Ende eines dunklen Kapitels für Eppinger Brauerei Palmbräu

Eppingen/Heilbronn  Das Insolvenzverfahren aus dem Jahr 2008 ist für die Eppinger Brauerei beendet. Rechtsanwalt Karl-Heinz Branz zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis, mit dem nach einem beispiellosen Wirtschaftskrimi nicht zu rechnen war.

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Darauf, dass in den Eppinger Braukesseln auch 2020 noch Palmbräu gebraut wird, hätte 2008 wohl kaum jemand gewettet. Der "Stolz des Kraichgaus" stand im Mittelpunkt eines Wirtschaftskrimis mit ungewissem Ausgang.

Foto: Elfi Hofmann

Es war ein Wirtschaftskrimi, der die Region 2008/09 monatelang in Atem hielt. Nun, elf Jahre später, ist auch das Insolvenzverfahren um die Eppinger Brauerei Palmbräu offiziell beendet. Und Insolvenzverwalter Karl-Heinz Branz zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis. "Wir haben eine Insolvenzquote von rund 70 Prozent erreicht", sagte der Heilbronner Rechtsanwalt der Heilbronner Stimme. Dies sei eine bemerkenswert hohe Quote, normalerweise läge diese im einstelligen Bereich, so Branz. Die Insolvenzquote gibt an, wie viel die Gläubiger von ihren angemeldeten Forderungen erhalten. Insgesamt lag die Insolvenzmasse bei 842 000 Euro.

Mühsame und anstrengende Arbeit

Damit ist die juristische Aufarbeitung der bewegten Palmbräu-Jahre abgeschlossen. "Es war sehr mühsam und anstrengend", sagt der Insolvenzverwalter. Stolz ist Branz nach eigener Aussage darauf, dass er seine wichtigsten Ziele in dem Insolvenzverfahren erreicht hat. Neben der Hauptaufgabe, finanziell so viel wie möglich für die Gläubiger herauszuholen, waren dem Heilbronner zwei Dinge besonders wichtig. "Ich wollte die Brauerei inmitten der Stadt Eppingen erhalten." Gleiches gelte für die Marke Palmbräu, den "Stolz des Kraichgaus", der Branz am Herzen liegt.

Lob für OB Holaschke und Unternehmer Scheidtweiler

Der Insolvenzverwalter hatte sich damals mächtig ins Zeug gelegt, um die üblen Machenschaften rund um Palmbräu aufzudecken und der Brauerei eine Perspektive zu bieten. Zwei Personen misst Branz in der Rückschau eine besonders wichtige Rolle dabei zu, dass dies gelungen ist. Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke, der sich sehr positiv eingebracht habe. "Er hatte versichert, dass Eppingen und der Kraichgau hinter Palmbräu stehen." Und natürlichWolfgang Scheidtweiler. Der Pforzheimer Unternehmer hatte Palmbräu am 1. April 2009 aus der Insolvenz heraus übernommen und zu neuer Blüte geführt. Eine sehr mutige Entscheidung damals mitten in der weltweiten Finanzkrise. "Scheidtweiler erkannte das Potenzial der Marke Palmbräu, seine Prognosen haben sich bewahrheitet", lobt Branz den Weitblick des Unternehmers.

Dass sich Palmbräu heute zu Recht "Stolz des Kraichgaus" nennen kann, war lange Zeit ungewiss. Denn als das Unternehmen nach einem ersten Insolvenzantrag 2002 von der Plankstädter Weldebräu gerettet wurde, fingen die Schwierigkeiten erst richtig an. Wirtschaftliche Probleme, Personalabbau und die Entlassung der Geschäftsführer führten schließlich zu einem weiteren Insolvenzantrag im Jahr 2008.

Gerichtsverfahren wurde eingestellt

Was dann folgte, war ein regionaler Wirtschaftskrimi erster Güte. Es ging um den Verkauf von Markenrechten und Palmbräu-Werten, die an einen Bekannten des Welde-Chefs regelrecht verhökert worden sein sollen. Im Raum stand der Vorwurf, die Plankstädter seien nur an der Marke Palmbräu interessiert und wollten den Standort Eppingen schließen. Nach langen Ermittlungen erhob die Staatsanwaltschaft Heilbronn im Juli 2010 schließlich Anklage gegen sieben Beschuldigte, unter ihnen Welde-Chef Hans Spielmann und die früheren Palmbräu-Geschäftsführer Andreas und Georg Polster. Die Vorwürfe wogen schwer: Bankrott und Untreue sowie Anstiftung und Beihilfe dazu. Zu einer Verurteilung kam es jedoch nicht. Das Heilbronner Amtsgericht stellte das Verfahren gegen die Zahlung von Geldauflagen ein.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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