Zehn Euro aus der Stadtkasse pro Badegast in Eppingen

Eppingen  Fast immer zahlen Städte und Gemeinden für ihre Hallenbäder drauf. Eppingen liegt bei der Subventionierung der Badegäste im bundesweiten Mittel.

Stadt schießt pro Badbesuch zehn Euro zu

Hallenbad Eppingen: Zählt man Schulen und Vereine mit, kamen 2018 rund 58.000 Badegäste hierher.

Foto: Archiv/Plapp-Schirmer

Kommunale Hallenbäder sind fast immer ein Zuschussgeschäft. Eppingen macht da keine Ausnahme. Für 2019 rechnet die Stadt damit, dass die Bäder in Mühlbach und in der Kernstadt 755.000 Euro Defizit einfahren. Rechnerisch wird jeder Badbesuch mit zehn Euro subventioniert.

Vereine und Schüler als wichtige Nutzer

Ein kommunales Hallenbad profitabel betreiben? "Keine Chance", sagt Eppingens Kämmerer Tobias Weidmann. Unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten werden die Einrichtungen nicht betrachtet. Hier trainieren Vereine, Schüler lernen schwimmen, Freizeitsportler ziehen für wenig Geld ihre Bahnen. Um das zu ermöglichen, legen Städte und Gemeinden kräftig drauf. Eppingen bietet das Hallenbad am Berliner Ring und das kleine Bad in Mühlbach, das vor allem von Schul- und Vereinssport genutzt wird. Der Aufwand für Unterhalt, Personal und Abschreibungen summiert sich 2019 voraussichtlich auf mehr als 1,1 Millionen Euro.

Fast 80.000 Besucher in beiden Bädern

Das geht aus dem aktualisierten Haushalt der Energie- und Verkehrsbetriebe Eppingen (EVE) hervor. Bei dem städtischen Tochterunternehmen sind neben Parkhaus und Solarstromanlagen die Bäder angesiedelt. Den Schwimmbecken sind rund 350.000 Euro an Einnahmen zuzuordnen, das meiste aus dem Stromerlös des Blockheizkraftwerks. Rund 60.000 Euro pro Jahr kommen durch Eintrittsgelder in die Kasse.

Das Hallenbad hatte 2018 fast 29.000 zahlende Gäste, mit Schul- und Vereinssport sind es an die 58.000. In Mühlbach schwammen 3900 Freizeitsportler gegen Eintrittsgeld, insgesamt waren es geschätzte 18.000 Nutzer. Rechnet man die Zahlen zusammen und stellt den erwarteten Verlust gegenüber, ergibt sich: Eppingen subventioniert jeden Badbesuch mit rund zehn Euro aus der Stadtkasse. Damit legt die Fachwerkstadt eine Punktlandung hin. nach einer Langzeitstudie der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen beträgt der durchschnittliche Zuschussbedarf aller Bäder pro Besuch zehn Euro.

Gewinn versprechen nur große Erlebnisbäder

Defizite sind hier also die Regel und oft eine Belastung für Kommunen. Mit Schlagworten wie "Bädersterben" ist die Gesellschaft für das Badewesen trotzdem vorsichtig. Sie verzeichnet derzeit 5500 öffentliche Bäder in Deutschland, dazu 1000 Schulschwimmbäder. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte lasse sich nicht seriös nachzeichnen, weil eine verlässliche Vergleichsbasis fehle, heißt es in Veröffentlichungen des Verbands.

Gewinn lässt sich mit Wellness-, Spaß- und Erlebnisbädern machen. Sie sind meist in privater Hand und ermöglichen es den Betreibern, hohe Eintrittspreise zu verlangen. Die Tageskarte in der Badewelt Sinsheim kostet schon mal mehr als 40 Euro.

Das Schwimmvergnügen in kommunalen Bädern ist günstig zu haben. Drei Euro kostet die Einzelkarte in Eppingen, 1,30 Euro in Mühlbach. Für die Stadt werden die Bäder Verlustbringer bleiben, wie in den Erläuterungen zum EVE-Haushalt nachzulesen ist: "An dieser Situation wird sich weder mittelfristig noch langfristig etwas ändern."


Alexander Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist seit 2003 bei der Heilbronner Stimme. Er berichtet über den Kraichgau, Verkehr, Pendler und Themen aus benachbarten Landkreisen. 

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