Beim Boule-Club Gemmingen rollt die metallene Kugel seit 15 Jahren

Gemmingen  Die geplante Feier zum unechten Jubiläum muss der Gemminger Boule-Club nun um ein Jahr verschieben. Dem Spiel selbst tut das aber keinen Abbruch - und es zeigt sich, welchen Sport die Freunde noch beim Boule betreiben.

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Ein Sport für alle Generationen: Gründungsmitglied Axel Birk ist 82 Jahre alt und gilt als der Regelfanatiker im Boule-Club Gemmingen. Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Die beiden Bahnen liegen im spitzen Winkel zueinander unter schattigen Bäumen. Zwischen Tennis- und Sportplatz passen sie gerade so rein. Die Kirche ist in Sichtweite, der Klang der Glocken weht herüber. Bänke entlang der Bahnen und eine Sitzgruppe mit Tisch laden zum Verweilen ein. Die Mitglieder des Boule-Clubs Gemmingen haben sich ein lauschiges Plätzchen ausgesucht, um sich mit nichts als ein paar metallenen Kugeln gegenseitig aus dem Rennen zu werfen. "Bei uns ist das ein Wettkampf", sagt Gründungsmitglied Axel Birk mit ernstem Blick. Er fügt dann aber auch an, dass sich hier Freunde mit Freunden treffen würden.

Wer mit wem spielt, wird ausgelost. Und am Ende gewinnt die Kugel, die dem Schweinchen, der unscheinbaren Zielkugel, am nächsten ist. "Da wird erst stundenlang geschätzt - und wenn wir uns nicht einig werden, wird gemessen", erzählt Axel Birk. Das sei dann auch der eigentliche Sport, den sie betreiben würden: das Messen. Und sich gegenseitig auf die Schippe nehmen, könnte man anfügen. Boule lebt auch davon, den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Wenn möglich mit Humor.

Über sportliche Erfolge

Birk spielt schon lange Boule oder auch Pétanque, wie das Spiel in Frankreich meistens genannt wird. Und er sei auch, sagt der 82-Jährige augenzwinkernd, schon mal besser gewesen. "Wir haben alle zu spät angefangen", meint er. Denn obwohl Boule eine Generationen umspannende Sportart ist, kann nur meisterlich spielen, wer früh angefangen hat. Axel Birk verweist hier auf die sportlichen Erfolge der Heilbronner Damen vom Club Boule Voleuse, in dem er zeitweise mitgespielt hat.

2005 haben die Tennisspieler Jochen Redlin, der zwischenzeitlich verstorbene Alexander Kiegst und Axel Birk den Boule-Club gegründet. "Wenn es für den Tennisschläger zu spät ist, reicht es für Boule immer noch", sei die Idee gewesen, so Birk. Seitdem rollen in Gemmingen schwere Kugeln aus Metall über grauen Kies. Die Gemeinde hatte den Bau der ersten Bahn unterstützt, vorausgesetzt, diese würden der Allgemeinheit zur Verfügung stehen: "Aber außer uns spielt keiner", sagt Birk. Die erste Bahn wurde in Eigenleistung gebaut. Die zweite kam 2011 dazu, weil die Nachfrage so groß war.

Neue Mitglieder sind willkommen

Die metallene Kugel rollt seit 15 Jahren

In Gemmingen wird seit 15 Jahren Boule gespielt. Anfang Juni hätte das Jubiläum gefeiert werden sollen. Das Fest wurde wie so vieles um ein Jahr verschoben. Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Der Boule-Club Gemmingen hat 25 Mitglieder, 17 davon sind aktiv. Fünf bis sieben kommen derzeit montags, dienstags und samstags ab 16.30 Uhr zusammen. Eine weitere Freizeitgruppe spielt immer dienstags und donnerstags um 10 Uhr. Neue Mitglieder sind natürlich willkommen. Diese Sportart habe den Vorteil, betont Jochen Redlin, dass Jung und Alt ohne körperliche Nachteile chancengleich gegeneinander antreten könnten.

Die Gemminger sind das ganze Jahr über auf ihren Bahnen anzutreffen: In der dunkleren Jahreshälfte spielen sie unter Flutlicht. Wer behaupte, Boule, das Jeu Provençal oder Pétanque hätten nichts mit körperlicher Anstrengung zu tun, der irre: "Nach drei Partien, die fast immer ausgetragen werden, hat jeder Spieler zwei Stunden intensive Bewegung an der frischen Luft", klärt Jochen Redlin auf. Und damit nicht genug: Die Kugeln wiegen durchschnittlich 700 Gramm. Nach zwei Stunden habe der Spieler also mindestens 130 Kilogramm Gewicht bewegt, getragen, geworfen und wieder aufgehoben - und war im Schnitt fast einen Kilometer zu Fuß unterwegs.

Auch beim TSV Heinsheim wird geboult

Nicht nur in Gemmingen wird Boule gespielt, sondern auch in Eppingen, in Brackenheim, in Nordheim - oder beim TSV Heinsheim. Seit drei Wochen sind die Spieler dort wieder aktiv, allerdings unter Beachtung strenger Auflagen. Auf jeder der zwei neuen Bahnen dürfen nur zwei Personen als Team spielen. Auf dem Weg, der bis 2019 als Boule-Bahn diente, wird ebenfalls gespielt. "Wir haben eine super Beleuchtung", sagt Ursula Konrad, deren Mann Manfred die Begeisterung für das Spiel einst nach Heinsheim getragen hat. Und so könne man auch am Abend und in der dunkleren Jahreszeit weiterspielen.

Montags ab 18 Uhr ist in Heinsheim Boule-Zeit. Derzeit nutzt jeder seine eigenen Kugeln und ein eigenes Schweinchen, wie die Zielkugel genannt wird. "Das Schöne an dem Spiel ist die Gemeinschaft", betont Ursula Konrad. Doch das, was sie immer so gern gemacht hätten, nämlich hinterher noch zusammen zu sitzen, gemeinsam zu essen und zu trinken und vor allem, gemeinsam zu lachen, das gehe derzeit eben nicht: "Man begrüßt sich nur noch mit Winke Winke".

Auf das französische Küsschen Küsschen, das zu dem französischen Pétanque gehört, wird der Gesundheit zuliebe verzichtet. Ist die Bahn montags schon besetzt, drehe man derzeit ab und gehe wieder nach Hause, erzählt Ursula Konrad. Doch die Regulierungen ändern sich schnell. Und so hoffen auch die Mitglieder des TSV Heinsheim darauf, dass sich der Spielbetrieb bald wieder normalisiert.


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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