Eltern melden in Sulzfeld Betreuungsbedarf für 67 Kinder an

Sulzfeld  Die Sulzfelder Kindergärten haben ein Kapazitätsproblem, und zwar nicht nur wegen der Corona-Notbetreuung. Dank gestiegener Geburtenzahlen fehlt es an genügend freien Plätzen. Wie die Gemeinde dem Engpass begegnet.

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Sulzfeld hat zu wenig Kindergartenplätze. Deshalb schafft die Gemeinde im evangelischen und im kommunalen Kindergarten "Die Brücke" (Bild) zusätzliche Kapazitäten.

Foto: Jörg Kühl

Zu Beginn der Gemeinderatssitzung am Dienstag waren es 39 Kinder, deren Eltern einen Bedarf für die erweiterte Notbetreuung angemeldet hatten. Im weiteren Verlauf des Abends bis zum Mittwochmorgen schnellte die Zahl dann auf 67 Kinder empor. Zusätzlich nehmen 15 Kinder wegen besonderer Förderbedarfe das Angebot in Anspruch.

Erweiterte Notbetreuung bedeutet, dass die Kindergärten zur Hälfte wieder hochgefahren werden. Jeder zweite Kindergartenplatz darf also wieder beansprucht werden.

48 Stunden Reaktionszeit

Dies wurde der Gemeinde am Sonntag vom Kultusministerium mitgeteilt. In Sulzfeld berief Hauptamtsleiter Heiko Röth Montagmorgendie Leiterinnen aller Einrichtungen zu einem Gespräch zusammen, im Anschluss informierten diese die Eltern über Whatsapp und Facebook. 48 Stunden hatten die Eltern anschließend Zeit, ihren Betreuungsbedarf anzumelden.

Für die Gemeinde Sulzfeld mit insgesamt 165 Kindergartenplätzen, die von drei Trägern zur Verfügung gestellt werden, bedeutet das, dass 82 Kinder wieder in den Einrichtungen erscheinen dürfen. 67 plus 15 - damit ist die Kindergartenkapazität unter den Bedingungen der erweiterten Notöffnung wieder ausgeschöpft.

Wo der Engpass jetzt schon schmerzt

Auch zu normalen Zeiten sind Kindergartenplätze in der Kraichgaukommune Mangelware. Im Altersbereich der über Dreijährigen sind im Kindergarten Die Brücke erst im September 2022 wieder Plätze frei. Im Bereich der Krippe gibt es derzeit eine Gruppe im Ganztagsbetrieb und zwei Gruppen mit verlängerter Öffnungszeit. Die Ganztagsgruppe ist bis März 2022 voll belegt. Eine der beiden Gruppen mit verlängerter Öffnungszeit kann erst im April 2021 wieder Kinder aufnehmen.

Um den Engpässen entgegenzuwirken, errichtet die evangelische Kirchengemeinde mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde Sulzfeld einen Erweiterungsbau am evangelischen Kindergarten. Dort wird ab dem kommenden Jahr eine neue Gruppe eröffnet. Sulzfeld investiert in die Sanierung und Erweiterung in diesem Jahr rund 1,5 Millionen Euro. Im Bürgerhaus ist ebenfalls eine zusätzliche Krippengruppe noch in diesem Jahr geplant. Im Kindergarten Die Brücke ist die Erweiterung der Küche sowie der Einbau einer Klimaanlage für den Schlafraum vorgesehen.

Die Statistik spricht Klartext

Der gestiegene Betreuungsbedarf ergibt sich unter anderem aus der Geburtenstatistik. War bis 2012 die Zahl der Geburten im Trend rückläufig, so ist zwischen 2013 und 2019 ein deutlicher Anstieg der Kurve zu beobachten. Die durchschnittliche Zahl der Geburten lag zwischen 2009 und 2012 noch bei 30, zwischen 2013 und 2019 ist die Zahl auf durchschnittlich 40 gestiegen. 2017 wurden 35 Geburten, ein Jahr später 46 und im vorigen Jahr 43 Geburten verzeichnet.

Selbst wenn die Kinderzahlen ab dem Jahr 2025 der Prognose nach wieder sinken werden: Die Gemeindeverwaltung geht davon aus, dass der Bedarf an weiteren Betreuungsplätzen bestehen bleibt. Einer der Gründe sei die kontinuierliche Steigerung der Erwerbsquote der Frauen, die den Betreuungsbedarf von Kindern unter drei Jahren forciere, wurde den Gemeinderäten mitgeteilt.

Wie viel Geld die Kindergärten verschlingen

Mit 1,8 Millionen Euro sind die Kindergärten der dickste Ausgabenbrocken in der Gemeinde. Dem stehen laut Haushaltsplanung lediglich rund 800.000 Euro Einnahmen entgegen. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher jährlicher Zuschussbedarf in Höhe von rund einer Million Euro. In den drei Einrichtungen sind 41 Mitarbeiterinnen beschäftigt, 31 davon sind Erzieherinnen.

In der Gemeinde Sulzfeld gibt es drei Kindergärten, einer davon mit Krippe. Die Gemeinde selbst betreibt den Kindergarten "Die Brücke" mit Krippe im Bürgerhaus mit einer Kapazität von 70 Kindern. Die evangelische Kirchengemeinde ist Trägerin des evangelischen Kindergartens mit einer Kapazität von 70 Kindern. Der Kindergarten "Gartenkinder" mit einer Kapazität von 25 Kindern ist eine Einrichtung des Trägers "Schneckenhaus Bretten"


Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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