Die strikte Test- und Hygienestrategie der evangelischen Sozialstation greift

Bad Rappenau/Bad Wimpfen  Die Mitarbeiter der evangelischen Sozialstation in Bad Rappenau testen sich seit Monaten selbst. Auch wurde sehr früh mit FFP 2-Masken gearbeitet. Das hat sich bewährt: Bisher gab es kein Corona-Ausbruch.

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Die Mitarbeiter der evangelischen Sozialstation in Bad Rappenau testen sich seit Monaten selbst. Zwar sei der Test nicht angenehm, sagt Geschäftsführer Johannes Klopprogge. Doch konnte ein Ausbruch bislang vermieden werden.

Foto: Seidl

Seit genau einem Jahr beschäftigt sich Johannes Klopprogge, Geschäftsführer der evangelischen Sozialstation Bad Rappenau/Bad Wimpfen, mit der Frage, wie er seine 90 Mitarbeiter sowie die Patienten in der ambulanten Pflege vor Covid-19 schützen kann. Hinter ihm liegt manch eine schlaflose Nacht. Doch das Nachdenken hat sich gelohnt: "Wir sind bislang von einem Ausbruch verschont geblieben."

Klopprogge führt das vor allem auf zwei Ursachen zurück: Zum einen habe man sehr früh mit FFP 2-Masken gearbeitet, zum anderen schon im Sommer angefangen, konsequent zu testen.

Schnell selbst gehandelt

"Wir haben uns die Frage gestellt, ob wir warten, bis die Politik entscheidet, oder ob wir selbst handeln." Seit Dezember sind in der Pflege zwei Tests pro Woche vorgeschrieben. In Bad Rappenau testen sich die meisten Pflegekräfte täglich. Klopprogge hat sie geschult und jeden mit ausreichend SARS Covit Rapid Antigent Tests versorgt: "Es war klar, dass wir die nicht alle über die Kassen finanziert bekommen", so Klopprogge: "Aber wir machen es trotzdem."

Erfolgreich durch die Pandemie
Johannes Klopprogge, Geschäftsführer der evangelischen Sozialstation Bad Rappenau/Bad Wimpfen. Foto: Ulrike Plapp-Schirmer, Ulrike

80 Prozent der Pfegebedürftigen in Baden-Württemberg werden von ihren Angehörigen und/oder von einem Sozialdienst versorgt. Die evangelische Sozialstation Bad Rappenau/Bad Wimpfen hat 400 Kunden. Die meisten brauchen zwei Mal am Tag Hilfe. "Das eine große Herausforderung", sagt Johannes Klopprogge, der auf die Bedeutung der ambulante Pflege verweist: "Derzeit wird viel über Altenheime gesprochen, aber die meisten Menschen werden zu Hause gepflegt." Sein Ziel, einen Ausbruch zu verhindern, hat er bislang geschafft: Für Klopprogge ist das das Highlight dieses Corona-Jahres.

Ambulante Pflege fällt hinten runter

Längst arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialstation Bad Rappenau/Bad Wimpfen mit Selbsttests. Wenn man diese fachmännisch durchführt, ist das laut Klopprogge unkompliziert und einfacher als gedacht. Für ihn ist der tägliche Test so selbstverständlich wie Zähneputzen.

Er macht seinen Abstrich morgens kurz nach dem Aufstehen. Nach dem Frühstück sei sein Ergebnis da, erzählt er. Wichtig sei nur, dass man wirklich tief in die Nase rein gehe und tatsächlich zehn Sekunden drin bleibe.

"Alle Mitarbeiter wurden befähigt, sich selbst zu testen." Das klappt. Und er verstehe daher auch nicht, warum das Erzieher und Lehrer nicht auch hinbekommen würden: "Man muss den Mitarbeitern auch was zutrauen."

Ablaufplan bei positivem Test

Fällt ein Test positiv aus, habe man einen Ablaufplan, wie es weitergehe. Drei Mal war das im zurückliegenden Jahr der Fall. Nie gleichzeitig: Sonst hätte Johannes Klopprogge die Reißleine gezogen.

"Bei uns läuft das auch deshalb so gut, weil unsere Mitarbeiter professionell und verantwortungsvoll unterwegs sind", lobt er sein Team. Die Zufriedenheit mit ihrem Job sei in der Corona-Zeit sogar noch gestiegen: Selbsttests schützen nämlich nicht nur die Patienten, sondern auch die Fachkräfte. Und nutzt einer von denen einen Test privat, etwa, weil er seine alten Eltern besucht, hat der Chef nichts dagegen. Hauptsache, es bleiben alle gesund.

Zwischenzeitlich sind die ersten Fachkräfte der Sozialstation mit Sitz Bad Rappenau geimpft und Klopprogge ist zuversichtlich, dass sich hier in den nächsten vier Wochen einiges tut.

Allerdings sei auch bei diesem Thema die ambulante Pflege etwas hinten runtergefallen: Während in den Altenheimen mobile Impfteams unterwegs waren, kümmern sich seine Leute selbst um ihren Termin. Man werde daher noch lange mit Selbsttests arbeiten sagt der Geschäftsführer.

Angehörige derzeit besonders belastet

Corona macht einsam: Das betont Johannes Klopprogge, Geschäftsführer der evangelischen Sozialstation Bad Rappenau/Bad Wimpfen, im Gespräch mit der Kraichgau Stimme. Angebote wie eine Demenz-Gruppe sind derzeit ausgesetzt: "Bei den Teilnehmern bemerken wir Veränderungen", sagt er. Dementen Menschen fehlten Aktivitäten wie das Gedächtnistraining: "Man merkt, wie diese zu Hause abbauen", so Klopprogge. Zugleich verweist er auf die Bedeutung der Pflege durch Angehörige: "Man muss auch mal darauf hinweisen, dass das derzeit eine große Belastung ist."

 

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Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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