Museumsrestaurant verteilt Essen auf historischen Rädern

Sinsheim  Das Sinsheimer Technik Museum hat seit Anfang November geschlossen, auch das Restaurant Concorde musste schließen. Jetzt haben sich die Verantwortlichen etwas einfallen lassen. Zu St. Martin wurden spezielle Menus ausgefahren.

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Mindestens 40 Jahre alt sind die Fahrzeuge, mit denen die Essensbestellungen zu St. Martin ausgefahren wurden.

Foto: Elfi Hofmann

Der Lanz-Bulldog, Baujahr 1938, ist ein sehr lautes Fahrzeug. Wie laut, davon konnten sich am Mittwoch auch die Anwohner im Sinsheimer Ortsteil Steinsfurt gegen 11.30 Uhr live überzeugen, denn das 55 PS starke Gefährt hatte eine Mission: Gänsebraten auszuliefern. Die Betreiber des Restaurants Concorde des Technik Museums haben sich zu St. Martin etwas Besonderes einfallen lassen. Telefonisch oder per E-Mail konnte man ein Menü für zwei Personen vorbestellen, das dann mit historischen Fahrzeugen ausgeliefert wurde. 30 Haushalte machten von der Aktion Gebrauch.

Kein Dach über dem Kopf

Dass sich die Menschen nach dem Bulldog umdrehen, macht seinem Fahrer Heinrich Rausch nichts aus. "Das ist für viele ein Highlight", erzählt er und schwingt sich auf den schmalen Sitz des über 80 Jahre alten Fahrzeugs. Eine Kabine hat der Diesel nicht, aber nach einem prüfenden Blick gen bedecktem Himmel beschließt Rausch, dass es nicht regnen wird. "Der Herrgott meint es heute gut mit uns."

Ein Dach über dem Kopf hat auch Markus Müller nicht. Er fährt die Bestellungen mit einer NSU Quickly aus. Das Moped wird eigentlich bei Veranstaltungen des Museums als "Schnapsi-Taxi" genutzt, der Fahrer verteilt dann Kurze an die Besucher. Jetzt kommt in die Seitentasche die erste Bestellung, die Müller innerhalb des Stadtgebiets ausliefert. "Ich fahre eher die Kurzstrecken", sagt er. In der zweiten Seitentasche kann er übrigens keinen Gänsebraten transportieren, denn dort hat er einen Lautsprecher versteckt, aus dem die Titelmelodie des A-Teams die Geräusche der Quickly, Baujahr 1956, versucht zu übertönen.

Zu Nikolaus gibt es Wildgerichte

"Wir möchten mit der Aktion den Menschen gerne etwas bieten", erklärt der gastronomische Leiter des Restaurants, Waseem Imtiaz. Allerdings stehen nicht nur die Kunden im Fokus, auch für die Mitarbeiter sei es wichtig, dass etwas passiere, denn die zweite Schließung in diesem Jahr treffe auch sie hart. Bereits am 1. Mai, damals übrigens im strömenden Regen, hatte es eine ähnliche Aktion gegeben. Die nächste ist für den 6. Dezember geplant. "Dann soll es Wildgerichte geben", erzählt Küchenchef David Eiermann. Die Tiere werden von Jägern in der Region geschossen, die Transportwege sind also kurz. Wenn die Gastronomie auch über den 30. November von den Schließungen betroffen ist, soll es eventuell einen Außenstand im Rahmen des Erlaubten geben. Schon jetzt kann man seine Speisen vorbestellen und abholen.

Martin Bräunling und Sissy Schunder machen sich derweil bereit für ihre Premiere als Essensauslieferer. Die beiden fahren das dritte Fahrzeug. Zuerst geht es nach Neckarbischofsheim, dann fahren sie mit dem massigen Robur, Baujahr 1980 in der DDR, nach Reichartshausen. "Wir unterstützen das Museum immer, wenn es geht", sagt Bräunling und startet den lauten Motor des NVA-Fahrzeugs.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld.

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