Einweihungsfeier im dritten Anlauf

Oberderdingen  Die Blanc und Fischer Familienholding weiht die erweiterte Biomasse-Anlage ein. Sie wurde zusammen mit einem ortsansässigen Landwirt errichtet. Der brachte aber eine besondere Kritik an.

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Enthüllt: Minister Peter Hauk, Konzern-Vorstandsvorsitzender Karlheinz Hörsting und Landwirt Christian Meerwarth (von links) beim Festakt für die erweiterte Biogasanlage auf dem Werksgelände von EGO und Blanco.

Foto: Heiko Fritze

Nun hat es also doch geklappt. Die Anlage läuft zwar schon seit einem Jahr, alles hat sich eingespielt und sogar erste Zahlen über die eingesparten Heizölmengen liegen vor - aber wegen Corona war die Einweihungsfeier zweimal verschoben worden. Erst am Freitag vor der Bundestagswahl war es der Blanc und Fischer Familienholding möglich, mit der Familie des Bauernhofs, Vertretern der Tochterunternehmen und der Politik auf die Erweiterung der Biogasanlage anzustoßen.

Warum die Einweihung gefeiert werden sollte

Dabei war dem Konzern, der Firmen wie den Elektronik-Hersteller EGO und den Küchenspülen-Produzenten Blanco umfasst, die Feier enorm wichtig. "Wir wollen zeigen, dass schon wir so etwas hinkriegen - und es daher auch an vielen anderen Orten möglich sein sollte, in diesem Bereich etwas zu tun", erläuterte eine Unternehmenssprecherin.

Wie die Anlage funktioniert

Seit 2011 läuft bereits eine Biogasanlage beim Familienunternehmen. Sie wurde zusammen mit dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Meerwarth, der sich direkt oberhalb des Werksgeländes am Rande von Oberderdingen befindet, errichtet: Verwendet werden Gülle und Fäkalien der 240 Milchkühe sowie Grünabfälle. Das daraus entstehende Methangas wird über eine Leitung in das Blockheizkraftwerk neben dem Werksgelände geleitet. Das verbrannte Gas versorgt ein Verwaltungsgebäude mit Strom und mit Wärme. Die Leistung beträgt 400 Kilowatt elektrisch.

Dies ist auch das Prinzip der Erweiterung, erläutert Christian Meerwarth: Der landwirtschaftliche Betrieb stemmte die Neubauten, darunter weitere Silos, effizientere Technik, die Gasleitung zum Werk und das zweite Blockheizkraftwerk. Blanc und Fischer übernimmt ab der Wärmeerzeugung. Versorgt werden damit das 2019 bezogene Nexus-Gebäude, Sitz des Dachkonzerns, sowie Werkshallen. Die Leistung liegt hier bei 250 Kilowatt elektrisch, die aber bis auf 450 Kilowatt hochgefahren werden kann.

Wie viel Öl dadurch eingespart wird

Alleine im ersten Jahr seien durch die Erweiterung etwa 300 000 Liter Heizöl eingespart worden, sagte Meerwarth. "Das gibt dem etwas abstrakten Begriff Energiewende ein sichtbares Beispiel." Kritik übte er allerdings an der langen Genehmigungsphase - vom ersten Antrag bis zur endgültigen Zusage habe es drei Jahre gedauert.

Was der Minister von der Technologie erwartet

Dass das verbessert werden müsse, räumte auch Peter Hauk, Landesminister für Ländlichen Raum, ein. "Wir brauchen schnellere Lösungen im Interesse der Energiewende", sagte er. "Biogasanlagen leisten einen unersetzbaren Beitrag, um Wärmenetze auch auf Dörfern zu ermöglichen. Es spielt sich nun einmal nicht alles bei Photovoltaik und Windkraft ab." Die Stunde der Biogasanlagen werde schlagen, wenn die grundlastfähigen Kraftwerke im Land abgeschaltet werden, vor allem die Atomkraftwerke von Philippsburg und Neckarwestheim Ende kommenden Jahres. "Die Landwirtschaft wird dann Teil der Energiewende sein", erwartet der Minister.

Warum sich Blanc & Fischer hier engagiert

Für Holding-Vorstandschef Karlheinz Hörsting passt die Erweiterung in die allgemeine Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens. "Die Nachfrage unserer Kunden nach nachhaltigen und regionalen Produkten steigt", berichtete er. "Wir müssen mit unseren neuen Produkten neue Impulse setzen beim CO2-Fußabdruck." Da sei diese Erweiterung "ein weiteres wichtiges Puzzlestück bei der Verbesserung unserer Umweltbilanz."


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

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