Sozialstation Bad Rappenau-Bad Wimpfen feiert 40-jähriges Jubiläum

Bad Rappenau/Bad Wimpfen  Vor 40 Jahren wurde die evangelische Sozialstation Bad Rappenau-Bad Wimpfen unterm Dach der Diakonie gegründet. Mitglieder sind aber auch Kirchengemeinden von Kirchardt und Siegelsbach.

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Derzeit auf mehr Abstand als gewöhnlich (von links): Geschäftsführer Johannes Klopprogge sowie Lilly Klempp und Brigitte Bischoff.

Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Die ambulante Pflege ist ein fester Pfeiler unserer Gesellschaft: "Weitaus weniger Menschen werden stationär gepflegt", betont Johannes Klopprogge, Geschäftsführer der evangelischen Sozialstation Bad Rappenau-Bad Wimpfen, "und das ist für die meisten Menschen auch das, was sie wollen: zu Hause gepflegt werden." In den 40 Jahren, die es die Sozialstation nun gibt, hat sich daran nichts geändert.

Das Jubiläum in diesem Jahr ist ein stilles Jubiläum. Der Festgottesdienst an Christi Himmelfahrt wurde abgesagt. Ob man die Feier 2021 nachhole, lässt Klopprogge offen.

Einer der größeren Dienstleister im Kreis

Die evangelische Sozialstation Bad Rappenau-Bad Wimpfen versorgt derzeit 450 Menschen, Tendenz steigend, und ist mit 150 fest angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeitern einer der großen Pflegedienstleister im Landkreis Heilbronn. "Die ambulante Pflege ist dazu da, die stationäre Pflege zu verhindern", betont Johannes Klopprogge.

Aufsichtsratsmitglied Lilly Klempp und Brigitte Bischoff als langjährige Leiterin der IAV-Anlaufstelle blicken gerne auf die Anfänge vor 40 Jahren zurück.

Bevor es die evangelische Sozialstation Bad Rappenau-Bad Wimpfen gab, wurden die Menschen von Gemeindeschwestern und vom Roten Kreuz versorgt. Vor allem Frauen kümmerten sich zu Hause um ihre Angehörigen. "Menschen mit Demenz wurden weggesperrt", erzählt Lilly Klempp.

Sozialstation feiert stilles Jubiläum

Wohnzimmeratmosphäre habe bei den Besprechungen im alten Bad Rappenauer Rathaus geherrscht, erzählt Brigitte Bischoff (Zweite von rechts).

Foto: privat

"Der Opa ist verkalkt, hieß das damals", fügt Brigitte Bischoff dazu. Über Demenz habe man wenig gewusst. Wer alt und krank war, war es nicht lange: "Durch die guten medizinischen Möglichkeiten werden auch pflegebedürftige Menschen heute älter", sagt die examinierte Krankenschwester Brigitte Bischoff.

Die Gesellschaft wandelte sich, der Bedarf an Unterstützung wuchs. Die damaligen Bürgermeister Gerd Zimmermann (Bad Rappenau), Klaus Czernuska (Bad Wimpfen), Uli Kremsler (Siegelsbach) und Rudi Kübler (Kirchardt) unterstützten 1980 die Eröffnung eines gemeinsamen Dienstleisters. Träger aber waren zwölf evangelische Kirchengemeinden aus den genannten Städten und ihren Teilorten.

Der Mitgliedsbeitrag lag bei sechs Mark pro Gemeindeglied. Fünf Mark kostete die eigentliche Pflege, unabhängig wie lange diese dauerte.

Wer Mitglied im ökumenischen Krankenpflegeverein war, erhielt einen Rabatt von 50 Prozent. "Dass das nicht kostendeckend war, ist klar", sagt Brigitte Bischoff. Gott sei Dank, sagen alle, kam 1995 die Pflegeversicherung, seitdem müssen die Kirchengemeinden keinen Mitgliedsbeitrag mehr zahlen.

Namen der ersten Stunde

Eva Böckenhaupt, Maria Madelberger und Ruth Stöckle sind Namen der ersten Stunde. Monika Eckstein-Liebold war die erste Pflegedienstleiterin der Sozialstation. 1984 wurde Brigitte Bischoff ihre Stellvertreterin. "Der Wechsel vom Krankenhaus hierher war für mich nur positiv", sagt sie heute.

Die Siegelsbacherin war zwölf Jahre lang direkt bei den Patienten zu Hause, dann übernahm sie die Leitung der IAV-Stelle und wurde zur Ansprechpartnerin für viele, die in einer geänderten Lebenssituation plötzlich mit tausend Fragen konfrontiert werden.

"Vor allem die Atmosphäre habe ich als positiv in Erinnerung", sagt Bischoff. Jeden Tag seien bei Dienstbesprechungen im alten Rathaus alle auf den gleichen Stand gebracht worden.

Vom Waschen und Ankleiden bis zum Transport von Krankenbetten hätten die Schwestern damals noch alles selbst gemacht. "Es war alles nicht so organisiert wie heute."

Eine neue Struktur in die Organisation brachte Lilly Klempp, nachdem sie Anfang der 90er Jahre in den Vorstand der Sozialstation gewählt worden war. "Es waren schwierige Zeiten", erinnert sie sich: "Die Pflege nahm zu, bezahlt wurde wenig, die Sozialstation steckte in den roten Zahlen." Seitdem hat sich viel geändert: "Wir haben alles ganz neu aufgebaut", sagt Lilly Klempp.

Mitarbeiter und Ehrenamtliche hätten stets ihr Bestes gegeben, betonen die Frauen. "Wir sind sehr dankbar für das, was die Gründer geleistet haben", sagt Johannes Klopprogge. Zahlreiche Mitarbeiter arbeiteten seit 30 Jahren und länger bei der Sozialstation. Als er das Haus 2015 übernahm, sei das "gut bestellt" gewesen: "Man hat gemerkt, dass alle mit Herzblut dabei sind."

 

Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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