Mit Musik im Freien der Pandemie die Stirn geboten

Eppingen  Die Neue Musikschule Eppingen blickt auf ihr 20-jähriges Bestehen zurück. Wegen Corona musste das Jubiläumskonzert im März abgesagt werden. Mit einem kultverdächtigen Format verschafft sich die Schule dennoch Gehör.

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Klingende Hölzer: Neue Musikschule Eppingen ist 20 Jahre alt. Hier probt der Flötenkreis im Garten von Schulleiterin Rosmarie Weil (1. v. l.).

Foto: Karl Knoll

Im Jahr 2000 beschlossen drei Lehrer der Musikschule Eppingen, sich mit einer neuen Schule selbstständig zu machen. Der Verein, der "Neue Musikschule Eppingen" benannt wurde, hat sich seither gut entwickelt. Aktuell blickt er auf sein 20-jähriges Bestehen zurück.

Eigentlich wollte die Neue Musikschule aus Anlass ihres des Jubiläums ein Festkonzert geben, berichtet Schulleiterin Rosmarie Weil. Am 22. März war die Jubiläumsveranstaltung in der Aula des Hartmanni-Gymnasiums vorgesehen, mit Rede des Oberbürgermeisters Klaus Holaschke, und einem breit gefächerten musikalischen Programm. Corona machte diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung.

Wo die Neue Musikschule ihre Räumlichkeiten hat

Rosmarie Weil unterrichtet Blockflöte und Violine. Anfangs verfügte der Verein noch über keine eigenen Räumlichkeiten. Unterrichtet wurde in Grundschulen und bei der Eppingerin zuhause. 2002 konnte die Neue Musikschule in der Altstadtstraße 3 ein Haus mieten. Als das Gebäude veräußert wurde, mussten wieder Interimslösungen gefunden werden. Seit 2009 mietet der Verein "ein ganz kleines Haus mit Innenhof" in der Kirchgasse 15, erzählt Rosmarie Weil.

Zur Zeit befinden sich neben der Schulgründerin und -leiterin Weil Barbara Retzbach (Klavier, Klassische Gitarre), Heiko Sauter (Schlagzeug, Cajon), und Werner Friz (Mundharmonika, Ukulele) im Kollegium. 55 Schüler im Alter von sechs und 46 Jahren besuchen die Neue Musikschule aktuell. Im Moment gebe es viele Anmeldungen "wider Erwarten, das ist schön", kommentiert die Leiterin.

Kontakt

Neue Musikschule Eppingen,
Kirchgasse 15, Tel. 07262 1860,
E-Mail: neuemusikschule@aol.com

Warum die Schulleiterin Online-Unterricht ablehnt

Die Musikpädagogin ließ den Kontakt zu den Schülern während der ersten Welle der Pandemie nicht abreißen. Sie telefonierte regelmäßig, brachte Noten vorbei. Online-Unterricht lehnt Rosmarie Weil ab. Es fehle die Interaktion, Feinabstimmung sei per Ferndiagnose kaum möglich. "Ich sehe ja nicht, was der Daumen hinter der Flöte macht." Im Lockdown beschlossen die Musiker, sich an der Corona-Musik zu beteiligen. Sie stellten sich mit ihren Instrumenten ans Fenster in der Hoffnung, dass man sie hören kann. "Man hat uns gehört!", versichert die Musikpädagogin. Die Nachbarn hätten am nächsten Tag berichtet, dass sie die Melodie von "Freude schöner Götterfunken" vernommen haben.

Zweistündiger Parforceritt durch internationale Musikgefilde

Aus den Fensterkonzerten entwickelte sich ein weiteres Corona-Format, das das Zeug hat, Kult zu werden: die Straßenmusik. Premiere war am 5. August im Gemminger Schlosspark. Zwei Stunden ging es musikalisch international zu: russische und jiddische Lieder, irische und südamerikanische Stücke, das Jamaica-Fairwell und das Midnight-Spezial, dazwischen deutsche Volkslieder, wie "Sah ein Knab ein Röslein stehn" und "Die Gedanken sind frei". Vier Auftritte gab es danach allein auf dem Eppinger Marktplatz, weitere in Kleingartach, Sulzfeld und Ittlingen.


Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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