Eppingen will in Kleingartach Ökopunkte sammeln

Eppingen  Der Landkreis Heilbronn mit seinen blühenden Gewerben zieht immer mehr Menschen an, die Wohnraum benötigen. Auch der Kraichgau wird immer attraktiver.

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Die Flurstücke am Kleingartacher Sazenberg, die bisher von kleinteiligen Nutzflächen geprägt sind, die teilweise brachliegen, sollen zu einem wertvollen Biotop und Naherholungsgebiet werden.

Foto: Stadt Eppingen

Die steigende Nachfrage lässt die Gemeinden stetig neue Baugebiete erschließen. So stand etwa am Dienstag in Eppingen die Entwurfs- und Bauplanung des Wohngebiets Wolfsgasse II in Elsenz auf der Tagesordnung des Technischen Ausschusses.

Der Feldweg soll bleiben

Während in der Sitzung die Baukosten und die Entwässerungsmaßnahmen für dieses Gebiet im Vordergrund standen, sorgen sich Elsenzer Anlieger der Weisenbergstraße um den Erhalt eines Feldwegs, der hinter ihren Häusern verläuft: "Der dient als Anfahrtsweg für Transporte, wir Anwohner haben jahrzehntelang Zeit und Geld in die Pflege investiert", sagt Petra Benz als Sprecherin ihrer Nachbarn, die mit ihr Präsenz in der Hardwaldhalle demonstrieren. Sie manifestieren: "Wir möchten, dass der Feldweg bleibt." Auf der Planungsskizze des Neubaugebiets, das sich im Bogen um ihre Häuser legen wird, ist dieser Weg verschwunden. Noch ist aber Zeit für Modifikationen. Bürgermeister Peter Thalmann signalisiert, dass die Sorge der Elsenzer noch rechtzeitig vorgetragen wird.

Derzeit wird das im Gebiet Wolfsgasse II für Wohnflächen geplante Gelände intensiv landwirtschaftlich genutzt. Es mit Gebäuden zu versiegeln, ist eher unproblematisch. Ökologisch ausgeglichen werden muss aber die Hecke, die im Plangebiet in der verlängerten Weisenbergstraße kartiert ist. Sie gilt laut Naturschutzgesetz als besonders schutzwürdiges Biotop.

Die Natur erlebbar machen und Ökopunkte sammeln

Die über eine Million Ökopunkte, die Eppingen durch eine ökologische Aufwertung am Sazenberg in Kleingartach gewinnen will, sind dafür aber nicht vonnöten. Auch wenn die Stadt mit der Umwandlung von überwiegend brachliegenden Mittelstammplantagen, wenigen Offenlandflächen und einer kleinflächigen Tannenbaumkultur laut Sitzungsvorlage die "Erlebbarkeit der Natur ermöglichen" will: Mit der Maßnahme soll in erster Linie "die ökologische Wertigkeit" gesteigert, das Ökokonto der Stadt gefüllt werden. Gleichzeitig soll die Naherholungswirkung gesteigert werden.

Marielle Mayer von der mit der Planung beauftragten Öhringer BIT Ingenieure AG stellt dem technischen Ausschuss zwei Varianten zur Landschaftsumwandlung vor, zwischen denen die Gemeinderäte abstimmen. Sie heißen Variante 3 und 4: "Die Varianten 1 und 2 sind schon bei der Vorabstimmung entfallen beziehungsweise zu drei und vier fortentwickelt worden", erklärt Mayer die etwas irritierende Nummerierung.

Pachtverträge sind schon gekündigt

Beide Entwürfe sehen für die 6,5-Hektar-Fläche Streuobstwiesen, extensives Grünland, einen Krautsaum am Waldrand, feuchte Stauden, Strauchgruppen, Blühstreifen sowie einen Streuobstpfad vor. Der Unterschied zwischen den beiden Entwürfen, die Mayer präsentiert: Der erste bietet dem Wald mehr Raum, ist langfristig leichter zu pflegen, dabei preiswerter anzulegen - für etwa 250 000 Euro. Und er bringt ein paar mehr Ökopunkte ein als der zweite. So erstaunt nicht, dass die Gemeinderäte einstimmig für diese Variante 3 votieren: "Ich wünsche mir sogar noch mehr Waldanteil", sagt Herbert Meixner (CDU). Und Brigitte Hilker (Die Grünen) begrüßt, "dass ein deutlicher ökologischer Mehrwert geschaffen wird".

In Ökopunkten gemessen werden die Flurstücke in einigen Jahren 1,52 Millionen statt 400 000 wert sein. Mit dem Mehrwert könnte Eppingen an anderer Stelle viele Hektar überbauen. Doch auch sonst ist die ökologische Umwidmung des Geländes sinnvoll: Es wurde aufgrund der Kleinteiligkeit schon jetzt kaum noch genutzt, die untere Naturschutzbehörde hat eine Nutzung als Ackerfläche nicht genehmigt. Die Stadt habe die laufenden Pachtverträge bereits gekündigt, so Bürgermeister Thalmann.

Ökopunkte

Die Bundesregierung schreibt vor, dass für jeden Quadratmeter, der im Land bebaut wird - mit Wohn- oder Gewerbegebieten oder mit Straßen - Ausgleich geschaffen werden muss. Dieser findet in Form von sogenannten Ökopunkten statt.

Ausgleichsmaßnahmen wird ein bestimmter Wert zugewiesen, der sich wiederum nach der Wertigkeit der geplanten Biotoptypen richtet. Die Kompensation für die Versiegelung der Natur muss nicht in der Nähe der bebauten Fläche stattfinden. Ökopunkte sind eine Art Währung, mit der Versiegelung bezahlt und überregional gehandelt wird.


Susanne Schwarzbürger

Susanne Schwarzbürger

Autorin

Susanne Schwarzbürger ist seit 2000 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Nach vielen Jahren im Team Kinder/Jugend/Familie ist sie jetzt in der Regionalredaktion schwerpunktmäßig für den südlichen Kraichgau und für Bildungsthemen zuständig.

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