Auf Du und Du mit Turteltauben und Finken

Gemmingen  Seit fast 17 Jahren schreibt Ralf Gramlich kindgerechte Texte über Vögel und seine Erlebnisse als Ornithologe. Anfang kommenden Jahres erscheint seine 100. Geschichte.

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Der Ornithologe Ralf Gramlich hat sein Fernglas eigentlich immer dabei. Wenn er auf dem Heimweg einen Vogel entdeckt, hält er an und beobachtet das Tier.

Foto: privat

Das Hobby zum Beruf machen - davon träumen viele Menschen. Ralf Gramlich hat diesen Schritt gewagt, auch wenn er ihn auf mehreren Umwegen erreicht hat. Der Gemminger ist nicht nur Erster Vorsitzender und Geschäftsführer der ORNI-Schule, die sich der Vogelkunde widmet, und Leiter des Landschaftspflegetrupps des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Er schreibt auch regelmäßig Geschichten für das kostenlose Eltern-Kind-Magazin Zappelino aus Bad Wimpfen. Und natürlich dreht sich dabei alles um seine große Leidenschaft: die Vögel. Im kommenden Frühjahr erscheint seine 100. Geschichte.

Frei erfunden ist nichts

"Die Vogelarten gehen mir nicht aus", sagt der 58-Jährige schmunzelnd. Weltweit gebe es über 10 000, viele von ihnen leben auch in Deutschland. So wie der Kolkrabe, dem Ralf Gramlich 2017 eine Geschichte gewidmet hat und dem er wie immer mit Kornelius einen menschlichen Namen gegeben hat. "Mindestens zwei oder drei der Anfangsbuchstaben stimmen überein", erklärt er. So wird, um vor allem Kinder anzusprechen, aus dem Kuckuck Kurt oder aus der Turteltaube Tura. Fast alles, was Gramlich schreibt, hat er auch selbst erlebt. Frei erfunden ist nichts. Die Texte schreibt er im Zug von oder nach Karlsruhe, seine Frau liest Korrektur.

Dass er irgendwann als Pflegetruppenleiter arbeiten würde, war in seiner Jugend nicht absehbar. Damals widmete sich der Vater von fünf Kindern vor allem dem Sport, machte Karate. "Irgendwann hat mich ein Freund gefragt, ob ich am Sonntag mit an einen Alt-arm des Neckars kommen will", erinnert er sich. Dort beobachteten sie auch Vögel. Das Thema sei von Anfang an "befriedigend und interessant" gewesen und habe ihn stark inspiriert. "Also habe ich mich gegen Karate und für die Naturkunde entschieden." Nach einer Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur schulte Ralf Gramlich zum Baumschulgärtner um.

Sein Wissen hat er autodidaktisch erarbeitet

Nach einigen Jahren Berufserfahrung bewarb er sich Anfang der 90er Jahre bei der Bezirksstelle für Naturschutz, seit 2004 das Referat Naturschutz und Landschaftspflege. "Ich habe damals acht Zivis betreut", erzählt er. Im Laufe der Jahre gestaltete er die Stelle um, kümmert sich heute gemeinsam mit Kollegen um die Beschilderung von Naturschutzgebieten und ist in Sachen Artenschutz unterwegs. Als Ornithologe engagiert er sich natürlich weiterhin. "Das Wissen habe ich mir autodidaktisch erarbeitet", sagt er. Damit auch andere davon profitieren, hat er 2003 die ORNI-Schule gegründet. Der Gedanke an einen solchen Verein trieb ihn bereits vor 30 Jahren um. Im ehemaligen Milchhäusle treffen sich nicht nur die 60 Mitglieder regelmäßig.

Weniger Vogelfedern bedeutet nichts Gutes

Auch feldornithologische Kurse sind im Angebot. Sechs Monate werden die Teilnehmer in Theorie und Praxis geschult. "Die Menschen kommen mittlerweile aus ganz Süddeutschland, auch Akademiker sind dabei", erzählt Ralf Gramlich. Bisher hätten rund 100 Personen an dem Kurs teilgenommen. Dass er immer seltener Vogelfedern findet, beunruhigt Ralf Gramlich. "Das ist ein Signalgeber für den Zustand der Vogelwelt und ein Indiz für den Qualitätsverlust", sagt er.

Ob er seine mittlerweile fast 100 Geschichten über den Grauspecht, die Feldlerche oder die Graugans irgendwann in einem Buch veröffentlich, werde er oft gefragt, so der Gemminger. "Ich bin mir unsicher." Schließlich gäbe es schon viele solcher Werke auf dem Markt. Auch einen Verlag zu finden sei nicht einfach. Außerdem habe er gewisse Ansprüche an einen potenziellen Zeichner. Ideen hätte er noch viele, genauso wie passende Namen.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Elfi Hofmann ist seit April 2019 bei der Heilbronner Stimme und dort vor allem im Kraichgau unterwegs. Sie ist für Bad Rappenau, Siegelsbach und Hüffenhardt zuständig und gehört dem Thementeam Umwelt an.

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