Kirchardt will Wohnraum schaffen und lockert Bauvorschriften

Kirchardt  Laut Bürgermeister Gerd Kreiter ist Kirchardt genauso vom Wohnraummangel betroffen wie die gesamte Region Heilbronn. Der Gemeinderat ist sich einig darüber, Bauvorschriften zu lockern, fordert aber Augenmaß bei der Nachverdichtung.

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Kirchardt von oben. Foto: Heimatrporter Thomas Ströbel

Augenmaß" war auf der Kirchardter Gemeinderatssitzung am Montag wohl das am häufigsten bemühte Schlagwort. Die örtlichen Bauvorschriften sollen gelockert werden. Bürgermeister Gerd Kreiter forderte bei der Präsentation des wichtigsten Tagesordnungspunkts "Innenentwicklung/Nachverdichtung" mit der Augenmaß-Metapher Vernunft und Besonnenheit beim Vorgehen. Die ihm im Prinzip zustimmenden Gemeinderäte beschworen das ebenso und lenkten die Aufmerksamkeit auf Detailfragen.

Es fehlt an Wohnraum - auch in Kirchardt

Kirchardt, so der Bürgermeister, sei genauso vom Wohnraummangel betroffen wie die gesamte Region Heilbronn. Die Einwohnerzahlen steigen auch hier, und auch in Kirchardt werden die Haushalte immer kleiner. Zwar weise die 6000-Einwohner-Gemeinde derzeit mehrere neue Baugebiete aus, doch seien neben der Erschließung solcher Areale "auch die Aktivierung von Leerstand und Baulücken oder die Nachverdichtung im Bestand mögliche Mittel, um mehr Wohnraum zu schaffen".

Konkret schlägt Kreiter vor, Bebauungspläne, die die Anzahl der Wohneinheiten auf zwei beschränken, zu ändern und die Einheiten auf drei zu erhöhen. Bei Doppelhäusern darf jeweils eine Einliegerwohnung dazukommen. Das betrifft insbesondere die Gebiete Altenberg, Lug und Brunnenberg sowie den Ittlinger Graben in Berwangen mit Ausnahme des Teilbereichs Sommerhälde. Der Charakter der Wohnquartiere solle nicht zu stark verändert werden, daher die maßvolle Erhöhung der Einheiten. Ausgenommen werden soll im Gebiet Altenberg die Häuserzeile entlang des Waldrandes Großrottend.

Autostellplätze und Wasserabfuhr gewährleisten

Außerdem sei es wichtig, entsprechend ausreichend Autostellplätze zu schaffen, und natürlich müsse man das Oberflächenwasser sachgemäß und sicher entsorgen: "Wenn ich versiegele, dann muss ich überprüfen: Reichen die Kapazitäten noch aus, um Wasser abzuführen?", ist sich Kreiter der Problematik bewusst.

Satzungsänderung
Mit einer einhelligen Zustimmung zur Änderung der Hauptsatzung machten die Kirchardter Gemeinderäte auch den Weg frei für virtuelle Sitzungen. "Man muss Vorsorge treffen, da man nicht weiß, wohin sich die Pandemie mit Mutanten, etcetera, so entwickelt", begründete Bürgermeister Gerd Kreiter den Vorschlag. Sein Anliegen leuchtete allen Anwesenden ein und wurde ohne Gegenstimme durchgewunken.

Jürgen Czemmel weiß: "Wir haben uns jetzt drei Jahre mit dem Thema befasst, haben gestritten und es uns nicht leicht gemacht." Auch die Bürger wurden bei einer Einwohnerversammlung Ende Januar 2020 mit ins Boot geholt. Der CDU-Gemeinderat plädiert daher für die Nachverdichtung: "Das ist eine moderne Art des Bauens, vermeidet Flächenverbrauch und belebt Orte." Czemmel unterstützt auch die Forderung Kreiters, bisher ungenehmigt errichtete Wohneinheiten entweder nachzugenehmigen oder zu sanktionieren.

"Bei uns hat die Bekämpfung der Wohnungsnot starke Bedeutung", sagt Gerd Wolf (SPD). Er betont aber nochmal das anzuwendende Augenmaß und fordert, Aufenthaltsqualität zu schaffen, etwa in Form von Gastronomie. Und die Parksituation zu verbessern.

Sollen nicht genehmigte Gebäude sanktioniert werden?

Für seinen Parteikollegen Josef Kaya sind die schon gegen die Vorschriften errichteten Gebäude "Schwarzbauten", er fordert ihre Sanktionierung. Wichtig ist ihm, dass bezahlbare Wohnräume entstehen und "Voraussetzungen geschaffen werden, damit ein Investor auch investieren kann".

Elke Betz (CDU) gibt jedoch zu bedenken, dass manche nicht genehmigten Bauten bereits seit 30 Jahren so dastehen: "Viele Häuser, gerade am Altenberg, sind schon in dritter oder vierter Hand. Die Leute haben das in gutem Glauben gekauft, dass das so in Ordnung ist", spricht sie sich gegen die Sanktionierung aus.

Am Ende sind sich alle einig

Bürgermeister Kreiter denkt zwar, dass das "keinen Unterschied machen kann, ob der Bau seit 30 oder drei Jahren so steht", verweist aber ans Baurechtsamt in Bad Rappenau. Das sei für die Überprüfung zuständig, nicht die Gemeinde Kirchardt.

So wird der Beschluss zur Nachverdichtung, der auch Regelungen für das Bauen in zweiter Reihe innerhalb der Baugebiete und unbeplante Innenbereiche umfasst, am Ende einstimmig angenommen.

 


Susanne Schwarzbürger

Susanne Schwarzbürger

Autorin

Susanne Schwarzbürger ist seit 2000 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Nach vielen Jahren im Team Kinder/Jugend/Familie ist sie jetzt in der Regionalredaktion schwerpunktmäßig für den südlichen Kraichgau und für Bildungsthemen zuständig.

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