Das Bad in Rappenau wird 90: Eine Wanne voller Erinnerungen

Bad Rappenau  Im Bad Rappenauer Rathaus kann man noch bis zum 21. November eine Ausstellung zu 90 Jahre Bad anschauen. In Erinnerungen schwelgen auch zwei Schwestern, die in der Salinenstraße aufgewachsen sind.

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Die Schwestern Maja Raimund (rechts) und Ilona Stone sind in der Salinenstraße aufgewachsen und waren natürlich auch in Badeanzügen der Firma Benger schwimmen.

Foto: Elfi Hofmann

Eine Badewanne aus Holz kann sich heute eigentlich außerhalb eines Wellness-Urlaubs niemand mehr vorstellen. Vor fast 200 Jahren war das aber zumindest in den Rappenauer Bädern nichts Ungewöhnliches. Eine solche Wanne aus Eichenholz steht noch bis zum 21. November im Foyer des Rathauses. Sie macht den Besuchern der Ausstellung zu 90 Jahren Bad Lust auf mehr: mehr Geschichte rund um diesen Titel, der 1930 verliehen wurde.

Ein umfangreiches Thema

"Das ist ein umfangreiches Thema. Wir können nur einen Ausschnitt daraus zeigen", erklärt die Stadtarchivarin Regina Thies. Über alle drei Etagen des Rathauses kann man der Geschichte folgen und neben der Holzwanne zahlreiche alte Fotografien, Pläne und Postkarten anschauen. Auch Zeitungsausschnitte werden den Besuchern präsentiert. "Für die Präsentation waren viele Ideen nötig", sagt Thies. Aus allen Bereichen hätten die Kollegen sich eingebracht.

Die Exponate gehören dem Stadtarchiv und wurden teilweise von Bürgern gespendet. So auch eine Speisekarte des Kurhotels und Reiseführer, die fast 100 Jahre alt sind. Auf vielen Fotos sieht man auch das Kinderkurheim Siloah. "Dort steht heute die Median-Vesalius-Klinik", erzählt die Stadtarchivarin. Auch der Musikpavillon und der Sole-Trinkbrunnen werden intensiv beleuchtet.

Bademoden wurden im Solebad präsentiert

Aus dem Bikini-Art-Museum hat sich Regina Thies für die Zeit der Ausstellung verschiedene Badeanzüge und Bikinis geliehen, die wiederum die Stadt den Verantwortlichen überlassen hatte. Denn der Bad Rappenauer Textilhersteller Benger eröffnete in den 1950er Jahren ein Werk in der Kurstadt und präsentierte seine Bademoden regelmäßig direkt um die Ecke im Solebad. "Dazu haben wir leider keine Fotos finden können", bedauert Thies. Dafür werden noch bis zum 14. Oktober verschiedene Filme aus der Bad Rappenauer Geschichte gezeigt. In einem Image-Film aus den 60er Jahren hatte auch die damals elfjährige Maja Raimund ihren großen Auftritt. Damals hieß sie noch Freudenberger und lebte mit ihrer Familie in der Salinenstraße.

"Unser Vater hat die Rolle des Poliers Herrmann Müller gespielt", erinnert sie sich. In spielfilmartigen Szenen sieht man, wie der Kurbetrieb in Bad Rappenau ablief. Die Vorgeschichte des Kurgastes, die Ankunft, die Kurklinik mit den verordneten Maßnahmen sowie die Freizeitgestaltung während der Kur werden gezeigt.

Dass sie in dem Film auftaucht, hat sie einem Zufall zu verdanken. "Ich war halt gerade da", sagt sie lachend. Der Regisseur Hans Vogt sei ein guter Bekannter der Familie gewesen. Wo ihre Schwester Ilona an diesem Tag war, wissen die Schwester nicht mehr. Den Film haben sie sich aber gemeinsam angeschaut. Und mussten viel lachen. "Ich hätte keine Schauspielkarriere machen können", sagt Maja Raimund. Berühmt wollte sie nie werden.

Zu Besuch aus Übersee

Im Gegensatz zu ihrer Schwester ist sie der Region treu geblieben. Ilona Stone, die Ältere der beiden, hat einen Amerikaner geheiratet und lebt seit 50 Jahren in Kalifornien. Im Jahreswechsel besuchen sie sich gegenseitig. Dass Ilona Stone während der Corona-Pandemie in ihre Heimat kommen durfte, hat sie ihrem Pass zu verdanken: "Ich habe immer noch die deutsche Staatsbürgerschaft", sagt sie.

Die Ausstellung gefällt den Schwestern gut. Auf alten Fotos der Salinenstraße zeigen sie, wo ihr Elternhaus stand und wo sie als Kinder gespielt haben. Dass mittlerweile so viele große Wohnhäuser gebaut wurden, gefällt den beiden nicht. "Aber so ist das eben heute", sagen sie.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld.

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