Heba ist mehr als gut angekommen: Syrerin erhält Talentförderung

Sulzfeld  Die 15-Jährige Gymnasiastin aus Sulzfeld wird für ihren Lerneifer, ihr Talent und ihre Kommunikationsfähigkeit mit Stipendium belohnt

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In ihrer Klasse ist Heba mit fast jedem befreundet, sagt sie. Im Turnverein ist sie auch gut integriert. Aber mit dem Schachspielen habe sie aufgehört, weil sie so gut war, dass Gleichaltrige nicht mehr gegen sie spielen wollten. Foto: Schwarzbürger

Heba ist ein Ausnahmetalent und zwar ganz offiziell. Denn die 15-Jährige aus Sulzfeld erhält jetzt Förderung durch das Stipendium "Talent im Land". 53 baden-württembergische Schüler unterstützt das Programm im Jahr. 300 hatten sich diesmal beworben, 100 durchliefen ein Auswahlverfahren in Stuttgart - am Ende war Heba dabei.

Gastfreundschaft ist selbstverständlich

Wer sie kennenlernt, wundert sich nicht: Freundlich und pflichtbewusst beantwortet die junge Syrerin erst umgehend Anfragen, öffnet dann beim Treffen lächelnd die Tür, entschuldigt sich aufrichtig für eine ungenaue Wegbeschreibung - um sogleich in die Küche zu eilen, wo sie Knabbereien und ein Getränk für die Besucherin hervorzaubert: orientalische Gastfreundschaft. Von der auch gleich drei in warmem Rot bezogene Sofas im Wohnzimmer zeugen. "Wir sind keine so kleine Familie und bekommen viel Besuch", lacht das Mädchen.

Sie floh über acht Länder hinweg

Seit vier Jahren lebt Heba gemeinsam mit ihrer Mutter, zwei Brüdern, (19 und 23 Jahre alt) sowie einem Cousin (39) in der Wohnung. Der Cousin, für sie wie ein Bruder oder Vaterersatz, kam mit der Familie vor genau fünf Jahren in Sulzfeld an. Über acht Länder war die Familie aus Homs nach Deutschland geflohen. Bis sie sich ihre eigene Wohnung gastlich einrichten konnte, verbrachte sie ein Jahr im Flüchtlingsheim. Die 24-jährige Schwester zog von dort gleich nach Frankfurt. Sie hatte auf der Flucht ihren Ehemann kennengelernt und ist mittlerweile selbst Mama.

Wer fehlt, ist der Vater. Seit acht Jahren weiß die Familie nicht, wo er steckt, ob er noch lebt. 2012 wurde er in den Kriegswirren auf dem Heimweg von der Arbeit entführt.

Die meisten Sulzfelder sind sehr nett zur Familie

Ausgerechnet in Sulzfeld landete die Familie. "Wir hatten keine Ahnung, wo oder was das sein sollte, keinen Plan", erzählt Heba. Gemeinsam mit anderen Migranten waren sie die ersten Flüchtlinge überhaupt, die dem Ort zugewiesen wurden.

Man hieß die Familien herzlich willkommen. Die 15-Jährige lobt die Sulzfelder: "Wir haben uns hier gleich sehr wohl gefühlt. Die Leute waren nett und sehr freundlich zu uns, die meisten jedenfalls."

Wer mit anderen Kindern spielen will, lernt die Sprache

Während ihre älteren Geschwister zum Deutschkurs nach Bretten fahren, besucht Heba gemeinsam mit zehn anderen Kindern den eigens eingerichteten Deutschförderkurs an der Blanc-und-Fischer-Schule. In nur sieben Monaten beherrscht sie die fremde Sprache so gut, dass sie nach dem vierten Schuljahr gleich aufs Gymnasium wechselt. Bereits im Flüchtlingsheim hatte sie mit dem Lernen begonnen: "Ich wollte mit den anderen Kindern spielen. Und da wir aus verschiedenen Ländern kamen, war Deutsch dann die gemeinsame Sprache", beschreibt sie ihre Motivation.

Mit anderen sprechen zu können ist Heba wichtig. Daher lernt die Achtklässlerin am Edith-Stein-Gymnasium in Bretten jetzt auch Spanisch als dritte, beziehungsweise für sie vierte Fremdsprache. Sprachen lernen fällt ihr leicht: "Arabisch ist dabei eine große Hilfe. Wir haben da schon fast alle Laute." Und Englisch ist neben Mathe, Sport und Kunst ihr Lieblingsfach - obwohl sie mal was "im medizinischen Bereich oder Ingenieurwesen" studieren möchte.

Klassenlehrerin entdeckt und fördert das Talent

Elke Wild-Siebert, die Klassenlehrerin am Brettener Gymnasium, hat ihrer vielseitigen, begabten und für alle Richtungen offenen Einser-Schülerin die Bewerbung um das Talent-im-Land-Stipendium nahegelegt hat. Und es hat geklappt.

 

Das Stipendienprogramm

Das Stipendienprogramm Talent im Land unterstützt begabte Schüler aus Baden-Württemberg, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft Hürden zu überwinden haben, auf ihrem Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife. 2003 haben die Robert- Bosch- und die Baden-Württemberg-Stiftung das Programm gemeinsam initiiert, um sich für gerechte Bildungschancen für begabte Schüler einzusetzen. Seit 2019 tragen die Baden-Württemberg-Stiftung und die Josef-Wund-Stiftung das Programm. Der Erfolg bisher: über 600 Alumni mit ihrer persönlichen Entwicklung. 

 

Susanne Schwarzbürger

Susanne Schwarzbürger

Autorin

Susanne Schwarzbürger ist seit 2000 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Nach vielen Jahren im Team Kinder/Jugend/Familie ist sie jetzt in der Regionalredaktion schwerpunktmäßig für den südlichen Kraichgau und für Bildungsthemen zuständig.

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