Im Hartmanni-Gymnasium gibt's keine Ketchup-Tütchen mehr

Eppingen  Das Eppinger Hartmanni-Gymnasium gewinnt den ersten Preis im Nachhaltigkeitswettbewerb der Volksbank Kraichgau.

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Das Hartmanni-Gymnasium startete im Oktober 2017 mit einer Vollversammlung in den Wettbewerb. Nicht nur gelangen die Projekte, sondern es gelang auch, die Schüler nachhaltig zu begeistern.

Foto: Archiv/Tanja Ochs

Verlierer gibt es keine bei diesem einmaligen Contest. Aber einen ersten Preis: fürs Hartmanni-Gymnasium (HGE). Die Eppinger haben mit ihrem Engagement beim Volksbank-Wettbewerb "Vordenken statt nachmachen - Wege in die Nachhaltigkeit an Schulen" eine 17-köpfige Jury überzeugt und sind als klarer Sieger aus dem Wettstreit hervorgegangen - bei dem eigentlich alle nur gewinnen konnten, besonders die Umwelt.

4000 Euro für Gewinner, je 1500 für drei Zweitplatzierte

"Mitgemacht haben Schulen, mit denen wir aktuelle Bildungspartnerschaften haben", erklärt Gerald Barth, der als Marketing-Verantwortlicher der Volksbank Kraichgau auch für den Nachhaltigkeitswettbewerb zuständig war. Während das HGE 4000 Euro Preisgeld einstreicht, erhalten die anderen drei Teilnehmer - die Verbundschule Bad Rappenau, das Ottheinrich-Gymnasium in Wiesloch sowie eine Sinsheimer Förderschule - jeweils 1500 Euro für den zweiten Platz.

Doch wie hat sich das Eppinger Gymnasium das Preisgeld und damit die Förderung weiterer nachhaltiger Vorhaben verdient? "Sieben Projekte haben wir umgesetzt", erzählt Georg Kirchgeßner. Der HGE-Lehrer hat sich federführend um den im Oktober 2017 gestarteten Wettbewerb gekümmert. Begeistert berichtet er, wie viele Lehrkräfte, wie viele Schüler sich in den vergangenen drei Jahren an den verschiedenen Aktionen beteiligt hätten und weiterhin beteiligten:

Vom Papiermülleimer bis zum Radweg

Die Klassensprecher haben im Projekt "Papier und Recycling" für 50 Klassenzimmer aus Holz Mülleimer gebaut, um Papier- und Restmüll zu trennen. Im Hof wird das Papier gesammelt, die Abgabe vergütet und der Erlös für schöne Anschaffungen eingesetzt. Die Stadt hat dem HGE ein Grundstück für einen Schulgarten zur Verfügung gestellt, eine AG dort Hochbeete angelegt. Doch weiß Kirchgeßner: "Das Anlegen geht easy. Wichtig ist, das Ganze dann nicht wieder verwildern zu lassen." Der Trick, damit die Schüler dabei bleiben: Das Gartenprojekt ist ins Schul-Curriculum eingeflossen, im Fach Biologie und auch in Bildender Kunst. "Natur und Kunst hängen zusammen", findet der Lehrer. Mit dem Künstlergarten sei man jetzt auch mit einem Fuß in der Gartenschau vertreten.

Wegen Corona liegt manches auf Eis

Für das dritte Projekt haben die Volksbank und die Firma Nivus Wasserspender gesponsert. Und Trinkflaschen für Fünftklässler. Damit soll Plastikmüll und das Schleppen teurer Glasflaschen vermieden werden. Und der Konsum ungesunder Süßgetränken. "Leider", bedauert Kirchgeßner, "liegt das Projekt gerade wegen Corona auf Eis". Deswegen verkauft derzeit auch der Hausmeister nichts. Aber sein Essenangebot wurde umgestellt. "Ketchup oder Senf aus Flaschen statt kleine Tütchen", führt der Projektleiter als Beispiel an, begleiten jetzt hochwertige Würste. "Die sind ein bissle teurer geworden, schmecken aber besser, und wir wissen jetzt, woher sie kommen."

Beim "Hans-im-Glück-Projekt" sind alle Schüler, Eltern und Lehrer aufgerufen, individuell kleine Gewohnheiten gegen neue zu tauschen. Etwa in die Schule zu laufen, anstatt sich fahren zu lassen. Auch mit dem Rad soll man das HGE künftig sicherer erreichen. Doch auch diese Aktion, die zusammen mit der Stadt Eppingen in Angriff genommen wurde, ist wegen Corona in Verzug geraten. Jedoch hat das Rathaus schon die Zusage für abschließbare Radboxen erteilt, und das Konzept für den sicheren Radweg steht auch, es muss nur noch umgesetzt werden. Derweil lernen die über die Jahre wechselnden Teilnehmer der Nachhaltigkeits-AG "mit Nutzen zu leben", wie es Kirchgeßner ausdrückt. Zuletzt stellten sie aus Wachsresten neue Weihnachtskerzen her.

Eppinger haben Nachhaltigkeitsprinzip verinnerlicht

Gerald Barth, der aus Befangenheitsgründen nicht in der Jury aus Lehrkräften, Bürgermeistern, Vertretern des Nachhaltigkeitteams der Volksbank und anderen saß, ist überzeugt: "Das Nachhaltigkeitsprinzip hat das Hartmanni-Gymnasium am ehesten verinnerlicht. Die waren aktiver als die Mitbewerber, vielseitiger und haben ihre Ideen stringenter umgesetzt." In Eppingen sei es gelungen, das Bewusstsein zu schüren, dass auch ein kleiner Beitrag was bewirken könne, und die Schüler bei der Stange zu halten - "Werkvollendungsfreude" zu empfinden, wie das sein Vater, ein "Lehrer alter Schule" genannt hätte.

Nachhaltigkeitspreis

Die Volksbank Kraichgau (VB) hat den Schulwettbewerb aus einem Nachhaltigkeitsfonds finanziert. Die Genossenschaftsbank hat sich schon seit fast zehn Jahren die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung auf die Fahnen geschrieben. In deren Rahmen setzt sie sich unter anderem auch für die Umweltbildung von Kindern und Jugendlichen ein. Der Zeitraum des Nachhaltigkeitswettbewerbs war so lang gewählt, damit möglichst viele Schüler daran teilnehmen konnten und um die "Kontinuität im Schulalltag sicherzustellen", wie der Projektverantwortliche der VB, Gerald Barth, betont.


Susanne Schwarzbürger

Susanne Schwarzbürger

Autorin

Susanne Schwarzbürger ist seit 2000 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Nach vielen Jahren im Team Kinder/Jugend/Familie ist sie jetzt in der Regionalredaktion schwerpunktmäßig für den südlichen Kraichgau und für Bildungsthemen zuständig.

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