Sonderausstellung im Bikiniartmuseum: Marlene Dietrich und die Nazis

Bad Rappenau  Eine Sonderausstellung im Bikiniartmuseum dreht sich bis 31. Januar 2022 um die Diva und ihre Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus. Marlene Dietrich ist eine weitere Legende, der das Museum seine Aufmerksamkeit widmet.

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Museumsleiter Maximilian Lang, Kulturwissenschaftlerin Alexandra Regiert und Oberbürgermeister Sebastian Frei vor einem Original-Zweiteiler von Marlene Dietrich aus dem Jahr 1938. An dem Kleidungsstück wird deutlich, wie zierlich die Diva war.

Sie war ein Berliner Kind, eine deutsche Schauspielerin, eine Ikone. Seit diesem Freitag können Besucherinnen und Besucher sich Marlene Dietrich im Bikiniartmuseum in Bonfeld aber auch als Mensch nähern.

In Kooperation mit der Stadt Bad Rappenau, der Gedenkhalle Oberhausen und der Marlene Dietrich Collection in Berlin wird die Wanderausstellung "Marlene Dietrich - Die Diva, ihre Haltung und die Nazis" dort bis 31. Januar 2022 gezeigt.

Sie ist eine Reise wert: Nicht nur, weil Lieder aus der Juke-Box eine Ära emotional sofort auferstehen lassen, die 1930 in den frühen Jahren des Films mit dem "Blauen Engel" ihren Anfang nahm.

Intime Einblicke in ihr Leben

Nach Marylin Monroe, Esther Williams, Brigitte Bardot, Ursula Andress oder Raquel Welch gibt eine Sonderausstellung nun intime Einblicke in das Leben von Marlene Dietrich. Dabei passe die Ikone so gar nicht an einen Ort, der als Museum für Badekultur weltweit absolut einmalig sei, wie Museumsdirektor Maximilian Lang betont.

Auch Kulturwissenschaftlerin Alexandra Regiert spricht davon, dass Marlene Dietrich nicht gerade bekannt war für ihre Leidenschaft fürs Schwimmen. Dennoch spielt auch dieses Thema in die neue Schau mit rein.

In einer Vitrine präsentiert das Bikiniartmuseum einen weißen Zweiteiler der Marke "Malz Hollywood, Größe 36, den Marlene Dietrich 1938 getragen hat. Es ist eine Leihgabe der Deutschen Kinemathek Berlin aus dem Nachlass der Künstlerin. Eine Fotografie zeigt sie in jenem Zweiteiler auf einem Segelschiff an der Côte d'Azur: "Das belegt, dass sie das Stück tatsächlich getragen hat", so Regiert.

Regiert bezeichnet die Dietrich "als provokative und unerschrockene Grande Dame, die ihrer Zeit weit voraus" war, und die sich vor allem der Mode als skandalträchtiges Medium bedient habe. "So erregte sie bereits 1930 als rauchende Garçonne im Herrenanzug die Gemüter und räkelte sich in für ihre Zeit gewagten Dessous auf der Leinwand - eine Darstellung, die der gesamten Nation den Atem raubte."

Außerdem habe Marlene Dietrich auch in politischer Hinsicht Mut und Charakterstärke bewiesen: Als die Nationalsozialisten ihr 1936 hohe Gagen für in Deutschland gedrehte Filme boten, lehnte sie als Gegnerin der faschistischen Ideologie ab und nahm 1939 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an.

1960 war sie die erste Künstlerin, die in dem jungen Staat Israel auf Deutsch singen durfte.

Übereinstimmung mit Museums-Leitlinien

Während der Zeit des Kalten Kriegs avancierte Marlene Dietrich zur engagierten Pazifistin. Ihr Einsatz stimme auch in diesem Punkt insofern mit den Leitlinien des Bikiniartmuseums überein, sagt Alexandra Regiert, als es sich die Einrichtung auch zur Aufgabe gemacht habe, die Schicksale jüdischer Bademodenhersteller aufzuarbeiten: "In Zeiten von zunehmendem Rechtsdruck ist die Relevanz dieses Ziels besonders hervorzuheben".

Darüber hinaus zeigt das Museum bisher unveröffentlichtes, von Kurator Jürgen Kraft gesichtetes Material: Es stammt von Krafts Schwiegervater Horst Miegel, der in der DDR lebte und mit Marlene Dietrich einen Briefwechsel führte.

Gemeinsam mit der Stadt Bad Rappenau sei die Ausstellung geplant worden, sagte Oberbürgermeister Sebastian Frei, für den das Bikiniartmuseum auch ein touristisches Highlight im Kraichgau ist. Nach der monatelangen Durststrecke freut sich Direktor Maximilian Lang jetzt wieder auf Besucher: "Die Zahlen sowohl im Museum als auch im Hotel steigen: Die Menschen wollen wieder Kultur erleben."

Ab Februar wolle man sich dann Elizabeth Taylor nähern. Erst kürzlich hat das Bikiniartmuseum ein weiteres Original ersteigert: einen Badeanzug, den die Amerikanerin 1957 in dem Film "Raintree Country" getragen hat. "Der wird dann hier zu sehen sein", verspricht Lang.

Der Zweiteiler und der Bikini

Zwischen dem, was derzeit in der Sonderausstellung "Marlene Dietrich - Die Diva, ihre Haltung und die Nazis" als Zweiteiler gezeigt wird, und einem Bikini gibt es laut Alexandra Regiert einen Unterschied: "Der Zweiteiler bedeckt den Bauchnabel." Den ersten Bikini hat Louis Reárd am 5. Juli 1946, nur wenige Tage nach den verheerenden Atombomben-Tests der USA im Bikini-Atoll, bei einer Misswahl im Pariser Schwimmbad Molitor vorgestellt. Es handelte sich um den bis dato kleinsten Zweiteiler der Welt.

 

Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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