Wolfgang Scheidtweiler gibt Leitung von Palmbräu ab

Eppingen  Im Familienbetrieb soll jetzt die nächste Generation ans Ruder: Dorothee Scheidtweiler und Lionel Berger werden bei Palmbräu geschäftsführende Gesellschafter. Der bisherige Chef Wolfgang Scheidtweiler zieht sich mit 71 Jahren zurück.

Von Peter Boxheimer

Stabwechsel bei Palmbräu

Stabwechsel bei Palmbräu (von links): Braumeister Zdenek Prokop, Wolfgang und Dorothee Scheidtweiler, Lionel Berger und Betriebsleiter Oliver Kohler.

Foto: Peter Boxheimer

 

Nächste Woche wird er 71 Jahre alt. Für Wolfgang Scheidtweiler ist die Zeit gekommen, den Familienbetrieb mit fünf Braustätten in jüngere Hände zu legen. "Die neue Generation" soll künftig die Verantwortung tragen - auch für die Brauerei Palmbräu in Eppingen.

Tochter Dorothee Scheidtweiler und Patensohn Lionel Berger werden als geschäftsführende Gesellschafter das Unternehmen leiten. Beide sind Betriebswirtschaftler. Der 45-jährige Lionel Berger gehört als Mitgesellschafter seit neun Jahren zur Firmenspitze. Dorothee Scheidtweiler arbeitete lange Zeit bei einem Hausgerätehersteller in München in leitender Position. "Ich habe mich entschieden, die heimischen Betriebe weiterzuführen", sagt die 43-Jährige. Wohin die Reise geht, will das Duo gemeinsam festlegen.

Palmbräu steht gut da

Die Palmbräu, die Wolfgang Scheidtweiler am 1. April 2009 nach einer Insolvenz übernommen hat, liegt ihm nach wie vor besonders am Herzen. "Das ist mein Baby", schmunzelt er, "und ich gebe das gern in junge Hände." Auch künftig will der Seniorchef danach schauen, ob seine Nachfolger pfleglich mit dem Sprössling umgehen.

Die Jahreszahlen 2017 stimmen die Eigentümer optimistisch. 34 000 Hektoliter Bier hat die Eppinger Brauerei ausgestoßen - ein Plus von 1,4 Prozent. Bundesweit musste die Branche dagegen einen Verlust von zwei Prozent hinnehmen. Nach wie vor punkten die Kraichgauer mit ihrem Bier des Monats, das weiter ausgebaut werden soll.

Eppingen ist das Herzstück

"Wir haben eine große Fangemeinde", freut sich Dorothee Scheidtweiler. Seit April 2014 wird jeweils ein Sud von 130 bis 140 Hektolitern hergestellt. Frische und kurze Lieferwege sind für Palmbräu dabei die Trümpfe. "Es ist schön, altdeutsche Sorten wieder aufleben zu lassen", meint Lionel Berger. Als Beispiele nennt er das Märzen und den Frühlingsbock.

Im Scheidtweilerschen Brauereiverbund spielt Eppingen eine wichtige Rolle. "Das Abfüllzentrum ist unser Herzstück, und um das kümmern wir uns ganz besonders", versichert Dorothee Scheidtweiler. 45 000 Hektoliter Bier kommen in der Anlage an der Ludwig-Zorn-Straße jährlich in Flaschen - auch für das Brauhaus in Pforzheim und Franz in Rastatt. 2018 soll die Menge auf 50 000 Hektoliter gesteigert werden.

Verfügbarkeitsprobleme im letzten Jahr

Dass die Füllerei noch ein bisschen leistungsfähiger wird, ist ein Ziel von Lionel Berger, in dessen Aufgabenbereich der Vertrieb fällt: "Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen." Um das Volumen zu steigern, müsse investiert werden. Auch im vergangenen Jahr habe es mitunter Verfügbarkeitsprobleme gegeben. "An manchen Tagen hatten wir noch nicht genug Bier da", erläutert Berger.

Investitionen sind auch in Kühlhaus, Gär- und Lagerkeller geplant. "Wir bauen eine neue Kältetechnik ein, die umweltfreundlicher und energetisch sinnvoller ist", kündigt Wolfgang Scheidtweiler an. Dadurch ließen sich Einsparungen von 30 Prozent erzielen. Ammoniak soll durch Glykol ersetzt werden. Die Aufwendungen beziffert der Seniorchef mit gut 100 000 Euro. An ihnen führe dieses Jahr kein Weg vorbei: "Es gibt neue Vorschriften, die man einhalten muss."

Bierbrauen erlebbar machen

Die Bierherstellung erlebbar zu machen, hat sich die fürs Marketing zuständige Dorothee Scheidtweiler vorgenommen. Vom 23. bis 25. März gibt es in Eppingen ein Brauereifest mit Musikprogramm und Besichtigungen. Party in den Betriebsräumen: "Da freuen wir uns drauf", unterstreicht die neue Chefin. "Das werden zweieinhalb tolle Tage." Um das Thema Biervielfalt geht es bei einem Zelt-Event am Vatertag in Brackenheim.

Auch unter der neuen Regie soll an allen Scheidtweiler-Standorten vor Ort gebraut werden. Für den Seniorchef gibt es hier keine Alternative: "Bier braucht wirklich Heimat."