Sanierung der ehemaligen Synagoge Heinsheim bald abgeschlossen

Bad Rappenau  Die Kernsanierung der ehemaligen Synagoge in Heinsheim geht ihrer Vollendung entgegen: Ende des Jahres soll sie abgeschlossen sein. Finanziell könnte es eine Punktlandung werden. Ob die Feiern zum Jahresende stattfinden können, ist noch offen.

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Das Nebengebäude der ehemaligen Synagoge in Heinsheim ist fast fertig. Im Hauptgebäude ist unlängst das Deckengewölbe eingezogen worden.

Fotos: Ulrike Plapp-Schirmer

Bernd Göller nennt die ehemalige Synagoge in Heinsheim "Prinzessin". Und das Bild von der Schönheit, die aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht ist, passt gut, wenn es um die Sanierung des jüdischen Gotteshauses geht.

Lange war das Gebäude als Scheune, später als Schmiede genutzt worden Seit 2013 ist es im Besitz des Freundeskreises ehemalige Synagoge Heinsheim. Die Ehrenamtlichen wollen hier einen lebendigen Ort schaffen, an dem Erinnerung, Dialog und Kultur Raum haben, sich zu entfalten.

Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. "Nächste Woche", hofft der erste Vorsitzende Hans-Eckard Bucher, "beginnen die Arbeiten am Vorplatz." Es folgen Maler- und Putzarbeiten. Am Ende wird ein Holzboden verlegt. Ob die Feiern zum Jahresende stattfinden, ist allerdings noch offen.

Ausstellung auf der Frauenempore

Während ganze Teile des Landes ruhten, lief die Sanierung in Heinsheim weiter. Nur einmal habe es eine kurze Pause gegeben, als ein Handwerker in zweiwöchige Quarantäne musste. "Es lief erstaunlich normal", fasst Bucher die ersten Wochen der Corona-Krise zusammen.

Die Prinzessin ist erwacht

Bernd Göller (rechts) und der Freundeskreis-Vorsitzende Hans-Eckard Bucher freuen sich über die Bauarbeiten, die auch während der Krise weitergelaufen sind.

Die Frauenempore war im Januar schon drin: Sie soll künftig eine kleine Ausstellung installiert werden. Die Zwischendecke wurde erst vor Kurzem rausgenommen. Das helle, graublaue Deckengewölbe wurde eingezogen und verleiht dem Raum nun eine ganz neue Wirkung.

Das Gewölbe sei auch wegen der Genehmigungen ein großer Akt gewesen, sagt Hans-Eckard Bucher.

Mit Hilfe von Stangen musste das Dach zusätzlich statisch stabilisiert werden. "Sie sind filigran und fallen nicht auf", sagt Bucher. "Uns geben sie ein Stück Sicherheit", fügt Kassier Bernd Göller an, "sonst würde es uns vielleicht so gehen wie den Erbauern."

Altes bleibt sichtbar

Die hätten gut 20 Jahre nach der Einweihung schon wieder renovieren renovieren müssen, weil die Statik nicht stimmte: Dicke Eisenstangen erzählen diese Geschichte. An vielen Stellen ist Altes sichtbar geblieben. Unterlagen zu dem historischen Gebäude liegen im Landesarchiv in Karlsruhe. Bernd Göller hat sie gesichtet.

Über dem Eingang zur Synagoge war früher eine Inschrift. Wie sie lautete, sagen die beiden Männer, wisse man nicht. "Mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker genannt werden", stand auf dem Türsturz der Grombacher Synagoge, deren Ruine 1962 abgerissen wurde. An der Synagoge in Wenkheim steht "Dies ist das Tor zu IHM. Bewährte kommen darein."

Ähnliches muss auch in Heinsheim gestanden haben. Lediglich ein Hochzeitsstein und die Jahreszahl 1796 sind dort über der Tür erhalten geblieben.

Spendenaktion läuft

Der Bau ist das eine, die Finanzierung das andere. Um ihr Ziel zu erreichen, mussten die Freunde der ehemaligen Synagoge immer wieder um Spenden bitten. Rund 25 000 Euro der Kosten sind noch nicht gedeckt. Ende des Jahres würde eine ELR-Förderung verfallen, wären die Bauarbeiten bis dahin nicht abgeschlossen. Die Ehrenamtlichen sind zuversichtlich, dass alles klappt. Nach der Spendenaktion 20 mal 500 Euro im Jahr 2018 riefen sie nun zu 50 mal 200 Euro auf. Auch die Stadt unterstützt hier.

Freundeskreis

Der gemeinnützige Freundeskreis Ehemalige Synagoge wurde 2012 gegründet und konnte ein Jahr später das alte Gebäude kaufen. Die Ehrenamtlichen verstehen ihr Engagement als "Rettung eines kulturellen Kleinods". An der Sanierung waren viele helfende Hände beteiligt, unter anderem Schülerinnen und Schüler der Johann-Jakob-Widmann-Schule in Heilbronn, die einen Großteil des Funktionsgebäudes gebaut haben. Mitglieder des Freundeskreises haben die alten Dielenbretter geborgen, abgeschliffen und geschrubbt. Sie werden als Fußboden auf der Empore verlegt. "Das hat Spaß gemacht", sagt Hans-Eckard Bucher: "Und eine Menge Geld gespart."

 

Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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