Nutzen die Lärmschutzwände an der Autobahn A6 nichts?

Bad Rappenau  Ein Bewohner aus Bad Rappenau-Zimmerhof hat die Autobahn immer im Ohr. Er erzählt von einem Dauerbrummen, das ihn an eine Dunstabzugshaube erinnert.

Von Nicole Theuer
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Sie ist eine der Hauptverkehrsadern in Deutschland. Die A6, eine wichtige Ost-West-Verbindung, die sich über 480 Kilometer von der französischen Grenze bei Saarbrücken über Mannheim, Heilbronn und Nürnberg bis zur tschechischen Grenze bei Waidhaus erstreckt. Etwa 100.000 Fahrzeuge, geschätzt 30 Prozent davon Lastwagen, befahren die Route am Tag. Und sie verursachen Lärm, den die Autobahnanrainer seit Jahren mitbekommen.

Für den Lärmschutz wurde viel getan

Schon vor neun Jahren klagten die Anwohner nach dem sechsspurigen Ausbau der Trasse über eine erhöhte Lärmbelastung; in Fürfeld war die A6 ein Dauerthema, obwohl die Bürger durch Lärmschutzwände und -wälle geschützt werden sollten. Damals war das Problem: Die Schutzeinrichtung in Höhe von Bonfeld reflektierte den Lärm und transportierte ihn, nach dem Empfinden der Anlieger, noch stärker nach Treschklingen. Also stattete man auch die Brücke zwischen Fürfeld und Treschklingen mit Lärmschutzeinrichtungen aus.

Errichtet wurden Gabionenwände und herkömmliche Lärmschutzwände. Die schützen die anliegenden Ortschaften vor dem Lärm, doch im weiter entfernten Zimmerhof ist die Belastung durch die Autogeräusche gestiegen.

Der Dauer-Brummen erinnert an eine Dunstabzugshaube

"Wenn Südwind herrschte, haben wir die Autobahn schon immer gehört", erzählt Dieter Domnick aus Zimmerhof. "Inzwischen", sagt er, "hören wir den Lärm von der Anschlussstelle Bad Rappenau-Fürfeld und vom Autobahnkreuz auch wenn es windstill ist." Domnick öffnet seine Terrassentür. Sofort ist ein unangenehmes Dauergeräusch vernehmbar. "Vielleicht hören wir es hier besser, weil wir keinen Durchgangsverkehr haben", überlegt Domnick, der das Geräusch mit dem Brummen einer Dunstabzugshaube vergleicht. Dass die Beeinträchtigungen durch den Lärm einmal ganz verschwinden, glaubt der Zimmerhofer nicht, "dazu ist die A6 einfach zu viel befahren".

Doch Domnick hat sich Gedanken gemacht, wie man die Belastungen für die Anrainer zumindest erträglicher gestalten könnte. "Warum begrünt man die Gabionenwände nicht einfach?", fragt er. "Bekanntlich schluckt Grün Lärm."

Weitere Beschwerden sind nicht bekannt

Obwohl viele Anrainer der A6 mit dem Lärm zu kämpfen haben - auch in der Kernstadt sind je nach Windrichtung die Geräusche der Straße zu hören - liegen der Bad Rappenauer Verwaltung nach Auskunft von Rathaussprecherin Eva Goldfuß-Siedl keine Beschwerden vor.

Diese Lärmschutzwände wurden zwischen Treschklingen und Fürfeld errichtet. In Zimmerhof scheint der Lärm nun gestiegen zu sein. Foto: Franz Theuer

Auch Michael Endres, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Projektgesellschaft ViA6West, will von Beschwerden beziehungsweise erhöhten Lärmbelästigungen nichts bekannt sein. "Dass sich die Lärmemissionen nach dem Ausbau der A6 im genannten Streckenabschnitt erhöht haben, konnten wir bisher nicht feststellen", teilt Endres auf Anfrage mit. Endres ergänzt: "Im Gegenteil, wir bekommen von den Anliegern die Resonanz, dass sich der Geräuschpegel durch Maßnahmen wie offenporigen Asphalt, Lärmschutzwälle und -wände deutlich reduziert habe."

Weitere Lärmschutzmaßnahmen sind nicht geplant

Michael Endres führt aus, dass die ViA6West als Projektgesellschaft das umsetze, was durch die Planfeststellung vorgegeben werde. In diesem Verfahren "wurde die künftig zu erwartende Geräuschemission durch den Verkehr hochgerechnet und in der Ausbauplanung entsprechend den geltenden gesetzlichen Bestimmungen berücksichtigt".

Abschließend stellt Endres fest: "Die Ausbaustrecke zwischen den Anschlussstellen Bad Rappenau und Heilbronn/Untereisesheim ist mit ihren Lärmschutzmaßnahmen planfeststellungskonform fertiggestellt, eine mögliche Ergänzung ist uns nicht bekannt." Zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen in dem in den 2000er Jahren ausgebauten Abschnitt zwischen Sinsheim-Steinsfurt und Bad Rappenau seien derzeit ebenfalls nicht geplant.

 


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