Erfolgsgeschichte des Bikinis zeigt sich in Bonfeld an der A6

Bad Rappenau  Im neuen Bikiniartmuseum im Bad Rappenauer Ortsteil Bonfeld an der Autobahn A6 wird die Geschichte der Bademode lebendig erzählt. 74 Jahre nach der Präsentation des ersten Bikinis wird das neue Museum am Sonntag um 9 Uhr eröffnet.

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Die Sammlung der Bikini-Expertin Ghislaine Rayer ist im Museum integriert.

Es ist der 5. Juli 1946, kurz nach den Atombomben-Tests der USA im Bikini-Atoll. Designer Louis Réard lädt zu einer Modenschau ins Pariser Schwimmbad Molitor ein. Micheline Bernardini, Nackttänzerin im Casino de Paris, trägt dort ein zweiteiliges Kleidungsstück: einen Bikini. Das ist neu, das ist spektakulär - und das verspricht kurz nach dem Krieg ein Stück Freiheit.

Wenn genau 74 Jahre später, nämlich am Sonntag, 5. Juli, das Bikini-Art-Museum im Bad Rappenauer Ortsteil Bonfeld offiziell eröffnet wird, werden die Besucher dort mit der ganzen Geschichte der Bademode konfrontiert.

Unterstützung durch die Stadt Bad Rappenau

Die Ausstellungsmacher spannen den Bogen vom 19. Jahrhundert, wo die Damen beim Baden noch in schwere Wollkostüme gehüllt waren, bis in die Gegenwart. "Heute ist es allein die Entscheidung der Frau, was sie zum Baden tragen will", sagt die Kulturwissenschaftlerin Alexandra Regiert.

Von der ersten Präsentation der Idee im Bad Rappenauer Gemeinderat bis zur Realisierung hat es knapp vier Jahre gedauert. Der Regensburger Unternehmer Alexander Ruscheinsky hatte 2006 den ersten von zwei Autohöfen an der A6-Ausfahrt eröffnet. Zum Hotelbesitzer wurde er, weil die Stadt das zur Auflage gemacht hatte.

Das Privatmuseum, das ohne öffentliche Gelder gebaut worden ist, ist an die Hotelerweiterung angedockt: eine Erfolgsgeschichte. Es ist heute das weltweit erste Themenmuseum, das sich der Bademode als einem Teil der Modegeschichte, und hier speziell dem Bikini widmet.

Wie es der Zufall will, war Bad Rappenau einst Sitz der Firmen Felina und Benger-Ribana. Felina ist heute Teil des Konzerns European Lingerie Group E|L|G. Benger-Ribana schloss 1983 die Tore. 22 Benger-Ribana-Originale sind in Bonfeld ausgestellt, versteckt hatten sie sich bis dato im örtlichen Stadtarchiv.

Erfolgsgeschichte an der Autobahn

Offiziell eröffnet das Bikiniartmuseum im Bonfelder Gewerbegebiet Buchäcker am Sonntag, 5. Juli. Genau 74 Jahre nach der Präsentation des ersten Bikinis in Paris.

Museumsdirektor Reinhold Weinmann erklärt Bad Rappenau zur Welthauptstadt der Bademoden und zitiert damit den dortigen Oberbürgermeister Sebastian Frei. Überhaupt sei man von der Stadt sehr unterstützt worden, betont er.

Das Medieninteresse bei der Pre-View an diesem Freitag ist riesig: ZDF, BILD, SWR und natürlich die regionalen Medien sind dabei. "Wir werden international wahrgenommen", sagt Roxana Ruscheinsky. "In der Voque war ein Hinweis auf die Eröffnung", erzählt Weinmann. "Überwältigend" sei der richtige Begriff für das große Interesse.

Die Sammlung des Bikini-Art-Museums umfasst zwischenzeitlich 1200 Stücke. Rund 400 Exponate werden auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern gezeigt. Einmal pro Stunde läuft ein 20-minütiger Film über die Anfänge des Bikinis - mit vielen prominenten Gesichtern.

Zwölf Originale von Louis Réard

Erfolgsgeschichte an der Autobahn

Der Goldene Réard gilt als der teuerste Bikini der Welt. In Bonfeld werden zwölf von 16 noch bekannten Bikinis von dem Erfinder Louis Réard gezeigt.

Fotos: Mario Berger

Drei Jahre habe ein überwiegend junges Team an dem Konzept gearbeitet, sagt Roxana Ruscheinsky. Die Ausstellung trage die Handschrift der Historikerin Lisa Otten und der Fashiondesignerin Johanna Müller. "Letztlich", sagt Reinhold Weinmann, "ist der Bikini nur ein Stück Stoff." Erst durch die Inszenierung werde er lebendig - und mit ihr erwacht auch die Vergangenheit.

1870 geht es los mit wollenen Ganzkörperkostümen in der Vitrine. Zu sehen sind aber auch Glanzstücke traditioneller Firmen wie Triumph, Naturana und Jantzen, Dior, Chanel oder Pucci. Von Louis Réard, dem Erfinder des Bikinis, befinden sich zwölf von 16 weltweit noch bekannten Originalen im Besitz des Bikini-Art-Museums. Die französische Mode-Expertin Ghislaine Rayer hat ihre eigene Sammlung an das neue Museum abgegeben.

Über Louis Réard schreibt sie, dass er visionär und seiner Zeit weit voraus gewesen sei. "Seine Badeanzüge wurden von internationalen Stars und von Frauen der High Society getragen. Da sie hauptsächlich nach Maß gefertigt wurden, sind nur wenige erhalten geblieben. Das Bikini-Art-Museum ist das einzige Museum der Welt, in dem gleich mehrere der exklusiven Werke von Louis Réard zu sehen sind."

 


Kommentar von Ulrike Plapp-Schirmer: Quietschfidel 

Das Bikini-Art-Museum ist ein neues, kulturelles Highlight in der Tourismusregion Heilbronn.

Was aus einer kleinen Idee entstehen kann, zeigt der Unternehmer Alexander Ruscheinsky mit seinem sehr jungen Team in Bad Rappenau. In kurzer Zeit ist dort ein Museum entstanden, das sich dem Bikini widmet. Das wurde von vielen skeptisch beäugt. Wissenschaftlicher Anspruch oder sexistische Präsentation? Das Bikini-Art-Museum setzt sich mit dieser Frage auseinander - auch wer diskutieren will, ist dort willkommen.

Das Bikini-Art-Museum überrascht damit, dass es die Vielseitigkeit des Themas "Bademode" liebevoll herausarbeitet. Zielgruppe ist ein junges und jung gebliebenes Publikum. Es gibt zahlreiche Fotopunkte, an denen sich die Besucher selbst inszenieren können. Ihre Bilder in den sozialen Medien sollen zur Verbreitung des Themas beitragen. Wie ein interaktives Museum aufgebaut sein muss - auch das zeigen die Macher in Bonfeld.

Das Bikini-Art-Museum hat das Potenzial eines touristischen Highlights der Region Heilbronn. Dort gibt es keine Berge und kein Meer, und doch lohnt es sich, dort Urlaub zu machen. Selbstbewusst stellt sich das Museum neben Einrichtungen wie den Freizeitpark Tripsdrill in Cleebronn, das Zweiradmuseum in Neckarsulm oder das Auto- und Technikmuseum in Sinsheim. Langeweile sieht anders aus. Das Bikini-Art-Museum setzt einen quietschfidelen Akzent an der grauen Autobahn.


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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