Im Reich der Trichter und Röhren

Eppingen  Das Kraichgau-Raiffeisen-Zentrum verarbeitet jährlich 30.000 Tonnen Rohstoffe zu gentechnikfreiem Futter. Im Lagerhaus Eppingen sorgen Förderschnecken, Elevatoren, Trog-Ketten-Förderer und die Schwerkraft für die richtige Mischung.

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Drunter und drüber: Nach oben geht es mit dem Elevator, nach unten per Schwerkraft, seitwärts-Transporte werden mit dem Trog-Ketten-Förderer bewältigt.

Fotos: Jörg Kühl

Ganz langsam erhebt sich die Lademulde des Schüttgut-Transporters. 25 Tonnen Sojaschrot ergießen sich schwallartig in den Annahmetrichter. Von dort wird das Material per Förderschnecke in das Eppinger Lagerhaus transportiert. Per Elevator geht es fünf Stockwerke empor bis unter das Dach, das gegen Fliegerbeschuss mit Stahlbeton armiert ist. Architekt des 1933 errichteten Zweckbaus soll nach Information von Siegmar Benz kein Geringerer sein, als Albert Speer, Hitlers berüchtigter Chefarchitekt und Rüstungsminister.

Sigmar Benz leitet im Kraichgau Raiffeisen-Zentrum (KRZ) den Geschäftsbereich Futtermittel. Dazu zählt nicht nur der Vertrieb, sondern auch die Produktion. Unter dem First des Eppinger Lagerhauses befinden sich die Einfüllstutzen der 31 Rohstoffzellen. Jede der Betonröhren hat ein Fassungsvolumen von 60 Kubikmetern. Pro Jahr verlassen 30 000 Tonnen Mischfutter das Werk.

"Pannonia Gold" klingt besser, als "Mais-Trockenschlempe"

Ebenso viel Rohstoffe werden als Input eingesetzt: 6000 Tonnen Mais, 4800 Tonnen Soja, 4200 Tonnen Weizen, 4000 Tonnen Geste, 1800 Tonnen Rapsschrot, 1000 Tonnen Kalk. Ferner Rübenschnitzel, Apfeltrester, Mais-Trockenschlempe alias "Pannonia Gold", Salz, Mineralien, Vitamine und Aminosäuren. Früher wurden Produkte und Rohstoffe per Bahn befördert, heute per Lkw.

Im Reich der Trichter und Röhren

Siegmar Benz, Leiter Futtermittel, demonstriert in der Steuerzentrale die Arbeitsprozesse. Die senkrechten roten Streifen verbildlichen die 31 Rohstoffzellen.

Die Rohstoffe für die aktuelle Produktion werden von den Chargenwaagen computergesteuert abgerufen. Und zwar in der für die Rezeptur benötigten Menge und Reihenfolge. Chargenwaage 1 misst die in ganzen Körnern eingelagerten Rohstoffe, Chargenwaage 2 die bereits zerkleinerten Rohstoffe, zum Beispiel Sojaschrot, Chargenwaage 3, die deutlich kleiner dimensioniert ist, misst Zusätze, wie Mineralien, Salz und Kalk. Hier können die Zutaten bei Bedarf auch händisch hinzugefügt werden.

Welchen Job die Schwerkraft im Futterwerk erledigt

In der Hammermühle werden die Zutaten so zerkleinert, dass sie die tierischen Abnehmer optimal verwerten können. Legehühner benötigen grob strukturiertes Futter, Schweine und Kühe dagegen fein strukturiertes. Die gewünschte Struktur ergibt sich aus der Siebkörnung und der Drehzahl der Hammerwelle. Wie der Name der Anlage bereits verrät, ist der Mischvorgang ein wesentlicher Schritt im Produktionsprozess. Dabei kommen drei Bewegungsprinzipien zur Anwendung, wie Siegmar Benz erläutert: Nach oben geht es mit dem Elevator, nach unten per Schwerkraft, seitwärts-Transporte werden mit dem Trog-Ketten-Förderer bewältigt.

Im Reich der Trichter und Röhren

Feinabstimmung: Mitarbeiter Michael Pessica fügt an der Chargenwaage 3 dem Futter eine Mineralmischung bei.

Von jeder Charge werden Rückstellmuster gezogen und in Deba-Safe-Beuteln sechs Monate lang verwahrt. Die amtlichen Proben sind und bleiben Eigentum des Regierungspräsidiums. Im Zweifelsfall dienen die Proben als Qualitätsnachweis des gelieferten Futters. "Die Sicherheit unserer Produkte genießt oberste Priorität" versichert Sigmar Benz. Schließlich lande das Futter je nach Tierart bereits drei Tage nach dem Füttern auf unseren Tellern - in gewandelter Form. Bereits bei der Einlagerung des Getreides steht die Lebensmittelsicherheit an oberster Stelle: "Tiere sind für Pilzbefall empfindlicher, als der Mensch."

Wo der Kalk herstammt, der ins Hühnerfutter kommt

Das KRZ wirbt mit der Regionalität von Zutaten und Verarbeitung. Das gesamte unverarbeitete Getreide stammt aus der Region. Salz kommt aus Bad Reichenhall und Bad Friedrichshall, Kalk wird in der Schwäbischen Alb gewonnen. "70 Prozent unseres Inputs stammt aus dem Kraichgau", erklärt Sigmar Benz. Seit 2010 garantiert der Hersteller zudem, dass seine Futtermittel komplett ohne Gentechnik auskommen.

 

Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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