Digitalisierung der Eppinger Schulen stößt auf technische Hürden

Eppingen  Die Internetanbindung der Eppinger Schulen ist zum Teil unzureichend. WLAN nur an drei von elf Einrichtungen vorhanden. Immerhin laufen den Schulen jetzt 355 Notebooks zu. Wie die Gemeinderäte den Digitalpakt beurteilen:

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Guter Empfang: Die Selma-Rosenfeld-Realschule zählt mit 400 Megabit pro Sekunde Datendurchsatz zu den am besten ans Internet angebundenen Schulen Eppingens.

Foto: Jörg Kühl

Die Schulen der Stadt Eppingen sollen "in den kommenden Wochen, spätestens nach den Weihnachtsferien" mit je einem Klassensatz Notebooks, das sind je 25 Stück, ausgestattet werden. Das ist Bestandteil der Medienentwicklungspläne der Eppinger Schulen, die dem Gemeinderat auf dessen jüngster Sitzung vorgestellt wurden. Insgesamt werden peu à peu 355 Notebooks angeschafft. Diese werden an Schüler, die über keine eigenen Geräte verfügen, ausgeliehen.

Die Ausstattung mit Notebooks ist die eine Seite, die technische Verwaltung der Infrastruktur und Endgeräte eine andere. Hierfür sind bis Ende 2022 Fördergelder in Höhe von 42 Euro je Schüler vom Land bereitgehalten. Bezogen auf die 3000 Schüler an den Eppinger Schulen bedeutet das ein Budget für technische Dienstleistung und Wartung in Höhe von etwa 120 000 Euro.

Von 1000 Megabit bis sechs Megabit alles vorhanden

Die größte Hürde ist die sehr unterschiedliche Verfügbarkeit schneller Internetanschlüsse an den Schulen. Die Hellbergschule und die Grundschule im Rot sind mit einem Datendurchsatz von 1000 Megabit pro Sekunde am besten angebunden, gefolgt vom Hartmanni-Gymnasium und der Selma-Rosenfeld-Realschule, an denen 400 Megabit pro Sekunde anliegen. Alle anderen Schulen sind datentechnisch weit abgehängt. Nur 50 Megabit pro Sekunden kommen an den Grundschulen Adelshofen, Richen, Mühlbach und Kleingartach an, die Grundschule Rohrbach ist mit 16 Megabit versorgt.

Schlusslichter bilden die Kraichgauschule und die Grundschule in Elsenz mit einem Datendurchsatz von nur sechs Megabit pro Sekunde. Sehr unterschiedlich ist auch die Ausstattung der Schulen mit WLAN-Technik. Die ist bis dato nur am Hartmanni-Gymnasium, an der Selma-Rosenfeld-Realschule und in der Hellbergschule vorhanden. In die Grundschule im Rot wird WLAN derzeit eingebaut, für die Grundschule in Kleingartach ist der Einbau eines WLAN-Netzes geplant.

Wozu zusätzliches Personal benötigt wird

Dass das Thema Digitalisierung der Schulen viele Menschen in Eppingen und den Ortsteilen bewegt, wurde an der Diskussion zum Tagesordnungspunkt deutlich. Reinhard Ihle (SPD), der selbst Lehrer ist, lobt, dass bei dem Digitalpakt die Grundschulen mit einbezogen sind. Auf dem Weg gebe es noch großen Nachholbedarf. Es werde Monate benötigen, um die technischen Voraussetzungen zu schaffen, ehe alle Schulen an zeitgemäßes Internet angebunden sind. Ihle fordert, dass es für die Zeit nach 2022 eine Anschlussfinanzierung für die Wartung und technische Dienstleistungen gibt.

Für das Projekt Schule 21 benötige es zusätzliches Personal und eine verlässliche dauerhafte Finanzierung durch das Land, forderte Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke (parteilos). Die IT-Betreuer müssten vom Land gestellt werden. Das Stadtoberhaupt zeigte sich angesichts des schleppenden Internetausbaus verärgert. Schon 2015/16 seien jedem Haushalt 50 Megabit pro Sekunde versprochen worden.

Niemanden aus den Augen verlieren

Jörg Haueisen (Freie Wähler), der im Rahmen der letzten Sitzung des Gemeinderats in diesem Jahr für seine zehnjährige Mitgliedschaft von Holaschke geehrt wurde, zeigte sich besorgt, dass die 42 Euro pro Kind und Förderperiode womöglich nicht ausreichen, um die Kosten für Wartung und Anwenderunterstützung zu bezahlen. "Reicht das, oder wird es noch teurer?"

Melanie Veith (CDU) appellierte, während der Pandemie alle Schüler im Blick zu behalten und niemanden zu verlieren. "Vor allem jene nicht, die in Prüfungsvorbereitung sind." Wie wichtig die Digitalisierung der Schulen ist, sei bei der ersten coronabedingten Schulschließung im Frühjahr deutlich geworden.


Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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