Eppingerin erfüllt sich auf Sri Lanka den Traum vom eigenen Hostel

Eppingen  Dort leben, wo andere Urlaub machen: Der Ausdruck wird oft benutzt, passt aber nicht immer. Bei Stefanie Richter ist das anders. Die 25-Jährige lebt seit knapp 20 Monaten auf Sri Lanka und hat dort ein Hostel eröffnet.

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Stefanie Richter lebt seit über anderthalb Jahren in Sri Lanka und hat dort ein Hostel eröffnet. Durch die Corona-Pandemie können im Moment keine Touristen in das Land. Pläne hat die 25-Jährige aber trotzdem einige. Foto: privat

Das Hostel liegt nicht nur direkt am Strand, sondern verfügt auch über ein Restaurant mit vegetarischen und veganen Speisen. "Ich hatte damals gar keine Ahnung, wie das alles funktioniert", erinnert sich die gebürtige Eppingerin, die sich schnell in das asiatische Land verbliebt hat. Nach mehreren Besuchen blieb immer Hikkaduwa im Südwesten Sri Lankas ihr Anlaufpunkt.

"Eigentlich wollte ich bei einer Freundin in der Bar arbeiten", erzählt Richter. Dann habe sie allerdings gehört, dass ein Gebäudekomplex direkt am Meer vermietet werden soll. Also schlug die 25-Jährige zu und unterschrieb einen Vertrag über zehn Jahre. In Eppingen verkauften ihre Eltern ihr gesamtes Hab und Gut und sicherten auch ihre finanzielle Unterstützung zu.

Und dann? Dann tat sich erstmal relativ wenig. Obwohl die Kernsanierung lediglich acht Wochen dauern sollten, wurden am Ende acht Monate daraus. Doch mit der Eröffnung zu Saisonbeginn im Oktober klappte es letztendlich doch. "Zwei Monate später habe ich die Bude eingerannt bekommen", erzählt Stefanie Richter. 16-Stunden-Tage waren keine Seltenheit.

Baumärkte wie in Deutschland gibt es nicht

Wenn etwas nicht funktioniert, ein Ersatzteil fehlt oder etwas undicht ist, könne man nicht wie in Deutschland einfach jemanden anrufen oder in den nächsten Baumarkt fahren, sondern müsse sich selbst darum kümmern. "Es ist hier alles etwas schwieriger."

Bis März hatte die Eppingerin kaum Zeit zum Nachdenken. Dann kam das Corona-Virus auch nach Sri Lanka. "Ich hätte niemals damit gerechnet, dass es so schlimm wird", gibt sie zu. China sei schließlich weit weg. Sechs Gäste sind seitdem in der Anlage, alles Weltreisende. Das Restaurant hat Stefanie Richter geschlossen, ihre Mitarbeiter, die Kinder haben, nach Hause geschickt. "Ich möchte auch ihre Familien schützen."

Militär überwacht Corona-Einhaltung

Die Ausgangssperren in Sri Lanka seien viel restriktiver gewesen, als in Deutschland. Vom 20. März bis Mitte Mai waren alle Geschäfte geschlossen, nur einmal pro Woche konnte man einkaufen gehen. Die Maßnahmen wurden vom Militär streng überwacht. "Wer sich nicht daran gehalten hat, wurde direkt festgenommen", erzählt Stefanie Richter.

Mittlerweile seien die Maßnahmen zwar nicht mehr ganz so streng, allerdings werde vor jedem Supermarkt Fieber gemessen, Masken müssen immer getragen werden. "Da lassen sie auch nicht mit sich spaßen." Außerdem gibt es weiterhin Ausgangssperren: Zwischen 22 und 4 Uhr, an Sonntagen und an Vollmond darf sich niemand außerhalb seines Grundstücks aufhalten.

Auch wenn sie sich nach wie vor sehr wohl in Sri Lanka fühlt: Besonders ihre Eltern fehlen der 25-Jährigen. Eigentlich sollte am 1. Juni ihr Flug nach Deutschland gehen. Doch daraus wurde nichts. "Jetzt, wo ich durch die Zwangspause zum Nachdenken komme, vermisse ich mein Zuhause", sagt Stefanie Richter. Allerdings weiß sie nicht, wann sie wieder ins Land einreisen dürfte, wenn sie einen Flug bekommen würde. "Mein Papa sagt, ich soll einfach kommen, aber das mache ich nicht." Auch wegen ihrer zwei Hunde und wegen ihres Freundes will sie Sri Lanka im Moment nicht verlassen.

Gelerntes soll umgesetzt werden

Bis die Beschränkungen gelockert werden und wieder Touristen ins Land kommen dürfen, lernt sie weiter Singhalesisch und verbringt viel Zeit mit ihren sechs Gästen, von denen zwei Frauen aus Deutschland kommen. Und sie bereitet sich auf die kommende Saison vor, plant kleinere Umbauten, ein neues Menü und will ihr Hostel noch besser machen. "Ich habe viel in der ersten Saison dazu gelernt."

Außerdem hat sie sich eine Nähmaschine gekauft und ein eigenes Label gegründet. Unter dem Namen Vilasita möchte sie in Zukunft nachhaltige Kleidung verkaufen. "Das Schneidergen habe ich wahrscheinlich von meiner Mama geerbt", sagt Stefanie Richter lachend.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

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