Mais steht auf dem Speiseplan der Kühe auf Nummer eins

Ittlingen  Silierkampagne ist in der Region gestartet. Die Landwirte sind zufrieden mit den ersten Erträgen. Trotz der Trockenheit konnten sich die Kolben gut entwickeln. Stimme.de besuchte einen Milchviehbetrieb in Ittlingen - mit eigenem Maisanbau.

Email

Vorher, nachher: Mit Schlepper und Radlader wird das Häckselgut im Silo gleichmäßig verteilt und verdichtet. Das rechte Silo zeigt die Farbe der fermentierten Silage.

Simon Schechter lässt die frisch gehäckselte Maissilage zwischen seinen Handflächen hindurchrieseln. Zwischen dem saftigen Grün der zerkleinerten Pflanzenmasse schimmern Maiskörner hindurch. Es handele sich um eine gute Mischung aus Kolben und Restpflanze, so das Urteil des jungen Landwirts. Obwohl die Ernte wegen der Trockenheit früher als sonst beginnt, seien die Kolben gut ausgereift. "Normalerweise häckseln wir Ende September". Die Maiskörner müssen beim Häckseln zerschlagen werden, damit die Kühe die darin enthaltene Stärke aufschließen können.

Die Silage findet im Familienbetrieb, der in dritter Generation geführt wird, hungrige Abnehmer. Im Freilaufstall befinden sich 80 Milchkühe der Rassen Schwarzbunt und Fleckvieh. Simon Schechters Vater Klaus verteilt mit einem Futtermischwagen Maissilage aus dem Vorjahr an der Futterrinne. Die Kühe warten bereits. Noch während Klaus Schechter die Reihe entlangfährt, machen sich die Rinder über die Silage her.

Warum auf dem Hof Highnoon herrscht

Auf dem Bauernhof herrscht Highnoon. Schlepper mit voluminösen Anhängern fahren im Minutentakt voll beladen auf den Hof. Die noch feuchte hellgrüne Pflanzenmasse wird abgekippt und mit einem Teleskoplader gleichmäßig in den Fahrsilos verteilt. Mit den großen Stollenreifen der Lader und Schlepper wird die Silage verdichtet. Diese Arbeit müsse sorgfältig durchgeführt werden, um keinen unerwünschten Fäulnisprozesse zu begünstigen, so der 31-jährige Landwirt.

Mais steht auf dem Speiseplan der Kühe auf Nummer eins

Rotierende Messer: Der Häcksler schneidet den Mais knapp über dem Boden ab. Das Schnittgut wird im Inneren der Maschine zerkleinert.

Fotos: Jörg Kühl

Die Maiskampagne dauert den ganzen Tag über an. Viele Familienmitglieder und einige Freunde helfen dabei mit. "Es geht darum, das Futter für ein ganzes Jahr zu erzeugen", so der Landwirt, der 2012 den Meisterbrief gemacht hat. Außer Maissilage erhalten die Kühe auch Gras- und Luzernsilage, Soja-Raps-Mischungen, Mineralstoff-Mischungen, Wintergerste-Schrot und Trockenmelasseschnitzel, die aus der Verarbeitung der Zuckerrüben stammen. Alle pflanzlichen Futtermittel baut die Familie selbst an.

Warum am Ackerrand die Gewehre geladen werden

Mais steht auf dem Speiseplan der Kühe auf Nummer eins

Futter duftet leicht nach Sauerkraut: Simon Schechter füttert die Milchkühe des Familienbetriebs mit Maisslage. Die stammt aus eigenem Anbau.

Die Maiskampagne ist auch für eine andere Zunft ein Pflichttermin: Rings um den Maisschlag haben sich Jäger postiert. Sie haben den Auftrag, Wildschweine, die sich gern im Mais aufhalten und vom Erntegeschehen aufgestöbert werden, zu erlegen. Dieter Hering ist mit seinem 12-jährigen Enkelsohn Wilhelm und einem geladenen Repetiergewehr dabei. Je nachdem, wie schnell das Wildschwein unterwegs sei, müsse man entsprechend vorhalten. erläutert der erfahrene Jäger. Er habe schon mehr als 300 Stück Schwarzwild erlegt, berichtet Dieter Hering, während Wilhelm mit großen Augen staunt. Besonders spannend wird es, als die letzte Maisreihe fällt: Letzte Gelegenheit für die Wildschweine, zu entkommen, falls welche da sind. Doch es passiert: nichts. "So ist die Jägerei eben", konstatiert Dieter Hering mit einem Lächeln.

Während der Silomais jetzt von den Äckern geholt wird, hat der Körnermais nach Aussage von Dieter Schleihauf vom Kraichgau-Raiffeisen-Zentrum (KRZ) noch etwas Zeit. Körnermais wird, wie der Name verrät, als reines Korn geworben. Das KRZ verarbeitet pro Jahr etwa 6000 Tonnen Körnermais zu Tierfutter.

 

Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

Kommentar hinzufügen