Ein Eppinger im Marathon-Fieber

Eppingen  Rainer Weibler aus Eppingen-Richen hat bereits die fünf größten Marathonrennen geschafft. Für dieses Jahr plante er zusammen mit seiner Frau die Teilnahme am Amsterdam-Marathon, aber die Corona-Pandemie machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Von Gabriele Schneider
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Martina und Rainer Weibler zeigen ihre Honolulu-Marathon-Medaillen, die sie sich erlaufen haben, entspannt auf dem Sofa. Er bewältigte den großen Marathon, sie die Zehn-Kilometer-Strecke.

Foto: Gabriele Schneider

Dieses Jahr ist vieles anders. Was viele Menschen immer wieder schon beinahe wie ein Mantra dahersagen, entspricht tatsächlich der Wirklichkeit. Im Alltag, im Berufsleben, aber auch beim Sport. Und hier auch beim Marathonlaufen.

Ein knappes Jahr ist es her, dass Rainer Weibler und seine Frau Martina von Richen aus nach Hawaii aufbrachen. Der heute 54-Jährige wollte den Waikiki-Marathon in Honolulu laufen, Martina Weibler die angeschlossene Zehn-Kilometer-Strecke. Das gelang den beiden auch mit Bravour. Sie erreichten ihr jeweiliges selbstgestecktes Pensum im schwülheißen tropischen Klima und brachten großartige Erinnerungen mit nach Hause.

Coronavirus macht Strich durch die Rechnung

Für dieses Jahr planten Weiblers bereits die Teilnahme am Amsterdam-Marathon, aber das Coronavirus machte ihnen einen Strich durch die Rechnung: Der Lauf findet wie auch der Honolulu-Marathon und zahlreiche andere Läufe in diesem Jahr nur virtuell statt. Was aber keinesfalls bedeutet, dass die Teilnehmer dabei faul auf dem Sofa liegen.

Mit einer App und einem Knopf im Ohr, wie Weibler es beschreibt, laufe man eine marathonlange Strecke bei sich in der Gegend. Über die Kopfhörer erfahre man dann regelmäßig, an welchem Punkt auf der Originalstrecke man gerade wäre, würde man diese tatsächlich absolvieren.

Doch zur Zeit ist selbst das Lauftraining nicht ganz so einfach wie sonst. Aktuell darf man höchstens zu viert zusammen laufen. "Wir sind fast immer sonntagmorgens irgendwo in der Region mit einem befreundeten Paar unterwegs", erzählen Weiblers.

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr sei das noch schwieriger gewesen, erinnern sich die beiden. Damals durfte man nur allein laufen. Marathon, das sei nicht einfach nur Sport, betont Rainer Weibler. Beim Marathon habe man viele wichtige Erlebnisse. Er nehme sich beispielsweise die Zeit, während eines Laufs auch hin und wieder stehenzubleiben, um Fotos von der Landschaft zu schießen oder kleine Videos zu drehen.

So handhabte er es auch beim Honolulu-Marathon und hat nun eine ganze Menge Fotos und Filmchen auf dem Handy, die ihn und andere Betrachter an Hawaii und den Lauf erinnern.

Artikel in der Kraichgau-Stimme führte zu Treffen

Bei Läufen lerne man auch immer wieder interessante Menschen kennen, erzählt er. Bevor Weiblers vergangenes Jahr zunächst zu ihrem studierenden Sohn in Kalifornien und von dort weiter nach Honolulu abreisten, las eine Marathongruppe von der Schwäbischen Alb, die ebenfalls am Lauf teilnahm, einen Artikel über Weiblers bevorstehende Teilnahme am dortigen Marathon in der Kraichgau Stimme. Mitglieder der Gruppe nahmen dann Kontakt mit dem Ehepaar auf. "Wir haben uns dort dann auch tatsächlich verabredet und getroffen", erzählt Martina Weibler, und ihr Mann zeigt fröhliche Fotos von diesem Treffen.

Rainer Weiblers Passion, in der ganzen Welt Marathonläufe zu absolvieren, endete auch in Honolulu nicht. Im kommenden Jahr nehmen er und seine Frau vielleicht, wie für dieses Jahr geplant, am Amsterdam-Marathon in den Niederlanden teil.

Um die sechs größten Läufe der Welt absolviert zu haben, fehlt Rainer Weibler nur noch Tokio, aber auch Washington, Osaka und Paris stehen auf der Wunschliste des Paars.

Der Paris-Marathon fiel dieses Jahr coronabedingt ebenfalls aus. Ob Weiblers nächstes Jahr dort mit am Start sind, er für die große, sie für die kleine Strecke, steht noch in den Sternen. "Wenn der Lauf in Paris dann wieder stattfinden kann, werden vermutlich zuerst die Teilnehmer angenommen, die schon für dieses Jahr angemeldet waren", vermutet Rainer Weibler.

Aber es gibt ja auch noch viele andere schöne Strecken.


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