Als Bad Rappenau zum Kurort wurde

Bad Rappenau  Mit der Eröffnung des Sophienbades im Jahr 1834, war der Grundstein für den modernen Kurort gelegt. Vor 90 Jahren bekam Bad Rappenau das Prädikat "Bad" verliehen und damit im gleichen Jahr wie das benachbarte, damals noch hessische Wimpfen.

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Vorbild für den Monopterus auf dem Schwärzberg ist der Musikpavillon mit dem Sole-Trinkbrunnen (siehe unten) im alten Bad Rappenauer Kurpark.

Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Bad Rappenau ist einer von zwei Kurorten im Landkreis Heilbronn. Patienten werden dort seit 1834 mit Sole behandelt, die auf eigener Gemarkung gefördert wird. Seit 90 Jahren, genau so lange wie Wimpfen, darf die Stadt das Prädikat "Bad" im Titel tragen.

Im württembergischen Offenau gab es seit 1560 eine Solequelle, die seit 1754 als Saline Clemenshall Salz lieferte. Im hessischen Wimpfen hatte man 1818 Salz gefunden. Auch der badische Großherzog Ludwig wollte eigenes Salz haben. Und so beschloss er, auf Rappenauer Gemarkung bohren zu lassen.

Am 10. September 1822 entdeckte Salineninspektor Georg Christian Heinrich Rosentritt dort ein riesiges Salzlager, in 192 Metern Tiefe fand er voll gesättigte Sole mit 92 Prozent Salzgehalt.

Fund veränderte Stadtgeschichte 

Der Fund veränderte den Lauf der Stadtgeschichte. Das Bauerndorf wurde zum Kurort, zum "Seebad fern vom Meer", wie ein Slogan bei der Eröffnung des ersten Sole-Freibads Süddeutschlands 1936 behauptete.

Seit 90 Jahre das "Bad" im Titel

Adolf Schuhmacher fotografierte 1948 auch den Musikpavillon.

Foto: Stadtarchiv

Das Gebiet am Schwärzberg verwandelte sich rasch. Es glich, wie Hans Vogt Ende der 1960er-Jahre schrieb, "einem Heerlager. Bau- und Wohnhütten wurden errichtet. Erdarbeiten begannen, und Wagen mit Materialien ächzten die Salinenstraße empor. Am 27. Mai 1823 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung der "Ludwigssaline bey Rappenau" und schon am 25. August des gleichen Jahres konnte das erste Siedhaus mit vier Pfannen eingeweiht werden".

Nur neun Jahre später gründete sich ein Aktienverein, der am 15. Mai 1834 das Sophienbad eröffnete. Das wurde 1862 um ein Dampfbad und 1886 um ein Sole-Inhalatorium mit Ruheräumen und Massage-Kabinen erweitert.

Grundstein für Kurort war gelegt 

Seit 90 Jahre das "Bad" im Titel

Kurz vor Ausbruch des Krieges lagen die Leute noch unbeschwert am Beckenrand. 1936 hatte Bad Rappenau das erste Solefreibad Süddeutschlands.

Leihgabe E. Dürrwang

Der Grundstein für den modernen Kurort war gelegt. Mit Bad Rappenau wurden die Haltestellen auf der Gemarkung bereits seit 1914 im Reichskursbuch geführt, wie Dr. Fenja Sommer und Regina Thies für einen gemeinsamen Aufsatz im Heimatboten 2018 recherchiert haben. Für das Prädikat mussten allerdings bauliche und therapeutische Mindestanforderungen erfüllt werden. Unter anderem sollten die Bauten eines Kurortes "den Anforderungen eines geläuterten Schönheitsgefühls entsprechen".

Neubauten durften erst nach vollständiger Austrocknung von Kurgästen bezogen werden. Hygiene- und Quarantänevorschriften, wie sie auch heute wieder in aller Munde sind, wurden damals schon sehr streng eingefordert. "Die Anwesenheit eines ausgebildeten Desinfektors", war für Kurorte Pflicht.

Antrag ging 1922 raus 

Seit 90 Jahre das "Bad" im Titel

Prof. Adolf Schuhmacher fotografierte 1948 das "Kurhotel mit Auto und Dame", wie Regina Thies das Bild beschreibt. Dokumente wie diese sind wertvoll.

Foto: Stadtarchiv

Der Antrag für das Prädikat "Bad" ging am 10. April 1922 raus - man versprach sich davon eine gute Werbung. Geld für ebendiese hatte man keines. "Auch der Gemeinderat unterstützte den Antrag und wies darauf hin, dass der Ort Rappenau (...) seit langem als Solbad rühmlichst bekannt sei", zitieren Sommer und Thies alte Dokumente.

"Mit Ministerialentschließung vom 4. September 1930", heißt es in der Ortschronik, "erhielt die Gemeinde Rappenau die Erlaubnis, den Titel "Bad" ab 1. Oktober führen zu dürfen." Almut und Hubert Friedrich beschreiben die Freude darüber in ihrem "Spaziergang durch die Salinenstraße" im Heimatboten von 2011. Alle Häuser seien beflaggt gewesen: Um 12 Uhr läuteten die Glocken und am Abend gab es eine Feier im Kurgarten.


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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