Ein Hallenbad ist kein Fahrradreifen

Bad Rappenau  Was wünschen sich die Bad Rappenauer für ihr Hallenbad? Das wollten die Grünen wissen und luden zum Online-Gedankenaustausch ein. Eine Sanierung ist nach einem Gutachten vom Tisch.

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Abreißen und neu bauen oder komplett umziehen: Das Rappsodie-Hallenbad ist in die Jahre gekommen, eine Sanierung steht nicht zur Diskussion. Foto: Elfi Hofmann

Abreißen und am alten Standort wieder aufbauen oder umziehen: Nichts Genaues weiß man nicht, wenn es um das Rappsodie-Hallenbad geht. Ein Gutachten liegt zwar vor, weitere Schritte wurden bisher zumindest offiziell noch nicht unternommen.

Klar ist allerdings: Die Stadt Bad Rappenau hat eine Erneuerung beziehungsweise einen Neubau an gleicher Stelle auf der Agenda. Doch was sagen die Kurstädter selbst dazu? Das wollte die Grünen-Fraktion des Gemeinderats wissen und lud zu einem Online-Austausch ein.

Rappsodie ist ein Flickwerk

"Die Schäden sind so massiv, dass man die Menschen eigentlich nicht mehr zum Schwimmen reinlassen kann", begann Gemeinderat Ulrich Feldmeyer die Diskussion. Den Neubau könne man nutzen, um aus dem Kurbad ein Sportbad mit Schwimmbecken zu machen.

Damit würde man zumindest den Wunsch der Teilnehmer treffen, die sich fast alle für ein Sportbecken ausgesprochen haben, das am besten in einem Neubau realisiert werden sollte. "Das Bad wird wohl sowieso platt gemacht", sagte Robin Müller, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Man könne den Komplex nicht beliebig oft wie ein Rad flicken. Das sah Dirk Bosse ähnlich, denn geflickt habe man in den vergangenen Jahren genug. "Und das hat wenig gebracht."

Ein Bad für alle Altersgruppen schwebt den Teilnehmern der Runde vor. Rutschen für Kinder, ein 25 Meter langes Schwimmbecken, ein Bereich zum Toben und ein Therapiebecken: Würden die Vorschläge so umgesetzt werden, müsste man wohl noch tiefer in die Tasche greifen. "Bei vielen Becken wären wohl zwei Ebenen nötig", gab Ulrich Feldmeyer zu bedenken.

Mehr Parkplätze schaffen

So oder so: Mindestens 30 Millionen Euro würde das Projekt kosten. "Das wird auf jeden Fall ein teurer Spaß, egal wo gebaut wird", so Feldmeyer, der den jetzigen Standort nicht schlecht findet. Nur die Parkplatzsituation müsse verbessert werden.

Apropos Standort: Auch der steht zur Diskussion. Die Baulücke, die bei einem Abriss des seit fast einem Jahr leer stehenden Therapiezentrums entstehen würde, kann sich Grünen-Vorstand Steffen Weisschuh als "Grüne Lunge" vorstellen, die in die Saunalandschaft integriert wird. Dieser Bereich ist relativ neu und steht bisher nicht zur Disposition. "Der Flächenverbrauch sollte auf jeden Fall in gewissen Grenzen gehalten werden", sagte Weisschuh.

Wohin weichen Vereine aus?

Ein Aspekt, der ebenfalls allen am Herzen liegt, ist die Frage nach der dem Wasser zugegebenen Sole. "Die brauchen wir schon allein wegen der Wirkung auf den Körper", erklärte Gemeinderat Lars Schubert. Darauf verzichten möchte auch Hartmut Winter von der Rheumaliga nicht und macht sich jetzt bereits Gedanken, wo die Kurse stattfinden sollen, falls das Gebäude an gleicher Stelle neu gebaut werden würde: "Die Mitglieder machen dort Funktionstraining. Wohin können sie dann ausweichen?"

Bei allen Ideen der Teilnehmer: Wie genau es weitergeht, entscheidet letztlich die Stadt gemeinsam mit dem Gemeinderat. Auch die Kosten müssen genau erörtert werden. "Wir sollten uns auch andere Bäder anschauen", schlug Gemeinderätin Sonja Hocher vor. Bis zum Baubeginn wird also wohl noch viel Sole durch Bad Rappenau fließen.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Elfi Hofmann ist seit April 2019 bei der Heilbronner Stimme und dort vor allem im Kraichgau unterwegs. Sie ist für Bad Rappenau, Siegelsbach und Hüffenhardt zuständig und gehört dem Thementeam Umwelt an.

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