Siegelsbacher Pärchen baut Linienbus zum Wohnmobil um

Siegelsbach  Mitten in einer Siegelsbacher Scheune verwirklichen Janosch Zepek und Freundin Mona ihren Traum. Seit vergangenen Herbst bauen die beiden einen ehemaligen Linienbus zu einem Wohnmobil um. Zwölf Meter ist er lang und 18 Tonnen schwer.

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Janosch Zepek und seine Freundin Mona in ihrem fast fertigen Wohnmobil. Kleinigkeiten müssen noch erledigt werden, dann kann das Fahrzeug dem Tüv vorgeführt werden.

Foto: Elfi Hofmann

Podest, Sitze, Heizung - all das hat er gemeinsam mit Familie und Freunden in den vergangenen Monaten ausgebaut. Stattdessen hat der Bus nun eine kleine Küchenzeile, ein Bett und ein Bad mit Dusche.

Großzügiger als ein Wohnwagen

"Ich hatte schon immer den Traum, etwas Großes zu fahren", sagt Zepek. Mit handelsüblichen Wohnwagen kennt er sich bereits aus, jetzt sollte es ein Stück großzügiger werden, denn bestehende Wohnmobile sind nicht so leicht umzubauen. "Und sie sind, selbst wenn sie gebraucht sind, sehr teuer", erklärt der Ingenieur. Der Markt explodiere gerade, weil viele Urlauber individuell unterwegs sein möchten. Also schlug er zu, als der Bus in Crailsheim zum Verkauf angeboten wurde.

Tüv gibt Regeln für Zulassung vor

Nachdem das knapp 20 Jahre alte Fahrzeug praktisch entkernt war, ging es an die Inneneinrichtung. Und die unterliegt einigen Regeln, die der Tüv vorgibt. So muss auf jeden Fall ein funktionierendes Kochfeld verbaut sein, das autark, also ohne Steckdose funktioniert. Außerdem verlangt der Tüv, dass alle Ecken abgerundet sind. Nichts darf spitz hervorstehen. "Wir haben direkt zugeschlagen, als wir endlich einen passenden Tisch gefunden haben", erzählt Mona. Natürlich hat das Möbelstück runde Ecken.

Statt eines Schranks haben die beiden eine große Kommode im hinteren Bereich des Busses installiert. Dort steht auch das Bett, das dank der Größe des Fahrzeugs nicht eingeklappt werden muss. Über der Schlafstätte kann ein Sternenhimmel mit LEDs angeschaltet werden. "150 kleine Fäden haben wir dafür durchgesteckt", sagt Mona.

In einer Siegelsbacher Scheune entsteht ein ungewöhnliches Wohnmobil

Zwölf Meter ist der Bus lang. Bevor er zu einem Wohnmobil wurde, mussten Sitze und die Verkleidung entfernt werden.

Fotos: Privat

"Handwerkliches Geschick braucht man auf jeden Fall" 

Beide hatten vorher noch nie solch ein Projekt gestemmt. Und auch wenn sie vieles durch Internetforen und Heimwerker-Videos gelernt haben: "Ein gewisses Grundwissen und handwerkliches Geschick braucht man auf jeden Fall", sagt Janosch Zepek. Er selbst wusste vorher zum Beispiel nicht, wie Rohre verlegt werden. "Und ich hätte niemals gedacht, wie viele Kabel wir installieren müssen." Die sind mittlerweile alle unter der Decke, die teilweise mit Schrankrückwänden verkleidet ist, versteckt. Zweckentfremdung ist hier das Motto.

Im Juni sollen die technischen Arbeiten beendet sein. Dann steht der wichtigste Schritt an: Die Inspektion durch den Tüv. Erst wenn der sein Okay gegeben hat, darf der ehemalige Bus auf die Straße. Janosch hat zwar einen Lkw-Führerschein, dürfte damit allerdings keinen Bus in dieser Größe lenken. Deshalb sei es wichtig, dass der Tüv den Umbau zum Wohnmobil akzeptiert. "Er wäre dann offiziell ein Sonderfahrzeug", erklärt Zepek.

In einer Siegelsbacher Scheune entsteht ein ungewöhnliches Wohnmobil

Mitten im ehemaligen Linienbus steht jetzt ein voll funktionsfähiges Bad mit Dusche, Toilette und Waschbecken.

Kroatien wäre das erste Ziel

Ihr erstes Reiseziel hatten die beiden bereits auserkoren. Im Sommer sollte es mit Freunden nach Kroatien gehen. "Darauf haben wir hingearbeitet." Wenn aus den Plänen nichts wird, könnten sie sich aber auch Urlaub in Deutschland vorstellen. In Zukunft wollen sie den Bus auf noch neu lackieren. Janosch Zepek träumt außerdem von einer Dachterrasse. "Aber erstmal muss alles andere fertig werden", sagt er. Und dann könnte es fast schon losgehen mit der großen Fahrt.

Der Bus hat eine eigene Instagram-Seite

Der Bus wird in Zukunft nicht einfach nur zu einem Wohnmobil. Er soll auch einen Namen erhalten. Die beiden Besitzer haben sich für Patronus - in Anlehnung an die Harry Potter-Bücher - entschieden. Dafür hat Janosch Zepek ein Logo entworfen. Bei Instagram kann man unter dem Stichwort "patronusderbus" den Umbau weiter mitverfolgen. Dort sieht man auch, wie die 150 Schnüre für den Sternenhimmel über dem Bett installiert wurden oder wie der Fernseher ausgefahren werden kann.

 

Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

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