Lesersommer auf der Burg Ravensburg

Sulzfeld  Erstaunliche Einsichten in das Mittelalter gab es beim Lesersommer auf der Burg Ravensburg. Ein staufischer Ministerialer mit Talent für alte Instrumente führte die Leser in die Geschichte der Burg ein.

Email

Geschichtsstunde bei schöner Aussicht: Burgführer Christoph Waidler vermittelte den Teilnehmern des Lesersommers viel Wissenswertes über die Staufer in der Region. Er steuerte auch die ein oder andere Anekdote mit bei.

Foto: Jörg Kühl

Die Teilnehmer des Stimme-Lesersommers nutzten die Gelegenheit, die Ravensburg bei bestem Wetter zu erleben. Die Bürgermeisterin von Sulzfeld, Sarina Pfründer und Stimme-Redakteur Jörg Kühl begrüßten die 20 Gäste. Bevor die Bürgermeisterin das Wort dem Burgführer übergab, wurde mit einem Glas Sekt angestoßen. Christoffer Liedtke, der die Burg gemeinsam mit Susanne Sauter seit Juni vorigen Jahres pachtet, sorgte dafür, dass niemand ohne ein Glas im Burghof stehen musste. Dann begann die Stunde des Burgführers Christoph Waidler. Zahlreiche Anekdoten bekamen die Teilnehmer des Lesersommers zu Gehör. Darunter die Information, dass früher nicht weniger als fünf Tore zu öffnen waren, ehe man den Innenhof der mittelalterlichen Anlage betreten konnte.

Hintergründe zum historischen Bauwerk

Für die Eheleute Christine Czerny-Schäfer und Albrecht Schäfer aus Heilbronn weckte der Besuch auf der Burg schöne Erinnerungen. Schließlich hatte das Ehepaar im Jahr 1998 seine Hochzeit hier gefeiert. "Diese Burg ist ein guter Grundstein für unsere Ehe", sagt die Heilbronnerin. Das Ehepaar war seitdem immer wieder mal zu Besuch "Hier gab es immer traumhafte Konzerte." Den Lesersommer nutzten die Burg-Stammgäste, um mehr Hintergründe über das historische Bauwerk zu erfahren. Christoph Waidler war im Gewand eines staufischen Ministerialen erschienen. Der stellvertretende Vorsitzende der Eppinger Heimatfreunde erwies sich als bestens vorbereitet. So erfuhren die Besucher, dass die Ravensburg genauso wie die Kurstadt Bad Rappenau ihren Namen einem gewissen Raban verdankt.

Der Lesersommer ermöglicht gelegentlich auch kuriose Begegnungen. Bettina und Michael Burkhardt trafen auf der Burg ihre ehemaligen Nachbarn Marlies und Helmut Lauda wieder. So ergab es sich, dass sich die beiden Ehepaare im Burghof über Gemeinsames austauschten. Für Ehepaar Burkhardt war es die erste Teilnahme am Lesersommer, doch es werde nicht das letzte Mal bleiben: "Wir nutzen unsere Freizeit jetzt öfters, neue Ecken ganz in der Nähe zu entdecken", so Bettina Burkhardt. Ihren Bekannten geht es ganz ähnlich: "Wir beteiligen uns gern an Leseraktionen und erkunden unsere Heimat", bekannte Marlies Lauda.

Viel mittelalterlich Musik begleitete die Führung

Mittlerweile war der Tross im Gewölbekeller angekommen. Christoph Waidler zog ein Trinkhorn aus der großen Leinentasche. Zum allgemeinen Erstaunen entlockte er dem Horn archaisch anmutende Klänge. Weidler ließ im Lauf der Führung etwa ein halbes Dutzend mittelalterliche Musikinstrumente erklingen. Warum der Gewölbekeller eine deutlich wahrnehmbare Bodenneigung aufweist, erklärt der Burgführer so: "Wenn in einem Fass einmal der Wein gekippt war, dann brauchte man nur den Stöpsel zu ziehen und die Brühe auslaufen zu lassen."

Die Burgführung kam gut an

"Das Angebot des Lesersommers ist vielseitig", stellt Sibylle Großhans, die mit ihrer Tochter Lilli auf der Ravensburg erschienen war, fest. Letztes Jahr habe die Heilbronnerin an einer Besichtigung des Raketentestgeländes in Lampoldshausen teilgenommen. "Cool, dass unser Burgführer mit den alten Instrumenten spielen kann", lobt Lilli Großhans. Auch dass die Besucher während der Burgbesichtigung ständig in Bewegung waren, gefiel der 19-Jährigen.

 

Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

Kommentar hinzufügen