Eppingen debattiert über künftige Wasserstrategie

Eppingen  Der Gemeinderat will fachlichen Rat zum Verhalten des Grundwassers bei Wasserentnahmen einholen. Bisher zeigen die Tiefbrunnen keine Veränderung der Pegel, teilt der Zweckverband mit. Worüber jetzt debattiert wird:

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Beregnungsmaschine im Einsatz: Politik und Landwirtschaft diskutieren über wassersparende Techniken, etwa die Tröpfchenbewässerung.

Foto: Henning Kaiser

Die Stadt Eppingen will untersuchen lassen, wie sich die Entnahme von Rohwasser aus den kommunalen Tiefbrunnen auf den Wasserhaushalt auswirkt. Dies ist das vorläufige Ergebnis einer Generaldebatte über das "Schutzgut Trinkwasser" im Gemeinderat.

Das Gremium, das das Thema auf Anfrage der SPD-Fraktion behandelte, einigte sich mehrheitlich darauf, hydrogeologische Karten von Eppingen und Umgebung zu besorgen, um Hinweise auf das Verhalten des Grundwassers bei Wasserentnahmen zu erhalten. Ein weiterer Beschluss sieht die Einbindung von Fachbehörden vor, um künftige politisch-administrative Entscheidungen zum Wasser mit Expertise abzusichern.

Was der Anlass der Debatte ist

Der Gemeinderat beschäftigt sich schon länger mit dem Thema. Nach den Trockenjahren 2018 und 2019 hatte ein Eppinger Gemüsebauer bei dem Zweckverband Wasserversorgungsgruppe Oberes Elsenztal angefragt, ob er Wasser aus dem nahe gelegenen Trinkwasserbrunnen Bräunling entgeltlich entnehmen dürfe. Der Fall gelangte im trockenen Sommer 2019 auf Betreiben der SPD-Fraktion auf die Agenda des Gemeinderats. In dessen Septembersitzung stimmte das Gremium einem Vertrag zu, nachdem der Landwirtschaftsbetrieb pro Hektar 1000 Kubikmeter, zusammen also 80.000 Kubikmeter Rohwasser pro Jahr, für die Bewässerung der Gemüsekulturen verwenden darf.

Der Gemeinderat stimmte damals einem zehnjährigen Vertrag zwischen dem Betrieb und dem Zweckverband zu, der am 1. Januar dieses Jahres wirksam wurde. In dieser Saison kam der Betrieb aufgrund der allgemeinen Trockenheit auf 107 000 Kubikmeter.

Wie sich die Schüttungen der Hilsbachquellen verändert

Die SPD-Fraktion brachte nun das Thema erneut auf die Agenda, um die Auswirkung der Wasserentnahme im ersten Jahr der Bewässerungssaison abzufragen. Laut dem Geschäftsführer des Zweckverbands, Jürgen Fischer, bewegen sich die Pegelstände der Tiefbrunnen auf dem Niveau der Vorjahre. Es gebe keinerlei Einschränkungen bei der Menge und Qualität des geförderten Wassers.

Ein ganz anderes Bild ergebe sich bei den Hilsbachquellen. Deren Schüttungen seien in den letzten Jahren merklich zurückgegangen. Der Zweckverband verfüge über die technischen Mittel, das Versorgungsnetz "zuverlässig und wirtschaftlich" zu überwachen.

"Wir haben immer weniger Wasser in der Region", sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Hartmut Kächele zu Beginn der Debatte. Wasser sei zu kostbar, um es in der Menge, wie es mit dem Gemüsebauer vereinbart worden war, auf die Äcker zu spritzen. Die Entscheidung im Gemeinderat vor einem Jahr sei ohne fachliche Absicherung zustande gekommen. Kächeles Fraktionskollege Michael Mairhofer forderte den Einsatz wassersparender Bewässerungstechniken in der Landwirschaft.

Warum die Autowaschanlagen und Pools jetzt in den Fokus rücken

Oberbürgermeister Klaus Holaschke sowie Vertreter mehrerer Fraktionen regten an, die Debatte nicht auf die Landwirtschaft zu reduzieren, sondern gesamtgesellschaftlich zu führen. Holaschke sagte, auch die Bewässerung von Sportanlagen müsse mitdiskutiert werden. "Und das sage ich als alter Fußballer." Der Vorsitzende der FBW-Fraktion Jörg Haueisen nannte in diesem Zusammenhang Autowaschanlagen und den privaten Verbrauch in Gärten, wie für die Befüllung von Pools.

Anton Varga, Stadtrat der CDU, warb dafür, das Spülwasser der Hydranten sinnvoll zu verwenden, etwa als Gießwasser für den Bauhof. Peter Wieser, Vorsitzender der Grünen-Fraktion, plädierte dafür, die regionale Produktion von Lebensmitteln auch weiterhin den Betrieben zu ermöglichen. Dabei sollten möglichst wassersparende Techniken eingesetzt werden: "Nach uns sollte der Kraichgau auch noch landwirtschaftlich genutzt werden."


Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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