Diskussion um Jahreskarten im Gemminger Freibad

Gemmingen  Die Verwaltung will die Entwicklung im Imre-Gutyan-Freibad in Gemmingen beobachten und gegebenenfalls nachsteuern , aktuell dürfen sich dort maximal 350 Badegäste aufhalten. Für Diskussion sorgt die Vergabe von Jahreskarten.

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Im Moment ist im Imre-Gutyan-Freibad in Gemmingen noch Luft nach oben. Aufgrund der Corona-Verordnung dürfen sich dort maximal 350 Personen zeitgleich aufhalten.

Foto: Archiv/Theuer

Es war nicht unbedingt zu erwarten, dass die Freibäder in diesem Sommer überhaupt öffnen dürfen. Der Gemminger Verwaltung hat der Betrieb des Imre-Gutyan-Bads bei der jüngsten Gemeinderatssitzung viel Lob für die klare Beschilderung und das Hygienekonzept vor Ort eingebracht.

Trotzdem sind nicht alle glücklich. Bei der Vergabe der Jahreskarten gingen diejenigen leer aus, die ihren Antrag nicht fristgerecht im Rathaus abgegeben hatten.

Vorschlag aus dem Gemeinderat

CDU-Gemeinderat Klaus-Peter Reimold forderte trotzdem, die Zahl der Jahreskarten zu erhöhen. Damit stieß er bei der Verwaltung auf grundsätzliches Verständnis. Timo Wolf will die Situation im Freibad aber erst ein bis zwei Wochen beobachten, bevor er als verantwortlicher Bürgermeister entscheidet, ob weitere Karten verkauft werden können.

Erfahrungen fehlen. "Die Belastungsprobe haben wir erst noch vor uns", sagte Wolf. Oberstes Ziel sei es, das Schwimmen zu ermöglichen, die Gesundheit Einzelner aber nicht zu gefährden. Würde einer der beiden Schwimmmeister krank, müsste das Bad wieder geschlossen werden.

Lockerung nach wenigen Tagen oder Korrektur eines Denkfehlers? Für Klaus-Peter Reimold ist der Fall klar: Die Zahl der Jahreskarten, die im Umlauf sind, ist zu niedrig, die Zahl der Besucher, die sich zeitgleich im Imre-Gutyan-Freibad aufhalten dürfen, muss aber aus Sicherheitsgründen bei 350 gedeckelt bleiben.

Reimold ist sicher, dass das funktioniert. Die Leute kämen zu unterschiedlichen Zeiten. In den zurückliegenden Tagen seien nie mehr als 113 Personen gleichzeitig im Freibad gewesen - 237 weniger als erlaubt.

Verantwortung liegt beim Bürgermeister

Würde man die Zahl der Jahreskarten von derzeit knapp 800 um weitere 700 bis 800 aufstocken, so seine Überlegung, hätten weitaus mehr Menschen die Chance, ins Freibad zu gehen. An heißen Tagen käme man so auch auf die 350 Besucher, die laut Corona-Verordnung erlaubt sind.

Die Regeln für die Betreiber sind streng: Lediglich 98 Schwimmer dürfen sich gleichzeitig im Becken aufhalten - einer pro zehn Quadratmeter Fläche. Vor der Kasse dürfen sich keine Schlangen bilden. Gemeinderat und Verwaltung hatten sich auf eine vorsichtige Öffnung des Imre-Gutyan-Bades geeinigt.

Die Verwaltung hatte trotzdem schon 100 Karten mehr als zunächst geplant ausgegeben. Jeder, der seinen Antrag innerhalb der Frist abgegeben hatte, kam zum Zug. Timo Wolf ließ den Vergabemarathon noch einmal Revue passieren.

Aus der Zeitung erfahren 

Am 29. Mai habe er aus der Zeitung erfahren, dass Freibäder ab dem 6. Juni wieder öffnen dürfen. Am 3. Juni um 18.30 Uhr sei die Verordnung des Landes gekommen, daraufhin habe man sich auf Kreisebene abgestimmt, "damit es kein Kopf-an-Kopf-Rennen gibt".

Das Hygienekonzept war da schon fertig. "Am 9. Juni war alles in trockenen Tüchern", so Wolf.

Mehrere 100 Anträge 

Nur drei Tage brauchte der IT-Dienstleister, um eine Internetplattform aufzusetzen. Mehrere 100 Anträge gingen innerhalb weniger Stunden ein: "Der Verwaltungsaufwand war immens. Am Freitag und Samstag nach Fronleichnam wurden alle Karten ausgetragen", so Wolf. Es gebe noch eine Warteliste, darüber hinaus wollte man zunächst aber keine weiteren Jahreskarten mehr verkaufen.

Das führte nun zu Kritik: "Wir haben bereits Prügel bezogen von denjenigen, die erst nach zwei Wochen aufgewacht sind", sagte Wolf. Doch er zeigte sich auch kompromissbereit. Denn obwohl die Kosten für das Bad, unter anderem wegen des späten Saisonstarts, 2020 höher ausfallen, habe man es den Bürger doch ermöglichen wollen, rauszukommen. "Sollte es handhabbar sein", sagte der Bürgermeister nun vorsichtig, "kann es sein, dass die Zahlen erhöht werden."


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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