Ein Zertifikat mit einem klaren Signal

Bad Rappenau  Die Verbundschule Bad Rappenau engagiert sich im Bereich Berufs- und Studienorientierung über das geforderte Maß hinaus. dafür wurde sie jetzt mit dem Boris-Berufswahl-Siegel Baden-Württemberg ausgezeichnet.

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Die Verbundschule Bad Rappenau ist jetzt Boris-Schule. Yvonne Geier, Josef Reif, Moritz Klösters, Manar Kassem und Judith Galler (von links) freuen sich über das Siegel.

Auf den ersten Blick ist es nur ein weiteres Schild. Ein Zertifikat, das der Hausmeister am Haupteingang der Verbundschule angebracht hat.

Tatsächlich würdigt das Boris-Siegel eine jahrelange Arbeit, die weit über die im Lehrplan vorgeschriebenen Aktivitäten zur Ausbildungs- und Studienorientierung hinaus geht: zum Wohl von Schülern und Schülerinnen wie Moritz Klösters oder Manar Kassem.

Beide sind in der Schule früh mit der Frage, was sie einmal werden wollen, in Berührung gekommen. Beide haben Angebote - vom eintägigen Reinschuppern bis zum mehrwöchigen Praktikum - erhalten und genutzt. Beide wissen heute, kurz vor ihrer Mittleren Reife, was sie wollen.

Judith Galler sorgt für Kontinuität

Den Grund, warum die Verbundschule Bad Rappenau an dieser Stelle so gut aufgestellt ist, verknüpft Rektorin Yvonne Geier mit dem Namen Judith Galler. Seit 1996 ist sie Lehrerin an der Schule. Sie hat die Verschmelzung von zwei Schularten mitgestaltet und ist seit vielen, vielen Jahren für die Berufs- und Studienorientierung zuständig. Begleitet wurde sie lange von Konrektor Klaus Greulich. Jetzt arbeitet Konrektor Josef Reif mit Judith Galler zusammen an dem Thema.

Die Freude über das Siegel ist groß. Es signalisiert nach außen, dass sich die Verbundschule Bad Rappenau in besonderem Maße um die Berufsvorbereitung ihrer Schützlinge kümmert.

Der Blick in die Zukunft beginnt hier schon in Klasse 7 mit einer "ersten reale Begegnung mit der Berufswelt". "Früher konnte ich mir vorstellen, zur Audi zu gehen", sagt Moritz heute. Doch bei einem Praktikum dort habe er gemerkt, dass er eher Programmieren wolle.

Ein Zertifikat mit einem klaren Signal

Das Boris-Siegel gibt es nur für Schulen, die sich mehr als gefordert in der Berufs- und Studienorientierung engagieren. Es ist drei Jahre gültig.

Fotos: Ulrike Plapp-Schirmer

Auch Manar hat festgestellt, dass sie nicht für den Einzelhandel geboren ist. "Genau so soll es sein", sagt Josef Reif. Die eigenen Stärken und Schwächen kennenlernen, herausfinden, was einem Spaß machen könnte, dafür gibt es an der Verbundschule viele Möglichkeiten. "Schüler im Hauptschulzweig machen bei uns in Klasse 8, Schüler im Realschulzweig in Klasse 9 ein weiteres Praktikum", sagt Judith Galler.

Und siehe da: Sowohl Moritz als auch Manar habe noch vor dem Lockdown herausgefunden, was sie werden wollen: "Ich war in der zweiten Woche im Bad Rappenauer Rathaus", erzählt die 10-Klässlerin. Das habe sie motiviert, einen guten Realschulabschluss zu machen. Auch Moritz wurde durch ein Praktikum bestärkt, auf E-Niveau zu lernen und nach der Realschule aufs Technische Gymnasium zu gehen.

Feste Ansprechpartner außerhalb der Schule

Nicht jede und jeder geht durchs gleiche Förderprogramm. Nicht jede und jeder besucht die Werkstatttage der Heilbronner Handwerkskammer oder die Sinsheimer Fachmesse Vocatium, an der die Verbundschule regelmäßig teilnimmt.

Die Einrichtung hat eine feste Ansprechpartnerin bei der Agentur für Arbeit und eine Kooperation mit der Firma Läpple. Sie bietet Bewerbungsplanspiele für Schüler an, die den Hauptschulabschluss anstreben, und vieles mehr. "Wir machen so viel", sagt Yvonne Geier, "dass wir gedacht haben, wir können das auch zertifizieren lassen." Moritz und Manar haben von diesem Engagement profitiert.

Sie haben ihre Chance im Praktikum genutzt und Signale erhalten, dass man an ihnen als Arbeitskraft interessiert ist. Angst vor der Zukunft haben die beiden nicht.

Das Siegel

Das Boris-Berufswahl-Siegel Baden-Württemberg ist laut www.boris-bw.de "ein Zertifizierungsverfahren für Schulen, die im Themenbereich Berufs- und Studienorientierung über die geforderten Standards in den Bildungsplänen und Verwaltungsvorschriften hinausgehen.

Alle weiterführenden Schulen, also allgemeinbildende und berufliche Vollzeitschularten in Baden-Württemberg, die keine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen, können sich um eine Teilnahme am Zertifizierungsprozess bewerben. Das grundlegende Instrument für das Verfahren ist ein Kriterienkatalog. Mit diesem werden Qualitätskriterien in standardisierter Form abgefragt. Er umfasst die Themen Jugendliche im Fokus, System Schule und Schule im Netzwerk."

Das Boris-Siegel wird unter anderem unterstützt von der Baden-Württemberg-Stiftung, der IHK, der Handwerkskammer und den Unternehmern Baden-Württemberg (UWB). Die Verbundschule Bad Rappenau engagiert sich schon lange über die im Lehrplan vorgeschriebenen Aktivitäten im Bereich Berufsorientierung hinaus. Das Siegel wird für drei Jahre vergeben.


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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