrag: Fantasie und Farbe 

Nelli Ickert nahm am Kurs teil, weil sie selbst Kinder unterrichtet. Bislang störte sie vor allem die Methodik des Vorlesens: "Das ist so distanziert, beim freien Vortrag lässt sich viel besser eine Beziehung zu den Kindern aufbauen - und ich traue mir jetzt auch zu, das künftig umzusetzen." Sie spricht damit auch einen Aspekt an, den alle acht "Sternenfrauen", wie sich die Absolventinnen nennen, aus der Ausbildung mitnehmen: den Entwicklungsprozess, den sie von der ersten Auseinandersetzung mit dem Thema Märchen erlebt haben bis hin zum Abschlussabend im Bad Rappenauer Wasserschloss, bei dem sie das Gelernte erstmals vor Publikum präsentierten.

Obwohl: Eine Premiere war es nicht für alle Teilnehmerinnen. Eine Art Generalprobe haben Rosemarie Achtermann und Peggy Franz bereits absolviert. Vor gut drei Wochen sind sie schon einmal als Erzählerinnen aufgetreten. Honorarfrei, der Erlös der Veranstaltung ging an die Nepal-Hilfe. "Märchen haben für mich einfach Lebensnähe, in vielerlei Hinsicht", sagt Achtermann. Die 65-Jährige hat sich für die Ausbildung entschieden, um ihrem Ruhestand "noch mal eine andere Qualität zu geben."

Motivation zur Teilnahme

Angelika Frey dagegen stieß auf ungewöhnlichem Weg zu den "Sternenfrauen": "Ich war wegen einer Erkältung in der Apotheke und habe dort den Flyer gesehen. Das schien mir eine passende Gelegenheit, etwas Fantasie, Farbe und Leben in die graue Zeit bringen zu können." So unterschiedlich die Motivation zur Teilnahme, so unterschiedlich ist auch, was die acht Frauen mit dem Erlernten künftig anfangen wollen. Während sich Ute Kellner eher privat weiter intensiv mit Märchen beschäftigen will, kann sich Peggy Franz vorstellen, öffentlich aufzutreten. Denn Märchen - auch hier sind sich die "Sternenfrauen" einig - berühren die Seele.

In einem Jahr zur Märchenerzählerin

Der Kurs von Regina Huwald startete im Oktober 2019. Einmal im Monat trafen sich die acht Teilnehmerinnen zum Wochenendseminar in Bad Rappenau. Zum Ende der Ausbildung als Märchenerzähler erhielten die Absolventinnen ein Zertifikat, das ihnen die erfolgreiche Teilnahme an dem Kurs bescheinigte. Im Rahmen des Seminars bereiteten Huwald und die Teilnehmerinnen ihre Abschlussveranstaltung im Bad Rappenauer Wasserschloss vor. Der nächste Kurs beginnt noch in diesem Jahr.


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