Adolf-Vielhauer-Ausstellung öffnet ohne Vernissage

Eppingen  Die Feier zur Eröffnung im Eppinger Stadtmuseum fällt aus. Dennoch kann sich jeder dort ein Bild vom Leben des Theologen und Afrika-Missionars machen.

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Afrika-Feeling neben solider Schreinerarbeit, wie etwa Vielhauers Schreibtischstuhl, präsentieren Peter Riek und Petra Binder im Stadtmuseum.

Foto: Schwarzbürger

Ein interessantes Gespräch wäre das geworden am Donnerstag in der "Alten Universität". Schließlich hat man nicht alle Tage Gelegenheit, Menschen zu treffen, die ganz persönlich von bedeutenden, längst toten Persönlichkeiten berichten können. So wie Maria und Otto Vielhauer von ihrem Vater, dem 1959 verstorbenen Eppinger Missionar Gustav Adolf Vielhauer. Ihm widmet jetzt das Stadt- und Fachwerkmuseum die Ausstellung ""Ich lege mein Herz auf Gott"/Adolf Vielhauer bei den Bali in Kamerun".

Otto Vielhauer kommt trotzdem

Die feierliche Eröffnung fällt also coronabedingt aus, ebenso ein angekündigter Ausstellungs-Spaziergang mit Maria und Otto Vielhauer am 2. Dezember. Ab 25. November können sich interessierte Besucher dennoch im Museum ein Bild von Leben, Werk, Glauben und Überzeugungen des 1880 in Eppingen geborenen Theologen und Afrika-Gesandten der Basler Mission machen. Vielleicht trifft jemand sogar zufällig Otto Vielhauer vor Ort an. Denn der 1935 in Bali/Kamerun geborene Sohn Adolfs lässt es sich nicht nehmen, auch ohne offizielle Funktion anlässlich der Ausstellung aus Berlin anzureisen. Otto und seine in Herbolzheim (Breisgau) wohnende Schwester Maria (Jahrgang 1936) sind die einzigen noch lebenden der fünf Kinder aus zwei Ehen.

Lokales Thema war eigentlich zur Gartenschau geplant

"Es gibt keinen konkreten Anlass für die Ausstellung", sagt Stadtarchivarin Petra Binder, "außer, dass die Kinder noch vom Vater erzählen können." Eigentlich war die Schau zur Gartenschau geplant, fügt Museumsleiter Peter Riek hinzu. Da war ein lokales Thema gefragt, und da die Vielhauers "eine alte Eppinger Familie" sind, "hat sich das angeboten. Auch, weil wir die Sachen größtenteils hier im Museum und im Archiv haben", so Riek. Adolfs Vater war sogar Bürgermeister der Fachwerkstadt.

Übersetzung in Mungata war eine große Leistung

Die Sachen: Das sind viele Fotos. Und in erster Linie ist da viel Schriftliches. Viele Briefe, die Vielhauer an seinen ältesten Sohn Philipp geschrieben hat. Der 1914 in Bali geborene stand ihm wohl besonders nah, mutmaßt Petra Binder, da er nicht nur der Erstgeborene war, sondern später ebenfalls Theologe wurde. Und Auszüge aus seiner Arbeit. Schließlich hat sich der Missionar besonders um die Übersetzung der Bibel in Mungaka verdient gemacht. Kein leichtes Unterfangen, weil die Bewohner von Bali, einer Gemeinde im Hochland von Kamerun, die in dieser Sprache kommunizierten, gar keine Schrift kannten. Und keine Schulbildung.

Riek, der anfangs skeptisch war, "eine sehr wortlastige Ausstellung" zu kuratieren, ist mit dem Ergebnis zufrieden: "Ich habe extremen Respekt vor der Leistung Vielhauers gewonnen", sagt der Museumsleiter. Binder sieht die Verdienste des Missionars darin, sich nicht nur um den Bau von Kirchen, sondern auch von Schulen gekümmert zu haben.

Afrika-Feeling mit Palmen und Holzhockern

Um Schrifttafeln und Vitrinen herum haben die Ausstellungsmacher mit Möbeln und Gegenständen aus Afrika und Vielhauers Zeit viel Atmosphäre geschaffen. Und "eine Überwinterungsmöglichkeit für Pflanzen der Gartenschau", freut sich Riek. Die Palmen tragen zum Afrika-Feeling im Raum bei. So wie auch einige hölzerne, geschnitze Möbelstücke aus Familienbesitz.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt geöffnet bis 19. Februar 2022 - täglich außer montags von 14 bis 16 Uhr .


Susanne Schwarzbürger

Susanne Schwarzbürger

Autorin

Susanne Schwarzbürger ist seit 2000 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Nach vielen Jahren im Team Kinder/Jugend/Familie ist sie jetzt in der Regionalredaktion schwerpunktmäßig für den südlichen Kraichgau und für Bildungsthemen zuständig.

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