Aliens und Hühner aus Toilettenpapier

Eppingen  Die Künstlerin Ingeborg Zotz zeigt ihre Skulpturen im digitalen Epfi, dem Eppingen Figurentheater. Mit ihrem Lebensgefährten zusammen ist sie gerade aus Australien zurückgekehrt.

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Ingeborg Zotz ist vielseitig tätig. Neben ihren Skulpturen malt und zeichnet sie. Außerdem leitet sie Kurse und hat ein Schul-Lehrbuch geschrieben.

Foto: Elfi Hofmann

Blaue Aliens, langohrige australische Bilbys und kleine Hühner: Die Künstlerin Ingeborg Zotz hat in den vergangenen 20 Jahren eine kleine Fantasiewelt erschaffen, die ab 27. Februar auf der Website des Eppinger Figurentheaters zu sehen sein wird. "Das ist eine tolle Erweiterung für das digitale Epfi", sagt Thomas Zotz.

Dass er gemeinsam mit seiner Frau Heidi Callewaert-Zotz den Werken diese Plattform bieten kann, liegt vor allem an der Entscheidung seiner Mutter, ihrer Wahlheimat Australien nach über zwei Jahrzehnten den Rücken zu kehren. Seit vergangenen September lebt die Künstlerin in Eppingen. "Wir wollten enger mit der Familie zusammen sein", sagt die 79-Jährige. Mit Corona habe die Entscheidung nichts zu tun.

Rückkehr aus Austalien

Die Pandemie hat allerdings Auswirkungen auf den Transport ihres Hab und Guts gehabt. Mit sechs Wochen Verzögerung kam der Container in Deutschland an, einige Dinge sind nach wie vor unauffindbar. Dazu zählen auch größere Skulpturen.

Dass die nur wenige Zentimeter großen Werke heil angekommen sind, hat auch etwas mit ihrer Verarbeitung zu tun. Grob gesagt wurden die Bilbys und Hühner aus der in manchen Zeiten begehrten Ware Toilettenpapier hergestellt.

"Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich die perfekte Mischung hatte", erinnert sich Ingeborg Zotz. Das Papier reißt sie dafür klein und löst es in Wasser auf. Untergemischt wird Gips, Leim und Öl. Die Masse lasse sich leicht verarbeiten und müsse nicht in einem Ofen gebrannt werden, erklärt Zotz.

Wenn alles ausgetrocknet ist, sei das Werk stabil und polierbar. Nachdem Ingeborg Zotz die Skulpturen bemalt hat, pinselt sie diese mit Schellack ein. "Dass es so gut funktioniert, hat mich selbst ein bisschen beeindruckt." Das Material benutzt sie auch, um Golfbälle zu verkleiden und mit Mustern zu bemalen.

Mit den Tierfiguren hat Thomas Zotz einen kurzen Stop-Motion-Film gedreht, der ebenfalls auf der Epfi-Website veröffentlicht werden soll. "Ich habe ein bisschen improvisiert, eine Geschichte ist aber nicht dahinter", erzählt er. Auch wenn die Skulpturen nur bedingt im Figurentheater einsetzbar seien: "Sie regen für weitere Ideen an."

Langjährige Zusammenarbeit

Ingeborg Zotz arbeitet nicht zum ersten Mal mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter zusammen. Vor einigen Jahren hat sie ein zehn Meter langes Bild gemalt, das parallel zu einer von Heidi Callewaert-Zotz vorgetragenen Geschichte im Hintergrund ausgerollt wurde. "Es ist toll, in einer Künstlerfamilie zu sein", erzählt Callewaert-Zotz.

Für Ingeborg Zotz und ihren Mann Eberhard Schäfer war die Rückkehr nach Deutschland vor allem mit dem Kauf von warmer Kleidung verbunden. "Uns war wirklich ziemlich kalt", erzählt Schäfer. In Sydney sei es selbst im Winter selten vorgekommen, dass die Temperaturen einmal unter zehn Grad gesunken waren. Auch die Kontaktbeschränkungen machen den beiden zu schaffen, denn neue Menschen lernt man so nicht kennen.

Ihre Schwägerin im Allgäu kann Ingeborg Zotz ebenfalls im Moment nicht besuchen. Die Ausstellung, wenn auch nur online, sei daher eine gelungene Abwechslung.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Elfi Hofmann ist seit April 2019 bei der Heilbronner Stimme und dort vor allem im Kraichgau unterwegs. Sie ist für Bad Rappenau, Siegelsbach und Hüffenhardt zuständig und gehört dem Thementeam Umwelt an.

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