Vor der Wahl fordern alle einen besseren S-Bahn-Takt

Eppingen  Eppingen drohte in den 1990er-Jahren, von der Schiene abgehängt zu werden. Jetzt ist die Stadt ein Bahnknotenpunkt. Verbesserungsbedarf gibt es aber durchaus, betonen Vertreter aller Parteien und Gruppierungen, die sich am 26. Mai zur Kommunalwahl stellen.

Von Alexander Hettich

Vor der Wahl: Alle fordern besseren S-Bahn-Takt

Gut angebunden: Am Eppinger Bahnhof fahren Stadt- und S-Bahn (hinten). Hier wünschen sich manche mehr Züge Richtung Heidelberg.

Foto: Archiv/Hettich

Eppingen ohne funktionierenden Bahnhof? Unvorstellbar. Vor nicht einmal drei Jahrzehnten war das aber durchaus eine Option. Dann kam die Stadtbahn zwischen Karlsruhe und Heilbronn und wurde zum Erfolgsmodell. Später wurde die Kraichgaustadt an die S-Bahn Richtung Heidelberg angeschlossen.

Die Gemeinden entlang der Strecke haben sich mit viel Geld an der Elektrifizierung beteiligt, regelmäßig mahnen sie ein besseres Angebot: Sie wollen einen Halbstunden-Takt auf der Elsenztalbahn, zumindest in den Stoßzeiten, statt nur einen Zug pro Stunde. Das Verkehrsministerium verweist regelmäßig darauf, dass auf der eingleisigen Strecke zwischen Eppingen und Sinsheim Museum kein 30-Minuten-Takt möglich sei.

Erst Angebot ausbauen, dann kommt die Nachfrage

Erst das Angebot ausbauen, dann zieht die Nachfrage an - das sei die Philosophie des Stadtbahnvaters und früheren AVG-Chefs Dieter Ludwig gewesen, erinnert Hartmut Kächele. "Diesen Gedanken müssen wir weiterverfolgen", fordert der SPD-Fraktionsvorsitzende mit Blick auf die S-Bahn. Hier sind die Forderungen der Eppinger Kommunalpolitiker fast wortgleich. "Die Bahn muss den Kunden erstmal etwas anbieten", sagt Klaus Scherer von der CDU. Jörg Haueisen von der Freie Bürger-Wählervereinigung (FBW) ist überzeugt: "Wenn man das Angebot schafft, kommt auch die Nachfrage."

Peter Wieser erinnert ebenfalls an den Erfolg der Stadtbahn. "Angebotsorientiert weiter machen", fordert der Grünen-Stadtrat. Die Stadtbahn sieht er zum Teil "vom eigenen Erfolg überrannt". Immer wieder gibt es Klagen über unpünktliche oder ausfallende Züge. Wieser beklagt auch die "Kleinstaaterei" der Tarifverbünde. In eppingen treffen drei Verbünde aufeinander, entsprechend kompliziert wird es mitunter für Fahrgäste. Wieser fordert außerdem er bessere Busverbindungen in Eppinger Teilorte. "Die Jugendlichen sehnen sich nach einem Auto", beklagt er. "Der ÖPNV muss in die Fläche."

Bürgerbus findet breite Unterstützung

Der geplante Bürgerbus, den ein Verein in Eppingen vorantreibt, ist zunächst als Angebot für die Kernstadt gedacht. Er soll Wohngebiete an der Peripherie mit den Einkaufszentren verbinden, vorerst aber nicht die Teilorte ansteuern.

Vertreter aller Fraktionen im Gemeinderat haben sich für den Bürgerbus ausgesprochen, die Stadt soll das Fahrzeug für 110.000 Euro kaufen, ehrenamtliche Fahrer werden am Steuer sitzen. "Das muss mit Leben gefüllt werden", sieht Klaus Scherer (CDU) bei der Rekrutierung der Fahrer noch ein Problem. Für Hartmut Kächele von der SPD ist der Bus eine "logische Ergänzung des Angebots".

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