Musikschule Eppingen benötigt mehr Geld

Eppingen  Honorarkräfte wandern zu anderen Musikschulen ab, wo sie fest angestellt werden. Um dies zu stoppen, sollen jetzt auch in der Musikschule Eppingen mehr fest angestellte Musiklehrer arbeiten. Um dies zu finanzieren, solen die Kommunen ihren Zuschuss erhöhen.

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Streben Stopp der Lehrerabwanderung an: Musikschulleiter Adrian Fischer mit der Ersten Vorsitzenden des Trägervereins Simone Körner. Foto: Jörg Kühl

Die Musikschule Eppingen beabsichtigt, ihr Finanzierungsmodell grundsätzlich revidieren. Der Grund: die grassierende Fluktuation der Honorarkräfte. Auch die Etablierung der Ganztagsschul-Angebote macht es notwendig, künftig fest angestellte Lehrer an den Musikschulen vorzuhalten. Dafür benötigen die Musikschulen allerdings eine bessere finanzielle Grundausstattung. Dies soll vorwiegend durch eine Erhöhung des Kommunalanteils im Haushalt der Musikschule geschehen. Auch die Nutzungsgebühren sollen steigen. Ob dies mit dem Schuljahreswechsel geschieht oder bereits im Schulhalbjahr, sei noch offen, teilten der Leiter der Musikschule Eppingen, Adrian Fischer und die Erste Vorsitzende des Trägervereins, Simone Körner, am Donnerstag mit.

Welchen Anteil die Kommunen heute tragen

In diesen Tagen wird in den beteiligten Kommunen ein neues Finanzierungsmodell vorgestellt. Dazu werden nach und nach alle betreffenden Gemeinderäte informiert. Die Musikschule Eppingen wird von der Fachwerkstatt selbst sowie von den Gemeinden Gemmingen, Ittlingen, Kirchardt, Sulzfeld und Zaberfeld getragen. Eppingen ist mit 350 Schülern der größte Nutzer, gefolgt von Kirchardt (79), Gemmingen (72), Ittlingen (58), Zaberfeld (24) und Sulzfeld (19).

Derzeit sieht die Finanzierung wie folgt aus: 74 Prozent des Musikschulhaushalts wird durch Unterrichtsgebühren bestritten, nur elf Prozent steuern die Kommunen bei. Künftig soll der Kommunalanteil auf 37 Prozent angehoben werden. Das entspricht auch dem landesüblichen Durchschnitt.

Warum die Festanstellung noch wichtig ist

Für den Schulleiter ist die Festanstellung von Lehrkräften sehr wichtig. In den vergangenen fünf Jahren seien 30 Kündigungen eingereicht worden. Die Honorarkräfte seien meist an andere Musikschulen abgewandert, wo sie in Festanstellungen wechseln konnten. "Wir müssen uns dem Trend beugen." Angestrebt sei eine Mischung aus Festanstellung und Honorar. "Dazu wollen wir die Bezahlung auf den Schnitt im Umkreis heben."

Fischer verdeutlicht den Nachholbedarf bei den Festanstellungen mit einem Vergleich der Landeszahlen. Demnach an den Musikschulen im Land 37 Prozent Festangestellte. In der Musikschule Eppingen ist es dagegen derzeit nur eine Person, das entspricht einem Vergleichswert von 2,7.

Kleine Besserung in Aussicht

Eine kleine Besserung ist schon in Aussicht. Ab Januar steht der Musikschule das Äquivalent von drei festangestellten Vollzeitkräften zur Verfügung. "Äquivalent" deshalb, weil die drei Vollzeitstellen auch gesplittet werden können. Wie der Musikschulleiter erläutert, werden Teilzeitmodelle von den Pädagogen gerne genutzt, weil diese nebenbei in Orchestern engagiert sind, studieren oder anderweitige Nebenbeschäftigungen haben.

Die Erste Vorsitzende des Vereins, hauptberuflich Konrektorin am Hartmanni-Gymnasium, ergänzte ein weiteres Problem, das eine Reform der Personal- und Finanzpolitik erforderlich macht: Durch die Umstellung auf Ganztagsunterricht sei es nötig, dass die Musikschule an die Schulen komme. Dies sei allerdings nur mit fest angestelltem Personal möglich.

Wie viele Fächer unterrichtet werden

Wie Gemmingens Bürgermeister Timo Wolf erläuterte, schossen die Gemeinden bis 2014 pro Schüler und Schuljahr 60 Euro in das Budget der Musikschule zu. Im Jahr 2014 wurde demnach der Betrag auf 80 Euro erhöht. Er rechne jetzt mit einer weiteren stufenweisen Anhebung bis auf 300 Euro. Der Landkreis Heilbronn beteiligt sich mit 40 Euro pro Schüler und Jahr. "Wir stellen als Kommunen auch die Räumlichkeiten für den Unterricht kostenfrei zur Verfügung", erinnert der Bürgermeister.

Unterstützung gibt es von der Volksbank Kraichgau. Sie stellt 100 Unterrichts-Gutscheine mit einem Gesamtwert von 1700 Euro zur Verfügung. Sie können in den Filialen der Bank abgeholt werden.

Die Musikschule Eppingen ist ein eingetragener Verein, der 1979 gegründet wurde. Zu den Gründungsmitgliedern zählen Eppingen, Gemmingen, Ittlingen und Kirchardt. Später kamen Zaberfeld und Sulzfeld hinzu. Heute umfasst der Verein 70 Mitglieder, darunter neben den Kommunen Vereine, Eltern von Musikschülern und andere Personen. 30 Musikpädagogen unterrichten die Schüler in 31 Fächern. Unterrichtsstandorte sind Eppingen, Gemmingen, Ittlingen, Kirchardt, Berwangen und Zaberfeld. Leiter der Musikschule sind Carolin und Adrian Fischer, die Erste Vorsitzende des Trägervereins ist Simone Körner.


Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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