In der Gemminger Engelbäckerei

Gemmingen  Die Pflanzaktion der Schwestern Carlotta und Grete Zürn ist mit dem Jugenddiakoniepreis ausgezeichnet worden. Die beiden ruhen sich aber nicht aus, sondern haben schon ihr nächstes Projekt im Blick: backen für den Deutschen Mukoviszidose Verein.

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Carlotta (links) und Grete Zürn engagieren sich für den Deutschen Mukoviszidose-Verein. Für ihr Engagement wurden sie jetzt ausgezeichnet.

Foto: Elfi Hofmann

Im vergangenen Frühjahr hatten Carlotta und Grete Zürn eine Idee: Sie wollten den Deutschen Mukoviszidose Verein unterstützen. "Eine Freundin unserer Eltern ist daran erkrankt", erzählt Carlotta, die im Sommer Abitur gemacht hat. Direkt vor dem Hoftor verkauften die Schwestern selbstgezogene Pflanzen wie Tomaten, Auberginen oder Zucchini sowie Blumen. So kamen bis zum Ende der Aktion insgesamt fast 1200 Euro zusammen.

"Wir hatten gar nicht mit so viel gerechnet", sagt Grete. Für ihr Engagement wurden die beiden jetzt mit dem Jugenddiakoniepreis 2020 des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Dafür reichten sie eine Beschreibung des Projekts mit Fotos und einem Film ein.

Spannende Online-Verleihung

"Wir wussten schon sehr früh, dass wir es unter die ersten drei Teilnehmer geschafft haben", erzählt Carlotta. Die Verleihung in der vergangenen Woche sei dann aber trotzdem sehr spannend gewesen, auch wenn sie wegen der Corona-Pandemie über Zoom lief. Verfolgt haben sie die Verleihung gemeinsam mit ihren Großeltern. Dass die Entscheidung online bekannt gegeben wurde, sehen sie in diesem Fall sogar als Vorteil, denn so konnten sich auch Mitglieder des Mukoviszidose-Vereins zuschalten.

Mit der Hälfte des Preisgelds von 2000 Euro wollen sie den Verein weiter unterstützen. Die andere Hälfte investieren Carlotta und Grete in ihre nächsten Projekte. Ab dem kommenden Wochenende beteiligen sich sich an der "Schutzengel-Bäckerei" des Mukoviszidose-Vereins und bieten an jedem Adventswochenende vor ihrem Elternhaus eine andere selbstgebackene Plätzchensorte gegen eine Spende an. Das Prinzip ist dann ähnlich wie im Sommer: Wer eine Tüte kaufen möchte, kommt zum Streichenberg 2 in Gemmingen, nimmt sich aus dem Regal so viele Tüten wie er möchte und wirft das Geld in den Briefkasten der Familie. Der Verkauf erfolgt also komplett kontaktlos. "Beim Einpacken achten wir auch auf alle Hygienemaßnahmen, es muss also niemand Angst haben", erklärt Carlotta.

Plätzchensortiment wird jede Woche ergänzt

Verkauft und gebacken wird dann an allen vier Adventswochenenden. Jede Woche wird das Grundsortiment um ein Rezept erweitert. Im Angebot werden auf jeden Fall Lebkuchen und Spekulatius sein. Erste Erfahrungen konnte Carlotta im September bei einem Praktikum in einer Bäckerei in den Niederlanden sammeln.

Unterstützung bekommen die Schwestern von ihren Eltern sowie direkt vom Mukoviszidose-Verein, der ein Paket mit passenden Tüten, einer Spendendose und einer Schutzengel-Ausstechform geschickt hat. Mit dem Verkauf sollen nicht nur Spendengelder zusammenkommen. Auch auf die Arbeit des Vereins und die Folgen der Stoffwechselerkrankung soll damit aufmerksam gemacht werden. In den vergangenen Jahren wurden die Plätzchen vor allem auf Weihnachtsmärkten verkauft. Für Personen, die zusätzlich spenden, stellt der Verein ab einer Höhe von 20 Euro auch eine Spendenbescheinigung aus.

Carlotta und Grete Zürn betreten mit den beiden Aktionen übrigens kein Neuland. Vor acht Jahren planten die Schwestern einen Kinderzirkus und luden Freunde und Bekannte zur Vorführung ein. Die Einnahmen spendeten sie ebenfalls.

Instagram-Account

Unter muehlen_gaertle kann man der Arbeit von Carlotta und Grete folgen.

Mukoviszidose wird durch eine Veränderung im Mukoviszidose-Gen, dem CFTR-Gen, verursacht. CFTR steht für "Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator". Der Gendefekt führt dazu, dass in vielen Organen des Körpers ein zäher Schleim produziert wird, der die Organe schädigt. Mukoviszidose ist nicht ansteckend. Das Gen kann an verschiedenen Stellen fehlerhaft sein. Derzeit sind etwa 2000 verschiedene Mutationen bekannt, die verschiedene Funktionseinschränkungen bewirken.

 

Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld.

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