Mit dem Genussmobil zu den Wochenmärkten

Sinsheim  Frauen werden zu mit pfiffigen Geschäftsideen zu Unternehmerinnen. Dabei hilft ihnen das Netzwerk Einkommen schaffende Dienstleistungen. Die Ergebnisse wurden nun in der Klimaarena vorgestellt: mutige Projekte mit starken Frauen an der Spitze.

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Erfahrungsaustausch: Netzwerk-Teilnehmerin Diana Kurz aus Heilbronn-Sontheim, Koordinatorin Christine Binder und Referentin Rosemarie Bort (v. l.).

Foto: Jörg Kühl

Diana Kurz erweitert ihr Geschäftsmodell. Die 53-jährige Heilbronnerin, die im Stadtteil Sontheim das Café "Kurz&Gut" betreibt, hat einen mobilen Verkaufsstand angeschafft. Mit ihrem "Genussmobil" besucht sie Wochenmärkte in Heilbronn und Eppingen. In dem Fahrzeug bietet sie viele Erzeugnisse, die die Küche des Cafés zubereitet, nun auch externen Kunden an.

Es ist die zweite unternehmerische Erweiterung in diesem Jahr. Seit Juni können Kunden im Café Eis in Verpackungseinheiten von 130 Gramm bis fünf Litern erwerben. Beide neuen Geschäftsfelder - das Genussmobil und das Eis zum Mitnehmen - seien nicht zuletzt durch die Corona-Krise befeuert worden, gibt Diana Kurz zu. Betriebswirtschaftlichen Rat sowie Tipps zur Vermarktung hat sie im Rahmen mehrerer Workshops erhalten, die das Netzwerk "Einkommen schaffende Dienstleistungen" (NEsD) angeboten hat.

Was das Ziel des Netzwerks ist

Dessen Ergebnisse wurden nun in der Sinsheimer Klima-Arena vorgestellt. Im Jahr 2016 wurde NEsD vom Landfrauenverband Württemberg-Baden und weiteren Kooperationspartnern ins Leben gerufen, um Frauen in ländlichen Gebieten zu stärken und ihnen neue berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Koordiniert wurde NEsD von Christine Binder. Fünf Teilprojekte standen zur Auswahl: Fachberatung für Bienenprodukte, internetgestützte Vermarktung regionaler Produkte, Dienstleistungen im Bereich Pflege, Betreuung und Hauswirtschaft, ländlicher Tourismus sowie Existenzgründung für Frauen. So konnten in den vergangenen vier Jahren über 300 Frauen im ländlichen Raum qualifiziert, beraten und vernetzt werden.

Zu den Referentinnen zählt Rosemarie Bort aus dem Öhringer Ortsteil Baumerlenbach. Sie vermittelte Frauen Fachwissen zur Herstellung und Anwendung von Bienenprodukten. 2002 hatte die heute 64-Jährige ihr Schlüsselerlebnis in Sachen Bienenheilkunde: Der Vortag eines rumänischen Arztes, der Mitbegründe des Apitherapie-Bundes ist, ließ in ihr den Wusch reifen, die heilkundliche Seite der Bienen zu ihrem Lebensthema zu machen. 2006 wurde sie anerkannte Heilpraktikerin. Im Rahmen des Netzwerks NEsD bildete sie nun die Teilnehmerinnen zu Fachberaterinnen für Bienenprodukte aus.

Was die Politikerin den Frauen rät

Die Staatssekretärin für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) lobte den unternehmerischen Geist der Frauen, die am Netzwerk teilgenommen haben. Gleichzeitig warb sie dafür, in öffentlichen Gremien politisch aktiver zu werden. Frauen seien in ländlichen Betrieben häufig die Entscheider, aber viel zu selten auch formell Chefinnen.


Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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