Eierlieferservice für Ittlinger Wohngebiet: Junge sucht Grundstück für 50 Hühner

Ittlingen  Weil der bisherige "Hühnermann" aufgehört hat, will Josh Rost einen Eierlieferservice für sein Wohngebiet aufbauen. Dafür benötigt der Fünftklässler Platz für 50 Legehennen. Ausliefern will Josh die Eier samstags - mit einem Fahrrad mit Anhänger.

Von Gabriele Schneider
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Der zehnjährige Josh möchte Eier-Produzent und -Lieferant werden, hat sogar schon einen genauen Businessplan erstellt und präsentiert einen Flyer, den er auf der Suche nach einem Grundstück für seine Hühner in Ittlingen verteilte.

Foto: Gabriele Schneider

Josh Rost aus Ittlingen ist zehn Jahre alt und hat ein Ziel: Er möchte einen Samstags-Eierlieferservice für sein Wohngebiet aufbauen. "Besonders für die älteren Nachbarn", präzisiert er. Dies sei auch deshalb wichtig, weil der bisherige Eiermann vor Kurzem aufgehört habe. Die Idee, der neue Eiermann von Ittlingen zu werden und damit auch etwas für andere zu tun, schwelt schon länger in dem Fünftklässler.

300 Quadratmeter

Im Sommerurlaub verbrachte Josh dann viel Zeit mit der Planung, ließ sich von einem anderen "Hühnermann" beraten und erstellte einen Businessplan für seine Firma "Farmtastisch". Josh weiß auch ganz genau, was ihm zum Start seines Dienstes fehlt: Aktuell ist das vor allem eine 300 Quadratmeter große Wiese, die er zu Fuß oder mit dem Fahrrad unkompliziert erreichen kann.

Er inserierte die Suche schon im Mitteilungsblatt und verteilte Flyer. Möglicherweise tue sich in seiner direkten Nachbarschaft etwas, verrät er. Vielleicht bekomme er sein "Traumgrundstück" verpachtet, sagt Josh. Der Besitzer habe das aber noch nicht ganz entschieden.

Im März kommenden Jahres bekommt Josh jedenfalls 50 Legehühner - "legefreudige Lohmann-Brown-Hühner", erklärt er - und einen Brahma-Hahn. Dessen Krähen darf aber im Wohngebiet nicht zu hören sein.

Businessplan aufgestellt

Im Businessplan hat der künftige Hühnerbauer genauestens aufgeschrieben, was er zuvor recherchiert hat. Etwa, wo bei Hühnerhaltung und Eierverkauf Anschaffungs- und laufende Kosten anfallen, was Futter kostet, welche Baumaterialien er erwerben muss, um etwa Zäune für die freilaufenden Tiere zu bauen und was es sonst noch braucht, damit die Tiere es bei Farmtastisch kommod haben. Einmal im Jahr soll der Schlachter kommen und aus den Hühnern Suppenhühner machen. Mit dem Geld aus deren Verkauf möchte Josh dann jeweils neue Hühner kaufen.

Eltern geben zinslosen Kredit

Der Fünftklässler ist froh, dass seine Eltern ihm einen zinslosen Kredit gewähren, den er in monatlichen Raten abbezahlen wird. Schließlich stehen den Ausgaben auch die Einnahmen aus wöchentlich 280 braunen Eiern gegenüber. Nach Abzug der Kreditraten, der laufenden Kosten und einer kleinen Rücklage bliebe Josh ein monatliches Taschengeld von 50 Euro übrig, so der Businessplan.

Joshs Hühner leben frei auf ihrem Grundstück, gehen durch eine Hühnerklappe in den Stall hinein und heraus, wie es ihnen gefällt. Josh kommt dann täglich gegen Abend, versorgt die Tiere mit Wasser und Futter und bringt sie, wenn es dunkel wird, in ihre Nester. Die Eier will er täglich einsammeln. "Im Stall trage ich grundsätzlich spezielle Arbeitskleidung", sagt er, damit auch die Hygiene stimmt.

Samstags liefert er die Eier aus

Samstags liefert er die Eier dann mit Fahrrad und Anhänger aus. Hierfür bietet er seinen Kunden personalisierte, wiederverwertbare und gut zu reinigende Eierträger an. Und wenn Josh, seine Eltern und fünf Geschwister einmal in Ferien sind oder der Junior-Geschäftsmann aus sonstigen Gründen ausfällt, "haben meine Oma und eine Nachbarin versprochen, einzuspringen", freut er sich. Dass der Junge sich nicht ausreichend um seine Hühner kümmern könnte, befürchten seine Eltern nicht. Und er selbst erklärt: "Ich habe Erfahrung mit Hühnern und kümmere mich schon immer gern um Tiere, auch um die meiner Geschwister." Bis vor kurzem hatten Rosts sechs Familienhühner im Garten, erzählt Josh, und aktuell gebe es drei Zwergkaninchen, die er versorge. Seine Katze "wurde allerdings ziemlich schnell überfahren", bedauert Josh.

Seine Eltern helfen bei der Idee zu Farmtastisch, wo es nötig ist. Sie melden auch ein Gewerbe an, wenn alles losgeht. "Vorher erkundigen wir uns nochmals ganz genau, wie die rechtliche Seite ist", sagt Joshs Mama. Damit der Familie nicht etwa unerlaubte Kinderarbeit oder ähnliches unterstellt werde.


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