Archäologie an der A6: Über die Funde eines Heimatforschers

Bad Rappenau  Der verstorbene Heimatforscher Dr. Hans-Heinz Hartmann hatte sich im 29. Heimatboten mit Funden an der A6 beschäftigt. 2018 wurde dort ein Brandgrab gefunden. Der Tote, der dort eingeäschert wurde, muss ein wohlhabender Mann gewesen sein.

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Bei der Erweiterung der A 6 und beim Bau eines Parkplatzes in Höhe Bonfeld tauchten Scherben auf, die vom Leben im dortigen Gewann Breitloch erzählen. Foto: privat

Die Autobahn ist ein Ort, an den es den im Februar verstorbenen Bad Rappenauer Heimatforscher Dr. Hans-Heinz Hartmann immer wieder gezogen hat. Wann immer dort gebaut wurde, war er zur Stelle, um sich "interessante Einblicke unter die einstigen Oberflächen" zu verschaffen.

2017 und 2018 wurde die A6 im Bereich Bonfeld verbreitert: Hartmann fand Scherben, die auf den verschwundenen frühmittelalterlichen Weiler "Eichhausen" hinwiesen.

Über seine Funde schrieb der Zahnarzt und Hobbyarchäologe immer im Bad Rappenauer Heimatboten, der jedes Jahr vom Heimat- und Museumsverein herausgegeben wird. Der Aufsatz zur "Archäologie an der Autobahn - 7000 Jahre Geschichte auf Bonfelder Gemarkung" erschien 2018.

Früher Siedlungsspuren entdeckt

Wer sich für diesen Text interessiert, und für zahlreiche weitere Geschichten rund um Bad Rappenau, der bekommt den Heimatboten zum Nachlesen im Rathaus. Bei seinen gezielten Ausflügen zur Autobahn war Hans-Heinz Hartmann auch auf Siedlungsspuren aus neolithischer Zeit (um 5000 vor Christus) und keltischer Zeit (um 500 vor Christus) gestoßen.

Bei der großflächigen Erweiterung des A6-Parkplatzes südlich des Eichhäuser Hofs aber kamen auch Überreste der Römer an die Oberfläche: Hartmanns Spezialgebiet.

Der Heimatforscher wusste, dass er fündig werden würde. Schon beim Bau der Autobahn 1966 wurden dort Siedlungsstellen dokumentiert. "Im südöstlichen Bereich dieser Erweiterung", schrieb Hans-Heinz Hartmann nun, fanden "sich bereits 2016 und 17 beim Abtragen des Mutterbodens im dortigen ehemaligen Sumpfbereich des Bruchbachs viele römische Reste".

Darunter waren zwei Silberdenare, die Hartmann Römern zuordnete, die einst vermutlich in der nahen Villa Rustica wohnten. Wenn man das Glück hatte, mit ihm über Baustellen und Äcker zu gehen, wurde Geschichte lebendig. Aufgrund einer einzelnen Scherbe konnte Hartmann einen Bogen über ganze Epochen und Länder spannen.

Silber, um den Fährmann zu bezahlen

Besonders spannend ist die Geschichte, die er im Zusammenhang mit einem Brandgrab erzählte. Das wurde 2018 gefunden und klärte die Herkunft der Denare auf. Das Geld war einem Toten mitgegeben worden, damit er den Fährmann bezahlen konnte.

Ohne die Silbermünzen wäre er nach damaligem Glauben abgewiesen worden und hätte auf Ewig an den Ufern des Unterweltstromes klagen müssen.

Ganz offenbar war der Tote wohlhabend. Bei der Feuerbestattung lag er in einem Sarg und trug genagelte Schuhe: Feuerpatinierte Bretter- und Schuhnägel zeugen davon. Speise- und Trinkgefäße waren mitverbrannt worden, ein Öllämpchen sollte den Weg ins dunkle Jenseits erhellen.

Das, was das Feuer übriggelassen hatte, wurde in einer Grabgrube deponiert. Man nehme an, schrieb Hartmann, dass Freunde und Angehörige während und nach der Verbrennung das Todesmahl feierten. Viele im Bonfelder Breitloch gefundenen Scherben deuteten darauf hin, "dass man dem Toten kräftig zugeprostet und die ausgetrunkenen Gefäße zur Besiegelung der guten Wünschen zerschlagen hat."


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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