Bad Rappenauer Initiative kämpft für andere Bebauung des Kurgebiets

Bad Rappenau  239 Haushalte haben ihre Unterschrift auf eine Liste gesetzt, in der gefordert wird, den Bebauungsplan im Kurgebiet zu überarbeiten. Den Initiatoren sind vor allem die Höhe der neuen Gebäude und der Eingriff in die Natur ein Dorn im Auge.

Email

Überall wachsen hohe Gebäude in den Himmel. Dr. Michael Thomas (von links), Eduard Freundlich und Kay Jörgens wünschen sich ein anderes Vorgehen.

Foto: Elfi Hofmann

Der Kurhügel ist den Bad Rappenauern heilig. Viele Anwohner haben wegen der Bautätigkeiten der vergangenen Jahre Angst, dass das Gebiet nach und nach seinen Charakter verliert. Um sich gegen diese in ihren Augen "planlose und unkontrollierte Überbauung" zu wehren, hat sich um den Internisten Dr. Michael Thomas eine Initiative zur Anpassung des Bebauungsplan gegründet. 365 Haushalte wurden kontaktiert, 239 meldeten sich zurück.

Bild des Kurgebiets gefährdet

"Der Ausbau geht eindeutig zu Lasten der Bewohner", sagt Thomas. Viele würden sich nicht mehr wohlfühlen und überlegen, wegzuziehen. Dabei gehe es ihm als Initiator nicht nur um Lärm und Schmutz, der durch die Baustellen entsteht. Auch gegen die Schaffung von Wohnraum haben Thomas und seine Mitstreiter nichts einzuwenden. Vor allem die Höhe der Gebäude ist ihnen aber ein Dorn im Auge. Die zerstöre das Bild des Kurgebiets.

Der Bebauungsplan und damit die Grundlage für die neuen Gebäude für das Gebiet ist bereits fast 30 Jahre alt und gibt zahlreiche Möglichkeiten für den jeweiligen Bauherrn vor. Da sind sich die Mitglieder der Initiative und Oberbürgermeister Sebastian Frei einig. Für Dr. Kay Jörgens, der sich ebenfalls gegen die Art der Bebauung ausspricht, dürfen die Träger diese Vorgaben allerdings zu großzügig ausnutzen. "Wir wollen, dass die Rahmenbedingungen eingehalten werden", sagt Jörgens.

Sebastian Frei versteht den Ärger der Anwohner. "Aber wir können einen Bebauungsplan nicht einfach ändern, wie wir wollen", erklärt er. Geplant sei, das Thema im Herbst im Gemeinderat auf die Tagesordnung zu bringen und dort Lösungsvorschläge zu diskutieren. So einfach und trivial, wie es klingt, sei es aber nicht. Denn das Gremium könne keine Baugenehmigung erteilen. "Das kann nur die Baurechtsbehörde. Wir können nur Richtlinien vorgeben", sagt der OB. An gewissen Stellschrauben könne aber durchaus gedreht werden. Dazu gehört auch der Mangel an Autostellplätzen. Im alten Plan ist genau ein Parkplatz pro Haushalt vorgeschrieben. "Die Infrastruktur ist einfach nicht mehr zeitgemäß", sagt Michael Thomas.

Ein weiterer Aspekt, der für die Initiative wichtig ist: Viele Bäume und Grünflächen verschwinden durch die großen Häuser. "Die Versiegelung wird einfach stillschweigend hingenommen", sagt Kay Jörgens bei einem Rundgang durch das Gebiet und zeigt auf Gehwege, wo noch vor wenigen Monaten Pflanzen gewesen seien. Enttäuscht sind die Beteiligten von den im Gemeinderat vertretenen Parteien, die sich sonst für Umweltthemen stark machen, sich in diesem Fall aber nicht äußern würden. "Dadurch verschwindet ja auch Lebensraum für Insekten", so Jörgens.

Jede Lücke wird gefüllt

Was auch verschwindet, sind kleine Einfamilienhäuser, die durch größere ersetzt werden, befürchtet die Initiative. "Jeder einzelne Lücke wird hier gefüllt", sagt Kay Jörgens. Adelheid Haffelder, die im Kurgebiet ein Haus besitzt, berichtet von Anrufen, in denen sie gefragt wird, ob sie ihr Eigenheim verkaufen möchte. "Mir wurde dann gesagt, dass sie jeden Preis zahlen würden", erzählt sie. Die Anfragen, auch direkt an der Haustür, seien teilweise sehr unverschämt. "Hier herrscht eine richtige Goldgräberstimmung", sagt Haffelder. Die neu entstandenen Wohnungen werden laut Michael Thomas für bis zu 5000 Euro pro Quadratmeter verkauft. "Das ist kein bezahlbarer Wohnraum und auch nicht für die Allgemeinheit", sagt er.

Sebastian Frei hat sich mehrmals mit den Mitgliedern der Initiative über ihre Bedenken unterhalten. "Ich kann es nachvollziehen, dass die Anwohner nebenan kein so hohes Gebäude haben wollen", sagt er. Man müsse aber auch an das Gemeinwohl denken, Einzelbetroffenheit könne nicht der Maßstab sein. Trotzdem will auch er eine Nachverdichtung mit Augenmaß.

Das fordert die Initiative

Kurzfristig möchte die Initiative eine strengere Auslegung der Vorgaben des gültigen Bebauungsplans durch die Stadt Bad Rappenau sowie eine Ausnutzung des Ermessensspielraums der Gemeinde auch zu Gunsten der Bewohner des Kurgebiets und der Natur. Mittelfristig fordern sie eine Überarbeitung des Plans, um einen zeitgemäßen Schutz von Bewohnern und Natur sowie eine geordnete Weiterentwicklung der zukünftigen Bautätigkeit zu erreichen.

Außerdem soll es einen Plan geben, um die massive Verdichtung zu verhindern und Grünzonen nicht nur zu erhalten, sondern auch wiederherzustellen. Außerdem soll die Infrastruktur angepasst werden. Dass bereits gebaute Häuser stehen bleiben werden, ist den Mitgliedern der Initiative bewusst. "Wir möchten aber, dass die Stadt beim Ermessensspielraum nicht nur für die jeweiligen Bauträger entscheidet", heißt es.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

Kommentar hinzufügen